Suche

„We have gold because we cannot trust governments“ – oder: Zurück zur ökonomischen Vernunft

762
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Die Sommerausgabe des Degussa Marktreports beschäftigt sich mit zwei Themen,
die für jeden Anleger wichtig sind: gutes Geld und die Notwendigkeit, zur
ökonomischen Vernunft zurückzukehren. Lassen Sie uns beginnen mit den Gedanken
zur ökonomischen Vernunft.

Viele Studentinnen und Studenten der modernen Volkswirtschafslehre ahnen,
dass etwas nicht stimmen kann mit ihrem Fach, wenn sie sich vorwiegend in
hoch mathematisierte und realitätsferne Modellwelten einzuarbeiten haben. Aber
auch die breite Öffentlichkeit sieht das, was professionelle Ökonomen in Wort
und Schrift von sich geben, mittlerweile zusehends kritisch.

Viele Menschen fragen sich: Wieso setzen die “Rettungspolitiken”, die die Ökonomen
empfehlen, der Euro-Krise kein Ende? Wem nutzt die EZB-Geldpolitik, die
die Euro-Geldmenge immer weiter ausweitet und nun sogar den Zins in den Negativbereich
drückt? Ist es überhaupt ökonomisch vertretbar, den Papiergeldeuro
um jeden Preis erhalten zu wollen?

FEHLER IM SYSTEM

Zweifel und Kritik an der modernen Volkswirtschaftslehre sind durchaus berechtigt.
Denn es hat sich ein schwerwiegender “Fehler im System” eingenistet, und
zwar an einer ganz zentralen Stelle: beim Vorgehen, mit dem die Ökonomen Erkenntnisse
(damit sind wahre Aussagen über die Realität gemeint) gewinnen wollen.
Die moderne Volkswirtschaftslehre wendet ein Vorgehen bei der Erkenntnisgewinnung
an, das aus der Naturwissenschaft stammt. In der Naturwissenschaft
formuliert man üblicherweise eine Hypothese (das heißt eine “Wenn-dann”- oder
eine “Je-desto”-Aussage), und danach testet man ihren Wahrheitsgehalt, indem
man sie Laborexperimenten unterzieht.

Das naturwissenschaftliche Vorgehen lässt sich jedoch in der Volkswirtschaftslehre
gar nicht rechtfertigen oder sinnvoll durchführen. In der Volkswirtschaftslehre
geht es um handelnde Menschen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie Vorlieben
haben, sich Ziele setzen, Handlungsalternativen gegeneinander abwägen,
und dass sie lernfähig sind. Handelnde Menschen sind völlig andere Erkenntnisobjekte
als Atome, Steine oder Planeten, mit denen sich die Naturwissenschaft
beschäftigt.

Aus diesem Grund ist es beispielsweise nicht möglich, menschliches Handeln in
mathematische Formeln zu zwingen – nach dem Motto “Wenn A um x% steigt,
verändert sich B um y%”. Und wenn man in der Vergangenheit beobachtet hat,
dass sich die Menschen in einer bestimmten Art und Weise verhalten haben,
dann lässt sich daraus nicht wissenschaftlich begründet ableiten, dass sie sich
auch künftig unter gleichen Umständen in gleicher Weise verhalten werden!

Zusätzlich dazu stellt sich ein besonders heikles Problem ein: Die moderne
Volkswirtschaftslehre meint, der Wahrheitsgehalt ihrer Theorien müsse durch Erfahrung
überprüft werden (müsse sich an der Erfahrung “bewähren”). Dadurch
aber fällt die Volkswirtschaftslehre einem Relativismus und Skeptizismus anheim
– nach dem Motto “Jede Erkenntnis ist nur relativ und niemals allgemein gültig”
und “Es gibt keine absolute Wahrheit”.

