Wirecard: Der Wahnsinn hat Methode

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Liebe Leser,

Wirecard ist am Mittwoch weiter nach oben geklettert. Das Unternehmen gewann mit seiner Aktie gleich 5 % dazu. Ex-CEO Markus Braun konnte seiner direkten Verhaftung nur gegen Zahlung einer Millionen-Kaution entkommen, der neue Vorstand verhandelt mit Banken. Wird jetzt alles gut? Ich fürchte, der Wahnsinn hat Methode. Denn immer deutlicher wird das Bild von einer Branche, die sich hier selbst in die Tasche gelogen hat – und viel schlimmer: Auch privaten Anlegern reine Märchen auftischte.

Schon vor Tagen schrieb ich darüber, dass auch Fonds einen höheren Anteil an diesem Schaden haben werden – den übrigens dann dessen Anleger zahlen. Nun liegen Zahlen auf dem Tisch. So waren noch Ende Mai noch diverse Fonds mit einem höheren Volumen engagiert – zu einem Zeitpunkt, als schon längst in Frage stand, warum die Sonderprüfung der KPMG bis Ende April keine(!) Entlastung gebracht hatte.

DWS Deutschland: Fast 4 Milliarden Euro – versenkt?

Der große DWS Deutschland-Fonds etwa hat nach Angaben in der „Welt“ Ende Mai noch einen Bestand von 3,9 Milliarden Euro in Wirecard-Aktien gehabt. Dies waren 4,4 % des gesamten Fondsvermögens. Das bedeutet bei einem zwischenzeitlichen Kursverlust von bis zu 80 %, dass die Eigentümer der Anteile, also private Anleger, hier immerhin gut 3 Milliarden Euro verloren haben (zwischenzeitlich). Ein anderer DWS Fonds, der „DWS Invest German Equities“ unter demselben Fondsmanager hatte immerhin 3,9 % seines zu verwaltenden Fondsvermögens in die Aktie investiert.

Ein „Alken European Opportunities“ hatte gar 10 % des Fondsvermögens in Wirecard gesteckt, der „Alken Small Cap Europe“ immerhin noch einmal 9,3 %, der „Alken Continental Europe“ 9,1 %. Das ist nicht nur wirtschaftlich fragwürdig, sondern dokumentiert u.a., warum sich die Aktie überhaupt so lange so gut im Rennen halten konnte.

Solche Groß-Investoren haben offenbar viel zu lange die Füße still gehalten – rein spekulativ betrachtet meine ich, dass sie schon auf Buchwert-Verlusten saßen (bezogen auf die früheren Kursstände) und hier einfach auf die falschen Analysten gesetzt haben.

Die Commerzbank etwa haben im Frühjahr noch ein Kursziel von 230 Euro ausgerufen. Die Kollegen aus der Kreditabteilung der Commerzbank übrigens gehörten zu den größten Kreditgebern. Die „Welt“ zitiert den Nachrichtendienst „Bloomberg“, der ermittelt hat, dass noch vor dem Zusammenbruch am Donnerstag vergangener Woche das durchschnittliche Kursziel fast 160 Euro betrug. Das durchschnittlich erwartete Potenzial belief sich damit auf fast 100 %.

Das zeigt uns allen mehr über die Arbeit der Bankanalysten, als uns lieb sein könnte. Entweder die Analysten haben hier sämtliche Warnlampen – etwa der Wirtschaftsprüfer der KPMG oder etwa der Berichte aus der „FT – ignoriert, weil sie selbst ihre vorhergehenden wirtschaftlich ermittelten Kursziele nicht schnell genug revidieren wollten. Das wäre reiner Selbsterhaltungs- und Herdentrieb. Dann könnten Sie mit diesen Analysen ohnehin nicht arbeiten. Oder die Bankanalysten verwenden Modelle, die mit der Bilanzrealität oft genug wenig zu tun haben. Dann nämlich hätten die Bilanzanalysten – nach der Sonderprüfung der KPMG – schlicht sagen müssen, dass sich gar kein Kursziel auf Basis der Bilanz mehr ermitteln lässt. Da dies nicht passierte, sind möglicherweise auch diese Modelle unbrauchbar.

Wenn also auch die „Profis“ von Fondsgesellschaften und Bankanalysten auf Basis angeblicher Bilanzanalysen hier vollkommen daneben liegen, sollte Sie dies misstrauisch machen – auch gegenüber anderen Bilanzeinschätzungen. Gerade in der Krise werden jetzt noch manche Bomben hochgehen.

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hat Recht wenn er sagt, dass sich hier viele so eine Prüfung komplett falsch vorstellen. Keiner der
0 Beiträge
hulkier  #12486 01:22
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hulkier  #20312 01:12
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