Wirecard Aktie: Wer verdient im Hintergrund?

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Liebe Leser,

das leidige Thema Wirecard muss ich an dieser Stelle noch einmal aufgreifen. Denn auch am Freitagvormittag ging es weiter unerschütterlich bergab. -43 % standen zeitweilig auf den Kurstafeln. Ein fast unvergleichlicher Einbruch – und doch bleiben große Fragen. Was ist eigentlich passiert? Warum sehen die Prüfer in Deutschland dies nicht vorher? Wer verdient daran? Und welche Rolle spielen die Medien, die stets kleine, unbedeutende Kooperationsmeldungen dieses Unternehmens brav hergebetet haben?

Wirecard: 1,9 Milliarden Euro auf Konten – weg?

Wirecard musste die Präsentation des Jahresabschlusses verschieben, weil EY als prüfende Gesellschaft noch gar kein Testat ausgestellt hat. Der Abschluss, so, wie Wirecard in bis dato zusammenstellte, entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen. Warum?

1,9 Milliarden Euro auf zwei Banken in Asien, die sich als Aktiv-Posten finden, finden sich in der Realität bis dato nicht. Es gebe keine Belege für die Existenz dieser Guthaben auf den Treuhandkonten, heißt es. Das ist noch nicht ganz richtig. Denn EY unterstellt, dass die Belege, die es tatsächlich gibt, gefälscht sind. „Unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken“, so Wirecard in einer ersten Vermutung.

Lassen Sie sich dies auf der Zunge zergehen: Angeblich „bestätigt“ jemand dem Unternehmen in einer Saldenmitteilung die Existenz eines Guthabens, das es vielleicht gar nicht gibt. Das ein Dax-Konzern, der mit Finanzdienstleistungen sein Geld verdient, dies nicht merkt, sondern der Wirtschaftsprüfer, ist kaum vorstellbar. Dass interne Prüfer in Deutschland dies nicht vorher sehen – ist gleichfalls kaum vorstellbar.

Alles, was „böse“ Medien wie das Handelsblatt oder die FT geschrieben hatten (in dem Fall über Bilanzprobleme aus Singapur) erscheint in neuem Licht. Die wenigen Medien also, die hier berichtet hatten, sind vielleicht nicht  wie gemeldet – im Auftrag von Short-Investoren tätig geworden. Sie haben sich von den permanenten Ad-hoc-Meldungen des Unternehmens nur nicht blenden lassen. Zeitweise meldete Wirecard fast im Tagestakt fröhlich irgendwelche Kooperationen, die das Geschäft ankurbeln sollten. Nebelkerzen, wie Kritiker meinen und kritisieren, wie fahrlässig in den Medien einfach solche Meldungen wiederholt wurden – weil auch diese unternehmensgetreue Wiedergabe schlicht die Stimmung verfälscht.

Die Medien als Vervielfältiger reiner Unternehmensmeldungen sind ihrer Aufgabe (FT und das Handelsblatt hatten hinreichend Stoff geliefert) nicht gerecht geworden. Bleiben weitere Profiteure: Short-Investoren, die sich offenbar kraft eigener Informationen davon überzeugt hatten, die Blase würde platzen. Immerhin, Achtung (!), haben nach einer Meldung von „S3 Partners“ (Quelle: Die „Welt“) vor dem Bilanz-Offenbarungseid am Donnerstag Short-Wetten auf über 24 % der Aktien von Wirecard bestanden. Das heißt, diese Short-Investoren verdienen dann, wenn sie Aktien an einem späteren Termin zu einem festgelegten Preis liefern müssen – der weit über dem liegt, für den sie jetzt am Markt die Papiere aufheben.

Das Ausmaß dieses Skandals ist also kaum abzuschätzen. Es riecht nach einer Gemengelage von Insidern, die lange Bescheid wussten und Geld verdienen, nach schläfrigen Wiederkäuern von Unternehmensmeldungen, die der Ablenkung dienten und nach (internen) Prüfern, die – warum auch immer – lange nicht hingesehen haben.

Wer in Aktien investiert, um sich abzusichern, so schreibe ich es hier seit langem, sollte auf nachprüfbare Substanz in den Unternehmen achten. Wirecard zählte – aus meiner Perspektive – noch nie dazu.

Mit freundlichen Grüßen,

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diese Fehler hat EY, vormals Arthur Anderson, schon vor 20 Jahren bei Enron gemacht. Das gab auch k
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CEO´s der Coba jetzt nichtauch langsam Fracksausen?
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Ich erwarte nichts an finanzieller Entschädigung, aber für meine persönliche Genugtuung wünsche ich
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