GEGEN REALITIVISMUS UND SKEPTIZISMUS

Für eine Volkswirtschaftslehre, die auf dem sumpfigen Boden des Relativismus
und Skeptizismus steht, ist es schlecht bestellt: Sie wird politisch vereinnahmt
und büßt ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit ein. Politische Parteien und Agitatoren
heuern gefügsame Volkswirte an, um Theorien aufzustellen und zu vertreten,
die der Politik genehm sind. Und wenn die Theorien verheißungsvoll klingen
(Beispiel: “Die Mietpreisbremse verbessert das Wohnraumangebot”), dann
wird man die Theorie natürlich in der Praxis ausprobieren wollen.

Sollte eine ökonomische Theorie im Praxistest versagen (wie zum Beispiel die
Theorie “Gewinnsteuern schmälern die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft
nicht”), wissen sich die Volkswirte vor Kritik wirkungsvoll zu immunisieren: Sie
behaupten dann, man müsse künftig, beim nächsten Versuch, lediglich diese
und jene Faktoren ausdrücklich in den Politikmaßnahmen berücksichtigen, und
dann werde sich schon zeigen, dass die Theorie funktioniert!

Wirtschaft und Gesellschaft werden auf diese Weise, ohne das es den meisten
Menschen bewusst wird, zu Experimentierfeldern, zu Versuchslaboratorien. Zugespitzt
gesagt: Selbst die abstrusesten polit-ökonomischen Wunschvorstellungen
lassen sich mit dem Verweis auf pseudo-wissenschaftliche Begründungen in
der Öffentlichkeit als gut und richtig anpreisen.
Man denke hier nur einmal an die Idee, es sei für die Volkswirtschaft “besser”, wenn nicht Goldgeld, sondern ungedecktes Papiergeld verwendet wird; oder an die Idee, eine einheitliche Papierwährung in Europa befördere den Wohlstand. Für beide Ideen wirft sich die moderne Volkswirtschaftslehre als “Cheerleader” mächtig ins Zeug!

Wie aber muss man in der Volkswirtschaftslehre vorgehen, um zu verlässlichen
Erkenntnissen und Aussagen zu kommen?, so werden Sie sich, verehrte Leserin,
verehrter Leser, an dieser Stelle vermutlich fragen.
Nun, die Volkswirtschaftslehre lässt sich widerspruchsfrei als a priori Handlungswissenschaft begreifen.

Das heißt, ökonomische Gesetzmäßigkeiten lassen sich erfahrungsunabhängig durch logisches Denken einsehen. Damit ist nicht nur eine Absage an den Skeptizismus und Relativismus verbunden. Es impliziert auch, dass das Erkenntnisfeld
der Volkswirtschaftslehre viel kleiner ist als es die Vertreter
der modernen Volkswirtschaftslehre vorgeben.

Beispielsweise kann die Volkswirtschaftslehre keine quantitativen Prognosen bereitstellen (in dem Sinne, dass die Wirtschaft in 2019 um X% und in und 2020 um Y% wächst). Doch diese Problematiken brauchen hier nicht weiter vertieft zu werden.

FALSCHE THEORIEN

Für solide volkswirtschaftliche Einschätzungen (um beispielsweise sagen zu können,
ob eine ökonomische Theorie richtig oder falsch ist) braucht man fehlerfreies
(handlungs-)logisches Denken. Doch nicht diese Sichtweise ist heutzutage
vorherrschend, sondern die der modernen Volkswirtschaftslehre. Und das erklärt
auch, warum viele Politiken als gut und richtig angesehen werden, die bei genauem
Nachdenken gar nicht gut und richtig sind. Dazu vier Beispiele.

