Wirecard: Vor Gericht!

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Liebe Leser,

Wirecard ist auch gestern nicht zur Ruhe gekommen. Der bisherige Vorstandschef Markus Braun ist im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat zurückgetreten, hieß es. Klar: der Aufsichtsrat wollte oder musste ihn auch loswerden. Ein erstes Bauernopfer, und deshalb greife ich die Geschichte erneut auf. Sie ist ein Lehrstück über das, was uns aktuell auch an den Finanzmärkten vorgespielt wird.

Wenige Schuldige

Das Unternehmen hat in Bilanzfragen den Eindruck gemacht, als führe eine Schülerzeitungsredaktion in wilden Nachtsitzungen die Geschäfte. Die ursprünglichen Vorwürfe lauteten, das Unternehmen habe Umsätze verbucht – über eine Tochter in Singapur -, die es gar nicht gab. Das hatte u.a. die FT aufgedeckt. Im Rahmen einer Sonderprüfung sollte die KPMG feststellen, ob es die Umsätze nicht doch gegeben hat. Entsprechende Daten konnte der sogenannte Drittpartner jedoch nicht liefern – auf welcher Grundlage wurde dann gebucht?

Die Präsentation des Jahresabschlusses wurde – dann – verschoben. Der 18. Juni sollte zum großen Tag werden. Kurz vor Abschluss verweigerte EY als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft das Testat: Ein Treuhandkonto mit einem Kontostand von 1,9 Milliarden Euro Guthaben existiert in dieser Form möglicherweise gar nicht – jedenfalls nicht mit diesem Guthaben. Wieso stellt niemand solche enormen Lücken fest?

Kurz: Ich glaube nicht daran, dass lediglich ein CEO und 1,2 Vorstandsmitglieder hier geschlafen oder nur mit Insider-Geschäften Kasse gemacht haben. Hätten sie dies versucht – etwa über Short-Geschäfte oder den rechtzeitigen Aktien-Verkauf – wäre es falsch gewesen, so lange im Amt zu verharren. Es gab hinreichend oft Ausstiegsgelegenheiten. Jetzt stehen sie im Fokus der Staatsanwaltschaft München.

Aber wir suchen in solchen Fällen offenbar einfache Erklärungen. Nun möchte auch die Fondsgesellschaft DWS vor Gericht ziehen. „Wir verklagen Wirecard und Markus Braun“ (Ex-CEO), lässt sich die  Gesellschaft in der „FAZ“ zitieren. „Zum Schutze unserer Anleger müssen wir feststellen lassen, inwiefern dem Unternehmen oder auch Herrn Braun Versäumnisse vorzuwerfen sind.“ Immerhin hatte die DWS „vor wenigen Monaten zu den Großaktionären“ gerechnet, die „Beteiligungen zuletzt aber heruntergefahren“, wie es heißt.

Zuletzt heißt wohl: zu spät. Damit wäre ich beim Kern der Anmerkungen. Jetzt dürfen sozusagen alle passiv Beteiligten mit dem Finger auf eine Gesellschaft und vor allem auf deren leitende Angestellte richten. Dass ist nicht falsch. Die berühmten vier Finger derselben Hand allerdings richten sich auch auf die Stakeholder, wie die verbundenen Fonds, Investoren und Medien sich auf Neudeutsch bezeichnen lassen.

Die FT aus London hatte seit mehr als 1,5 Jahren Versäumnisse der Wirecard aufgelistet – Bilanzversäumnisse. Ich persönlich verwalte lediglich mein eigenes Geld am Finanzmarkt und berate publizistisch andere Investoren. Mit Beginn der Artikelserie der FT war klar, dass es zu Bilanzmanipulationen gekommen sein kann – und sogar dürfte. Zahllose Medienberichte gingen über die Vorwürfe einfach hinweg oder nahmen diese nicht ernst. „Fundamentalanalysen“, die sich mit der Bilanz beschäftigten, sahen die aufgeworfenen Mängel offenbar nicht.

Etliche Fonds investierten, auch aktiv gemanagte. Deren Aufgabe ist es an sich – dafür werden die Fondsmanager bezahlt -, dass Geld ihrer Kunden aktiv zu verwalten und den Unternehmen auf den Zahn zu fühlen. Der Fall dokumentiert das Prinzip einer ganzen Branche auf erschreckende Weise. Die Finanzmärkte funktionieren schlicht nach dem Herdenprinzip. Wenn Sie Ihr Geld sicher und langfristig investieren möchten, dann setzen Sie vor allem auf Substanz und nicht auf kurzfristige Geschichten über „Geschäftserfolge, Kooperationen, künftige Aufträge“ und so weiter. Warren Buffet etwa bemüht sich bei seinen Investitionen darum, das Geschäft des jeweiligen Unternehmens im Kern zu verstehen und den Wettbewerbsvorteil einschätzen zu können. Wirecard konnte seit mehr als einem Jahr noch nicht einmal Fragen zur Bilanz klären. Meiden Sie solche Unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

 

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auch lek am ars machen. Das sagt dann alles. ;)
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Gut gebrüllt LÖWE. Das Geld ist nicht weg...es hat oder haben nur andere. Die Frage ist nur; WER??
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