Wirecard: Eine von mehr als 100 Zombie-Aktien – Ausverkauf auch am Wochenende

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Liebe Leser,

Wirecard befindet sich im freien Fall. Auch am Samstag noch sind die Aktien des Dax-Unternehmens verkauft worden. Bei Lang&Schwarz können Investoren Aktien außerhalb der klassischen Öffnungszeiten handeln. Dort sind die Notierungen um weitere 7,4 % nach unten gefallen. Teils sank der Kurs sogar auf nur noch 20,05 Euro. Das wiederum entsprach im Vergleich zum Endkurs am Freitag einem weiteren Minus von gut 20 %. Besonders bemerkenswert ist der Umsatz: Immerhin sind Papiere im Wert von mehr als 2 Millionen Euro gehandelt worden. Das zeigt, dass Wirecard uns auch in der kommenden Woche noch beschäftigen wird.

Wirecard: Nicht der einzige Zombie

An dieser Stelle hatte ich nun mehrfach über das Unternehmen geschrieben. Kein Wunder: Es ist neben der Corona-Krise und den hohen Schulden schlicht das große Thema der Finanzmärkte. Inzwischen sind annähernd 10 Milliarden Euro (!) Börsenwert verschwunden. Das Geld ist weg, das hat, anders als bei einem alten Börsenspruch, auch nicht jemand anders.

Sie haben vom Grund der aktuellen Bewegungen gelesen: Die Präsentation des Jahresabschlusses ist in letzter Sekunde erneut verschoben worden, nachdem der Wirtschaftsprüfer EY sein Testat verweigert. Offenbar wollte Wirecard ein Bankguthaben von 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen ausweisen, das es es in dieser Form gar nicht gibt.

Ich habe mich mittlerweile mit einem Kenner der Szene auf den Philippinen unterhalten. Der wiederum zeigte sich keineswegs überrascht über das Vorgehen des angeblichen Treuhänders auf den Philippinen. Die Bemerkung bestätigt mich in der Frage, wie das Unternehmen, der Vorstand und alle Stakeholder wie etwa große Fonds diesen Umstand einfach übersehen konnten.

Ich erwähne Wirecard erneut, weil das Unternehmen ein Beispiel für weitere Konzerne ist, die in den kommenden Monaten ernsthaft auf den Prüfstand kommen. In Deutschland, in der EU wie auch in den USA existieren zahlreiche Zombie-Unternehmen, die sich diesen Namen verdient haben, obwohl sie schon lange nicht mehr profitabel wirtschaften oder bei normalen Zinsen ihre Kredite nicht bedienen können.

Es gibt Schätzungen, wonach 15 % bis sogar – nicht zu überprüfende – 20 % der Unternehmen in den USA davon betroffen wären. Die US-Unternehmen und Unternehmer haben den jüngsten Schätzungen nach 16,8 Billionen Dollar Schulden angehäuft. Allein im ersten Quartal sind die Schulden um 1,2 Billionen Dollar gestiegen, also bezogen auf den Ausgangswert um fast 10% gestiegen.

US-Unternehmen selbst haben etwa 10,5 Billionen Dollar Schulden. Dies sind den vorliegenden Zahlen nach fast 49 % des jährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Dies ist ein absoluter Rekord. Die US-Banken haben inzwischen sogar 17,6 Billionen Dollar Schulden angehäuft – im ersten Quartal legten sie ebenfalls 1,2 Billionen Dollar Verbindlichkeiten zu.

Die Klammer zu Wirecard: Hier darf nichts passieren. Wenn die Zinsen vom absoluten Rekordtief aus steigen würden, würde die Blase platzen. Würde der Markt frei über die Zinsen entscheiden, dann allerdings stiegen die Zinsen tatsächlich, wie alle Daten zeigen. Wer Kredite vergeben kann, würde angesichts der enorm gestiegenen Risiken einen Aufschlag von mindestens 1,5 Prozentpunkten verlangen. Nur noch die Fed (US-Zentralbank) hält diese ganze Konstruktion zusammen.

Die Situation um zahlreiche Zombie-Unternehmen ist damit ebenso wenig transparent, wie sie es bei Wirecard war oder ist. Wie die Märkte dann reagieren, zeigt das Beispiel von Wirecard aber eindrücklich. Selbst am Sonnabend geht der Ausverkauf weiter.

Das heißt: Eines Tages wird ein Zombie-Unternehmen nach dem nächsten auffliegen. Dann sollten Sie nicht mehr investiert sein. Wirecards Ausverkauf ist nur ein minimaler Vorgeschmack auf das, was solche Zombie-Unternehmen den Märkten bescheren werden. Konzentrieren Sie sich auf kaufmännisch gut geführte, transparente Unternehmen.

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Schuld sind die Täter und nicht die Opfer.
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Ihr seid immer noch am jammern. Ihr seid alle selber schuld Es gab genug Warnungen Ihr habt all
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Solange Schadenersatzforderungen behängen, wird gar nichts verteilt. Deshalb dauern Insolvenzverfahr
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