(1) “Eine Inflation von knapp 2 Prozent bedeutet Preisstabilität.” Zentralbanken
versprechen der Öffentlichkeit, sie werden für “Preisstabilität” sorgen.
Damit verbinden sie eine Politik, die die Güterpreise um knapp zwei Prozent pro
Jahr ansteigen lässt. Das aber ist doch keine Preisstabilität! Die Güterpreise steigen, sie bleiben eben nicht stabil! Und steigen die Güterpreise jedes Jahr um
zwei Prozent, ist die Kaufkraft des Euro nach zehn Jahren um 18 Prozent, nach
20 Jahren um 33 Prozent gefallen! Man bezeichnet also eine inflationäre Geldpolitik
als nicht-inflationär – und die moderne Volkswirtschaftslehre erhebt keinen
Einwand gegen diesen Etikettenschwindel!

(2) “Die Ausweitung der Geldmenge ist neutral.” Die Zentralbanken weiten
die Geldmenge fortwährend aus. Denn das sei, so wird gesagt, neutral und zudem
notwendig, damit die Volkswirtschaft wachsen kann, damit mehr Produkte
und neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. Doch wer sich in der
Geldtheorie nur ein wenig auskennt, der weiß: Die Geldmenge muss gar nicht
wachsen. Vielmehr übt jede gerade vorhandene Geldmenge die Gelddienste so
gut aus wie jede andere gerade verfügbare Geldmenge.

Beträgt die Geldmenge zum Beispiel 12.000 Mrd. Euro, wird eine gegebene Gütermenge
zu hohen Preisen umgesetzt – im Vergleich zur Situation, in der die
Geldmenge, sagen wir, 5.000 Mrd. Euro beträgt; hier fallen die Güterpreise entsprechend niedriger aus.
In beiden Fällen wird jedoch der Umsatz derselben Gütermenge
problemlos mit der jeweils vorhandenen Geldmenge finanziert! Dass
man dafür plädiert, die Geldmenge auszuweiten, hat einen anderen Grund: Einige
wenige verdienen prächtig daran auf Kosten vieler anderer.

Die Erstempfänger des neuen Geldes sind die Begünstigten. Sie werden sprichwörtlich
reicher, weil sie mit ihrem neuen Geld die Güter zu noch unveränderten
Preisen kaufen können. Diejenigen, die das neue Geld erst später erhalten, können
es nur noch einsetzen, um Güter zu kaufen, deren Preise bereits angestiegen
sind. Die Erstempfänger werden also reicher auf Kosten der Spätempfänger des
neuen Geldes.

Besonders der Staat und die Banken profitieren, wenn die Geldmengenvermehrung
per Kreditvergabe erfolgt. Staaten können sich reichlich mit Krediten finanzieren,
und das weckt den Wählerzorn weit weniger, als wenn die Steuern erhöht
werden. Banken machen gute Gewinne, wenn sie Kredite “aus dem
Nichts” vergeben; und sie verdienen auch an den Gebühren, die sich mit der
Verwaltung der anschwellenden Geldvermögen erzielen lassen. Doch welcher
“Hauptstrom-Volkswirt” erhebt hier Einspruch und sagt: Nein, das Ausweiten
der Geldmengen ist nicht neutral!

(3) “Der gleichgewichtige Zins ist negativ geworden.” Die Idee, der gleichgewichtige
Zins der Volkswirtschaften sei negativ geworden, wird von einigen
einflussreichen Ökonomen beharrlich vertreten. Sie hat sogar bereits die eine
oder andere Zentralbank dazu veranlasst, ihre Leitzinsen in den Negativbereich
abzusenken. Doch die Idee ist falsch. Der gleichgewichtige Zins (oder auch:
Urzins) kann aus handlungslogischen Gründen nicht negativ werden.

Und daher ist auch die Politik falsch, die da lautet: Der gleichgewichtige Zins ist
negativ, und folglich muss die Zentralbank die Marktzinsen in den Negativbereich
drücken, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern. Doch die falsche
Idee findet leider – wen überrascht es – bei Regierungen Anklang: In die Tat
umgesetzt, erlaubt sie, überdehnte Schuldner – allen voran Staaten und Banken
– per Negativzins zu entschulden, und zwar auf Kosten der Gläubiger. Welche
Hauptstrom-Ökonomen zweifeln die Richtigkeit der Negativzinspolitik an und
nennen dabei Ross und Reiter?

