Was jetzt auf Sie zukommt

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Machen Sie den Versuch, zwischen kurz- bis mittelfristigen und langfristigen Aussichten für die Börse zu unterscheiden! Sie werden die Besonderheit erkennen, geschätzte Anleger: Normalerweise wird die Zukunft immer unschärfer, je weiter man den zeitlichen Horizont steckt. Ist dagegen etwas „naheliegend“, wird es deutlich und gilt als wahrscheinlich. Wirtschaft und Finanzmärkte sind jetzt in eine Phase eingetreten, die das Gegenteil verheißt: Was in den kommenden Wochen und Monaten auf sie zukommt, verbreitet zunehmend Unsicherheit, während auf (möglichst viele) Jahre hinaus Wachstum und steigende Kurse als sicher gelten können. Weil kurzfristiges Handeln eine viel größere Rolle spielt als früher, heute ein Blick auf die aktuellen und bevorstehenden Herausforderungen.

Laut einer Statistik, die mir kürzlich auf den Schirm gekommen ist, halten Anleger ihre Aktien bis zum Verkauf inzwischen nurmehr 0,8 Jahre in ihrem Depot. Im Jahr 1980 waren es im Mittel noch 9,7 Jahre. Gleichzeitig sind die weltweiten Aktienhandel-Volumina stark angestiegen: Im vergangenen Jahr betrug es 119,9 Billionen Dollar, vor 40 Jahren lediglich 0,3 Billionen Dollar. Die Corona-Krise hat einen beträchtlichen Wachstumseinfluss auf die Umsätze an den Börsen.

Die relative Krisengelassenheit der Börsenprofis, wie sie die kraftvolle, von der Wall Street ausgehende Kurserholung der vergangenen Monate widerspiegelt, geht momentan verloren. Es sieht so aus, als würden die Anlagestrategen immer unsicherer. Was das Anlagekomitee der Credit Suisse jüngst beschlossen hat, gehört schon zur Minderheit: Die taktische Übergewichtung bei globalen Rohstoffen, Investment-Grade-Anleihen und Schwellenländer-Hartwährungsanleihen wird beibehalten. Die Allokation in Aktien belassen wir auf dem strategischen Niveau und bleiben in Staatsanleihen untergewichtet. Insgesamt weisen unsere Portfolios immer noch eine moderat prozyklische Ausrichtung auf. Andererseits gilt die Korrektur bei Aktien letzte Woche als Warnschuss, dass sich eine stärkere Konsolidierung anbahnen könnte.

Vorsichtig äußert sich das Research der österreichischen Erste Group: Mittelfristig sollte der globale Aktienmarkt „volatil seitwärts“ tendieren. Die aktuelle technische Korrektur, von der vor allem der US-Aktienmarkt betroffen ist, dürfte noch einige Tage andauern. AXA Investment Managers beschäftigt – ähnlich wie andere Häuser – die künftige Inflationsentwicklung. Denn während sich die globalen Märkte erholen, hat ein Thema die Ökonomen vermutlich mehr als jedes andere beschäftigt: Wie wird sich die Pandemie auf die Inflation auswirken? In einer Sache ist man sich sicher: Im laufenden Jahr wird die Inflationsrate in den führenden westlichen Industrienationen zwischen null und 1 Prozent liegen – der Markt hat dies bereits eingepreist. Die Entwicklung 2021 beginnt sich jedoch erst jetzt abzuzeichnen. Man rechnet mit einem Anstieg in den wichtigsten Regionen auf 0,7 bis 1,5 Prozent. Daher der Rat: „Wir sind der Überzeugung, dass sich Anleger auf die Auferstehung der Inflation Anfang 2021 vorbereiten sollten.“

Aber: Für Aktienfans wird die Inflation nach meiner Überzeugung keine hohe Hürde, zumal wir aus Erfahrung wissen, dass mäßig steigende Teuerungsraten (und mehr ist selbst langfristig nicht in Sicht) für den Aktienmarkt unproblematisch, ja sogar eher anregend sind. Deshalb sollten vor allem die Anleihekäufer auf der Hut sein und inflationsgeschützte Bonds bevorzugen. Dennoch gibt es jetzt auch Warnungen wie die von BlueBay Asset Management: Zwar treibt die Geld- und Fiskalpolitik weiterhin die Inflation der Vermögenspreise an. Inwieweit die Bewertungen an den Märkten gerechtfertigt sind, ist allerdings fraglich. Die Unsicherheit bleibt hoch. Ein stärkerer Einbruch der Aktienmärkte kann nicht ausgeschlossen werden – ein Klima der Unsicherheit ist nicht unbedingt dazu angetan, große Investitionsrisiken einzugehen. Vorerst scheint Geduld angebracht. Möglicherweise stehen den Marktteilnehmern schwere Zeiten bevor. Das klingt mir etwas zu pessimistisch, verdient aber Beachtung.

Schauen Sie sich einmal die feststehenden kurz- bis mittelfristigen Problemfelder (bis einschließlich 2021) an Sie werden überall sofort den hohen Grad an Unsicherheit erkennen – im Grunde ist jede konkrete Vorhersage dazu hochgradige Spekulation: weitere Pandemie-Entwicklung (bereitet mir am meisten Kopfzerbrechen), Tempo der weiteren konjunkturellen Erholung (ist nach Ländern und Branchen uneinheitlich), US-Wahlen am 3. November, amerikanisch-chinesische Beziehungen, europäischer Brexit-Streit, geopolitischen Spannungen. Dieses massive Zusammentreffen reicht aus, um das erreichte hohe Niveau der wichtigsten Indizes in Frage zu stellen. Doch halte ich an meinen grundsätzlichen Empfehlungen fest: Alle Aktienpositionen gegen starke Verluste absichern, Kursgewinne teilweise realisieren, mit einem Teil des verfügbaren Kapitals weiter internationales Stockpicking betreiben, kontinuierlich physisches Gold kaufen. Am besten wäre aber eine Beschränkung auf ausgesprochen langfristige Investments.

Meine wichtigste Empfehlung: Bleiben Sie gesund – und machen Sie’s gut!

Herzlich, Ihr Börsen-Dino!



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