Zombie-Anleihen – Friedhof Finanzmarkt!

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Liebe Leser,

die Corona-Wirtschaftsangst greift weltweit um sich. In der Euro-Zone wird gerettet, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist (Autoindustrie, Luftfahrtindustrie, Fussball-Unternehmen und so fort). Jetzt greift auch der höchstverschuldete Staat der Welt noch einmal sehr tief in die Kassen – und wird uns allen damit keinen Gefallen erweisen. Die US-Regierung kauft sogenannte Zombie-Anleihen, Anleihen von Unternehmen also, die früher als Zombie-Unternehmen bezeichnet wurden. Dies sind Unternehmen, die wirtschaftlich gar nicht mehr überleben.

Niemand weiß, wie viele Unternehmen diesem Status schon entsprechen, weil die wenigsten Vorstände sich der Öffentlichkeit direkt stellen. Der Anteil, die Dunkelziffer jedoch, wird recht hoch sein. So habe ich vor wenigen Wochen einer glaubwürdigen Schätzung entnommen, dass 10 % oder gar 12 % aller Unternehmen in den USA bereits Zombie-Unternehmen seien. Lebende Untote.

Boeing: Der größte Zombie

Der zweifellos größte Zombie dieser Art ist allerdings das Flugzeugunternehmen Boeing. Boeing hat im April kein Flugzeug verkaufen können. Immerhin hat die US-Regierung ihr großzügiges Unterstützungsangebot gar nicht unterbringen können. Vielmehr hat Boeing seine neuen Schuldenpapiere lieber bei privaten Investoren verteilt (die wiederum darauf hoffen, Boeing wird eines Tages zu groß sein, um von der Regierung fallen gelassen zu werden). 25 Milliarden Dollar nahm Boeing auf und hat dafür eine Laufzeit von bis zu 40 Jahren durchsetzen können. Boeing hat nun so viele Schulden wie ganz Neuseeland.

Andere Unternehmen ziehen hinterher: Nike, Visa, demnächst sicherlich Hertz, auch Disney. All diese Unternehmen und noch viele andere mehr werden von den Finanzmärkten Geld erhalten. Warum? Weil die Fed, die US-Zentralbank eingegriffen hat. Die möchte 750 Milliarden Dollar für Anleihen ausgeben – auch an Unternehmen, die vorher schon kein Geld mehr an den Finanzmärkten erhalten haben. Von 2020 bis 2020 sind die Schulden der US-Unternehmen um über 60 % geklettert und haben die Marke von 10 (!) Billionen Dollar überschritten.

Was passiert nun? Die Risikoaufschläge bei Anleihen insgesamt sinken, das heißt letztlich die Renditen für die Kreditgeber. Deshalb bekommen nun zahllose Unternehmen, die wiederum etwas mehr Rendite bieten, wieder Geld. Warren Buffett riet diesen Unternehmen bereits, sich bei der Fed zu bedanken. Das kann nur ironisch gemeint sein.

Denn nachdem die US-Wirtschaft, die bedeutendste der Welt(!) gezeigt hat, dass sie praktisch ohne Reserven betrieben wird und jede Krise sofort das Aus bedeuten kann, wird es nun bizarr: „Es legen Leute Bonds auf, die sich kein Geld leihen sollten“, lässt sich der Experte Mohamed El-Erian zitieren und beschreibt den Markt für Hochzinsanleihen – mit höchstem Risiko.

Der damalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, des IWF, Olivier Blanchard, sprach einst von einem 2-Phasen-Krisenmodell: 1. „Whatever it takes“ ist der erste Schritt zur Krisenbewältigung – die Institutionen geben soviel Geld aus, wie benötigt scheint. Die 2. Phase steht noch bevor: „Um Himmels willen, was haben wir getan?“.

Sie sollten sich wappnen,

mit freundlichen Grüßen,

 



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