(4) “Verlässliches Geld kann nur der Staat bereitstellen.” Die Idee, nur der
Staat könne Geld bereitstellen, ist dem deutschen Ökonomen Georg Friedrich
Knapp (1842–1926) zuzuschreiben. Knapps Theorie hält jedoch einer kritischen
Überprüfung nicht stand. Der Ökonom Carl Menger (1940–1921) war da bereits
viel weiter: Er hatte schon im Jahr 1871 gezeigt, dass das Geld spontan im freien
Markt entstanden ist, und zwar aus einem Sachgut, vorzugsweise in Form von
Edelmetallen.

Knapps falsche Theorie hat die Oberhand behalten, sie beherrscht die Köpfe bis
auf den heutigen Tag – und (schein-)legitimiert damit, dass der Staat sich das
Geldmonopol beschafft hat und es eisern verteidigt; und auch dass er das Edelmetallgeld
durch sein eigenes, nicht einlösbares Papiergeld ersetzt hat. Auch zu
diesem heiklen Thema herrscht auffälliges Schweigen in der Zunft der Hauptstrom Ökonomen.

GOLDGELD IST NATÜRLICHES GELD

Doch glücklicherweise sind noch viele richtige ökonomische Erkenntnisse im Umlauf
– Erkenntnisse, die nicht von der modernen Volkswirtschaftslehre verdreht
worden sind. Man nehme beispielsweise den Satz “We have gold because we
cannot trust governments” (übersetzt: “Wir haben Gold, weil wir den Regierungen
nicht trauen können”).

Er stammt vom 31. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Herbert C.
Hoover (1874–1964), und ist von zeitloser und polit-ökonomischer Richtigkeit.
Mit seinem ungeschminkten Urteil steht Hoover übrigens nicht allein. Auch der
US-amerikanische Ökonom Irving Fisher (1867–1947) schrieb beispielsweise: „Irredeemable
paper money has almost invariably proved a curse to the
country employing it” (übersetzt: “Uneinlösbares Papiergeld hat sich beinahe
immer als Fluch erwiesen für das Land, das es einsetzt.”).

Man muss nicht Volkswirtschaftslehre studiert haben, um die Eignung des Goldes,
als Geld zu dienen, verstehen zu können; und um einzusehen, dass das per
Zwang errichtete Papiergeldmonopol des Staates keine gute Sache ist. Der Staat
zerstört aber nicht nur die Kaufkraft des Geldes, das er herausgibt. Die Schäden,
die sein Geldmonopol anrichten, reichen noch viel weiter – und das ist etwas,
was die moderne Volkswirtschaftslehre in der Regel nicht erkennt oder verschweigt.

Die Ausgabe von ungedecktem Geld per Kredit sorgt für Wirtschaftsstörungen,
die das Vertrauen der breiten Bevölkerung in die freie Marktwirtschaft schädigen.
Die Krisen, die das ungedeckte Geld herbeiführt, wirken wie ein Wachstumselixier
für den Staat: In der Krise spielt er sich als “Retter in der Not” auf
und kann sich dadurch immer weiter ausdehnen zu Lasten der unternehmerischen
und bürgerlichen Freiheiten. Das ungedeckte Geld, das per Kreditvergabe
“aus dem Nichts” in Umlauf gebracht wird, führt die Volkswirtschaften zudem
in eine Überschuldung, deren “Lösung” – je nach politischer Weichenstellung –
Geldwertzerstörung und/oder Enteignung der Vermögen nach sich ziehen.

ENTWÖHNUNG VOM EDELMETALLGELD

Wie ist es vor diesem Hintergrund zu erklären, dass die Menschen am ungedeckten
Papiergeld unbeirrt festhalten, dass das Edelmetallgeld – vor allem in Form
von Gold und Silber – nicht schon heute viel stärker nachgefragt wird? Das kann
viele Gründe haben.

Gold und Silber sind nun schon seit recht langer Zeit aus dem tagtäglichen Geldverkehr
verschwunden, und das hat die Bevölkerungen vom Edelmetallgeld entwöhnt.
Zudem konnte man in den letzten Jahrzehnten mit dem ungedeckten
Geld in Form von Bankguthaben Zinserträge verdienen. Das wiederum hat das
ungedeckte Geld vorteilhaft(er) erscheinen lassen aus Sicht vieler Geldhalter im
Vergleich zu Gold und Silber – die bekanntlich ja nun einmal (und aus guten
Gründen) keine Zinsen abwerfen.

Zudem ist das Edelmetallgeld steuerlich benachteiligt gegenüber dem staatlichen
Geld. In vielen Ländern unterliegen die Edelmetalle der Umsatz- beziehungsweise
der Kapitalertragssteuer. Das macht es unattraktiv, sie zu Zahlungszwecken
einzusetzen.

Vor allem hat auch die moderne Volkswirtschaftslehre ganze Arbeit geleistet,
das Goldgeld zu diffamieren – es als unvorteilhaft für die moderne Wohlstandsgesellschaft
hinzustellen. Diese “Propaganda gegen das Gold” hat seine Wirkung
nicht verfehlt: Vermutlich können sich nur noch wenige (junge) Menschen
vorstellen, dass es ihnen und ihren Familien, ihren Gemeinden, ihren Unternehmen
und Geschäftspartnern besser gehen würde, wenn sie die Freiheit hätten,
Goldgeld anstelle von ungedecktem Geld zu verwenden.

DAS BLATT WENDET SICH

Doch das Blatt scheint sich langsam zu wenden – die wachsende Kritik an der
modernen Volkswirtschaftslehre ist ein Indiz dafür. Die Probleme des ungedeckten
Geldes werden offenkundig. Die Märkte reagieren bereits. Kluge Köpfe arbeiten
daran, besseres Geld anzubieten beziehungsweise einen freien Markt für
Geld aus der Taufe zu heben – dafür stehen die Bestrebungen, eine Kryptowährung
zu schaffen, die das staatliche Geld ersetzen kann.

Begünstigt wird diese Entwicklung dadurch, dass die Marktzinsen von den Zentralbanken
auf extrem niedrige Niveaus abgesenkt worden sind. Weil die Güterpreise
aber weiter steigen, unterliegen die Bankguthaben jetzt einem negativen
Realzins: Wer Euro-Termin- und Spareinlagen hält, erleidet also Verluste. Und es
wird wohl noch schlimmer kommen: Die Zentralbanken werden auch die nominalen
Kurzfristzinsen sehr wahrscheinlich (noch weiter) unter die Nulllinie absenken.
Dass bislang eine Flucht aus dem ungedeckten Geld ausgeblieben ist, dürfte
zwei Gründe haben.

Erstens: Die Verluste, die die Menschen mit ihren Bankguthaben
erleiden, sind nicht sichtbar: In Zeiten des Nullzinses steigen die Kontoguthaben
zwar nicht mehr an, sie nehmen aber auch nicht ab; und dass die
Bankguthaben ihre Kaufkraft verlieren, weil die Preise steigen, übersehen viele
Anleger.

Zweitens: Das Wissen ist bei vielen Menschen gering, dass es praktikable
Alternativen zu Bankkguthaben gibt. (Welche Bank rät schon ihren Kunden,
Termin- und Spareinlagen in, sagen wir, physisches Gold und Silber zu tauschen?).
Ein weiterer Gedanke an dieser Stelle: Man sollten nicht meinen, das ungedeckte
Geld werde notwendigerweise verschwinden, werde von einer der nächsten Krisen
dahingerafft und so den Weg zu gutem Geld, vielleicht sogar zum Goldgeld,
freimachen. Nein! Es wird einer bewussten Entscheidung der Gesellschaft bedürfen,
um dem ungedeckten Geld ein Ende zu setzen. Allerdings wird diese Entscheidung
um so schneller und wirkungsvoller erfolgen, je früher die Menschen
erfahren, dass es besseres Geld gibt.

Dazu braucht es einen wirklich freien Markt für Geld: Einen Markt, auf dem die
Geldnachfrager ein Geld nachfragen können, das sie verwenden wollen. Es
braucht so gesehen ein Zurück zur ökonomischen Vernunft: Es braucht eine breite
Bewegung, die sich für einen freien Markt für Geld stark macht (in Anlehnung
an “Fridays for Future” so etwas wie “Free People Need A Free Market In
Money” oder so etwas wie Immanuel Kants Wahlspruch der Aufklärung).

Notwendig ist die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Probleme des ungedeckten
Geldes; und dass ein freier Markt für Geld den Menschen besseres Geld bereitstellt,
das ihnen und ihrer Gesellschaft zum Vorteil gereicht!

WAS DAS FÜR DEN ANLEGER BEDEUTET

Derzeit muss der Anleger jedoch Vorlieb nehmen mit der Welt, wie sie derzeit
ist. Er sollte sich daher bewusst machen, dass die ungedeckten Gelder, die die
Staaten ausgeben – ob US-Dollar, Euro, japanischer Yen etc. –, ihm keine verlässliche
Wertaufbewahrung bieten; und dass die Schäden, die diese Geldarten
verursachen, Politiken in die Hände spielen, die das Geldvermögen gefährden.
Vor diesem Hintergrund lassen sich vier handfeste Handlungsempfehlungen, von
denen man sich “bis auf Weiteres” leiten lassen kann, vorlegen:

(1) Weil die Zentralbanken die Geldpolitik der Null- beziehungsweise Negativzinsen
vermutlich noch weiter treiben werden, sind Anleger gut beraten, ihre
Bankguthaben zu minimieren. Das heißt, die Beträge auf liquiden Bankkonten
sollten auf die für laufende Zahlungen erforderlichen Beträge zuzüglich einer
“Vorsichtskasse” begrenzt werden.

(2) Der Anleger sollte Vorsicht walten lassen bei Anleihen. Zum aktuellen Zinsniveau
wird er vielfach Verluste machen, wenn er Anleihen bis zur Endfälligkeit
hält (ob als Direktanlage oder über Fonds). Bestenfalls kann er in der kurzen Frist
noch darauf hoffen, Kursgewinne zu erzielen, wenn die Zinsen noch weiter in
den Negativbereich fallen. Auf diese Weise dauerhaft positive und attraktive
Renditen verdienen zu können, verlangt aber schon besonderes Fingerspitzengefühl
und Können.

(3) Der Teil des Geldvermögens, der für mittel- bis langfristige Zwecke gehalten
wird (also mit einem Zeithorizont von fünf oder mehr Jahren), kann mit gutem
Gewissen in physisches Gold (und auch zu einem Teil in Silber) getauscht werden.
Das ist keine riskante Empfehlung: Gold und Silber sind die natürlichen Geldarten. Ihr Marktwert kann nicht auf null fallen, denn diese Edelmetalle werden
auch aufgrund nicht-monetärer Zwecke nachgefragt und haben daher stets
einen positiven Marktpreis. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Gold
und Silber ihre Kaufkraft behalten, sehr wahrscheinlich sogar mehren werden,
wenn das ungedeckte Geld seine Kaufkraft durch die Zentralbankpolitiken einbüßt.

(4) Anleger, die mit einem langen Zeithorizont (von fünf und mehr Jahren) operieren,
sollten in Erwägung ziehen, in Unternehmensaktien zu investieren beziehungsweise
zunächst weiter in ihnen investiert zu bleiben. Das ungedeckte
Geldsystem, in dem die Zentralbanken die Kreditmarktzinsen de facto abschaffen,
macht weitere Kursgewinne recht wahrscheinlich. Anleger, die über keine
besonderen Fähigkeiten besitzen, um die “richtigen Aktien” auswählen zu können,
haben dabei zwei Möglichkeiten: Entweder sie investieren in einen breit
diversifizierten und kostengünstigen Weltaktienmarktindex (oder –ETF), oder sie
arbeiten mit Investoren zusammen, die nachweislich in der Lage sind, den Gesamtmarkt
dauerhaft zu schlagen.

Wir kommen zum Schluss. In “Faust” lässt Johann Wolfgang von Goethe den
Mephisto das Folgende sprechen: “Es war die Art zu allen Zeiten, … Irrtum statt
Wahrheit zu verbreiten.” Diese Worte erfassen die heutigen Verhältnisse in der
Volkswirtschaftslehre – und auch natürlich in der Politik – treffend. Viele wirtschaftliche und soziale Missstände haben ihre (Mit-)Ursache in den Irrtümern
volkswirtschaftlicher Aussagen und Empfehlungen. Die große Aufgabe ist es daher,
den Weg zurück zur ökonomischen Vernunft zu finden. Das ist kein leichtes
Unterfangen, und es wird in jedem Fall Zeit brauchen.

Für den Anleger bedeutet das zunächst einmal, dass die Aussagen der modernen
Volkswirtschaftslehre mit Vorsicht zu genießen sind. Sie werden ihm weder die
Zukunft verlässlich prognostizieren, noch werden sie ihm alle relevanten Investitionsrisiken benennen können und wollen. Wer die Problematik, die in den voranstehenden Seiten skizziert wurde, erfasst hat, der hat einen Erkenntnisgewinn
verbucht – und zwar einen, der für den Investitionserfolg hilfreicher sein dürfte
als so manche Erklärung und so manche Prognose, die die moderne Volkswirtschaftslehre
ihm ins Ohr flüstert.

0/5 (0 Reviews)
0 Beiträge
"Anstatt mal transparenter zu argumentieren und u.a. dafür das Gesetz- Rente mit 63- verantwortlich
0 Beiträge
würde ich den Altmaier bei solchen senilen Aussagen dermaßen auflaufen lassen, dass ich nur noch mit
0 Beiträge
Hier noch irgendwelche Grüne zu erwähnen ist wirklich uninteressant. Kannst Dir ebenso ein Klavier


Neueste News

Uhrzeit Artikel Autor
18:08
Aixtron: Diese Chance sollte jetzt auch genutzt w...+Am Montag ist die Aixtron-Aktie sehr dynamisch in die neue Woche gestartet. In einer langen grünen Kerze zog der Kurs von der 50-Tagelinie bei 9,32 Euro bis auf 9,80 Euro an. Nach einer leicht tieferen Eröffnung konnte das Hoch am Dienstag noch einmal überwunden werden. Das Tageshoch wurde bei 9,88 Euro markiert. Von hier aus…
Weiterlesen...
Dr. Bernd Heim
18:10
STOXX Europe 600 (EU0009658202) tritt auf der Ste...+Am heutigen Dienstag gab es bei den wichtigsten Aktien Europas keine wesentliche Veränderung: Gegen 17:46 Uhr MESZ wurde der STOXX Europe 600 (EU0009658202) bei 394,63 Punkten registriert, nur wenig verändert im Vergleich zum Schlusskurs vom letzten Handelstag am Montag (394,43 Punkte). Nachfolgend die Top- und Flop-Aktien des größten Index Europas im Vergleich zur Hauptnotierung vom…
Weiterlesen...
Stockpulse
18:10
Siemens: Jetzt Kursziel 133 Euro – meine Ha...+Die Aktie von Siemens präsentiert sich seit Anfang dieses Monats wieder klar bullish. Am ersten Oktober entstand ein Point&Figure-Kaufsignal mit dem mittlerweile aktivierten und bestätigten Kursziel von 108 Euro. Hier liegt auch das Zwischenhoch vom achten Mai dieses Jahres. Erfreulicherweise konnte der Wert am 15. Oktober ein weiteres Point&Figure-Kaufsignal abliefern. Dessen erstes Kursziel liegt bei…
Weiterlesen...
Jörg Mahnert
18:11
E.ON Aktie: Ihre Kaufmarke rückt näher!+Die Aktie von E.ON zeigt sich im Point&Figure-Chart klar bullish. Denn der Wert befindet sich seit dem zweiten September in einem immer noch intakten Point&Figure-Kaufsignal. Im „ersten Rutsch“ ging es ohne spürbaren Rücksetzer von 8,50 auf 9,10 Euro. Hier prallten die Notierungen an der Baisse-Resistance-Line des Verkaufssignal vom 30. Juli ab. Die nachfolgende O-Säule hat…
Weiterlesen...
Jörg Mahnert
18:13
Wie weit kann Gold dieses Jahr noch steigen?+„Wieso steigen?“ werden Sie sich vielleicht fragen. Gold ist doch gerade in einem Abwärtstrendkanal. Dieser wurde noch nicht geknackt und es gibt keinen Grund von steigenden Kursen auszugehen. Das ist korrekt – zum Teil. Denn Gold baut gerade eine sogenannte Bullenflagge. Die Kurse laufen dabei im einem Kanal nach unten, nur um danach nach oben…
Weiterlesen...
GeVestor Verlag
18:24
Japanischer Investor SoftBank will US-Bürovermiet...+Wie gestern aus gut informierten Kreisen bekannt wurde, will der japanische SoftBank-Chef Masayoshi Son bis zu 10 Mrd. USD in den schwer angeschlagenen Bürovermieter WeWork stecken, um den Konzern zu retten. Das schnell wachsende, aber hochdefizitäre New Yorker Start-up ist nach dem vor einem Monat gescheiterten Börsengang in eine finanzielle Schieflage geraten und benötigt schnell…
Weiterlesen...
GeVestor Verlag
18:54
VST: Starker Umsatzanstieg durch Beteiligung+SRC Research hat die Coverage für das Bautechnologieunternehmen VST BUILDING TECHNOLOGIES AG aufgenommen und sieht für die im Marktsegment direct market plus der Wiener Börse gelistete Gesellschaft noch deutliches Kurspotenzial bis 48,00 Euro. VST biete laut SRC-Analyst Stefan Scharff Technologielösungen für den Hochbau und verfüge über langjährige Erfahrung mit über 250 realisierten Projekten. Nach Den…
Weiterlesen...
Holger Steffen (Aktien-Global)
19:16
Die Aktien des österreichischen ATX legen stark z...+Am heutigen Dienstag haben die Aktien des österreichischen Blue Chip-Index auf breiter Front an Wert gewonnen: Gegen 17:39 Uhr MESZ wurde der ATX (AT0000999982) bei 3.116 Punkten registriert, knapp +8,18 Prozent höher als zur Schlussnotierung am Montag (2.880,5 Punkte). Mit einem Aufschlag von knapp +8,18 Prozent hat sich der ATX heute besser als der DAX…
Weiterlesen...
Stockpulse
20:18
Die Aktien des Schweizer SLI-Index am Dienstag un...+Am heutigen Dienstag gab es bei den Aktien des Schweizer SLI-Index keine wesentliche Veränderung: Gegen 17:46 Uhr MESZ wurde der SLI (CH0030252883) bei 1.536,21 Punkten registriert, nur wenig verändert im Vergleich zum Schlusskurs vom letzten Handelstag am Montag (1.535,55 Punkte). Nachfolgend die Top- und Flop-Aktien des Schweizer SLI-Index im Vergleich zur Hauptnotierung vom letzten Handelstag…
Weiterlesen...
Stockpulse

Anzeige




Disclaimer

Die auf finanztrends.info angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.info veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. Finanztrends.info hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.info an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.info und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)