Was Anleger jetzt tun können

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Die Welt im Ausnahmezustand. Ein Virus verändert den Alltag dramatisch. Von Ausgangsbeschränkungen und -sperren bis Schlägereien um Klopapier in Supermärkten – wer hätte das gedacht! Der Börsen-Crash ist ein Spiegelbild, aber nur eine Facette. Und er ist mehr als ein Kurssturz, wie er aus unterschiedlichen Gründen alle paar Jahr vorkommt. Was können Privatanleger jetzt tun, was sollten sie lieber lassen?

Die vorherrschende Unsicherheit über den Fortgang der Pandemie und die globalen Folgen könnte nicht größer sein. Ein zentrales Problem ist der Faktor Zeit – ein Thema, das ich auch bei anderer Gelegenheit immer wieder herausstelle. Die beliebten Hinweise in den Medien auf gängige Anlagestrategien reichen nicht aus. Und pauschale Rezepte berücksichtigen nicht die individuellen Unterschiede der Anleger (Anlagevolumen, Ausgangslage, Zielsetzung). Deshalb möchte ich heute ein paar Optionen skizzieren, die vielleicht auch polarisieren. Sie können nur ein Ausschnitt des Spektrums von Investmentmöglichkeiten sein.

Zuallererst: Ja, es ist richtig und wichtig, dass Sachanlagen auf lange Sicht (mindestens fünf, möglichst über zehn Jahre) attraktiver als Zinsanlagen sind. Im Vordergrund sollten Aktien als Beteiligung am Produktivvermögen der Wirtschaft, Immobilien und Gold stehen. Kursstürze und starke Kursschwankungen verlieren mit der Zeit an Bedeutung, denn: Die Anlagedauer ist maßgeblich für den Erfolg, nicht der Einstiegszeitpunkt. Dennoch widerspreche ich der These, ganz langfristige Anleger sollten auch nach diesem Crash an ihrer Strategie festhalten. Beispiel: Wer an seinem weiten Zeithorizont zweifelt oder seine Lebensplanung als Folge der Pandemie ändert, kann durchaus über Veränderung seines Geldmanagements nachdenken. Auch der totale Verkauf von Anlageklassen (Aktiendepot auflösen, Ausstieg aus Anleihen usw.) kann eine individuelle Option sein, wenn man eine Realisierung von Verlusten nicht scheut. Der Anlass könnte sein, sein Vermögen anders (andernorts) einzusetzen, um neu zu beginnen. Einer meiner Favoriten wäre ein Haus am Meer in Kanada.

Verständlich erscheint mir auch die Auflösung von Anlagen, um bis auf weiteres ausschließlich Cash zu halten. Physisches Gold kann hier wie Bargeld behandelt werden. Liquidität macht auch dann Sinn, wenn ein langfristiges Aktien- oder Fondsinvestment bald am Ziel ist und sowieso in absehbarer Zeit aufgelöst werden soll.

So etwas wie das Gegenteil wäre die Überprüfung der Portfoliostruktur. Dabei hat der dringende Rat, unbedingt gut zu mischen (mehrere Anlageklassen) keinen grenzenlosen Wert. Vor allem sollte man darauf achten, dass sich die einzelnen Elemente ergänzen und nicht hoch korrelierten. Denn bei gleicher oder ganz ähnlicher Kursentwicklung macht eine solche Mischung wenig Sinn. Außerdem: Skatspieler kennen die schnippische Bemerkung „Es hat sich schon mal einer totgemischt“ – im übertragenen Sinn gilt nämlich ebenso: nicht übertreiben. Wie viele Anlageelemente in Frage kommen, sollte zumindest von zwei Faktoren abhängen: Höhe des verfügbren Kapitals und Know-how des Anlegers. Es wäre unsinnig, 10.000 Euro auf fünf Anlageklassen zu verteilen. Andererseits sollte niemand davon abgehalten werden, alles auf eine spezielles Aktienthema – aktuell beispielsweise auf internationale Unternehmen des Gesundheitswesens – zu setzen, wenn er 100 Prozent davon überzeugt ist. Der Lehre nach zwar falsch, aber wenn der Mensch das unbedingt will …

Unabhängig von der Aktualität halte ich an meinen grundsätzlichen strategischen Empfehlungen fest. Das sind in erster Linie der Core-Satellite-Ansatz, das Dreigestirn Aktien, Immobilien, Gold als bevorzugte Anlageklassen und bei größeren Beträgen dazu ein Mix aus Anlageinstrumenten (Direktanlage, Fonds / ETFs, Zertifikate etc.). Zudem sei an meinen Vorschlag erinnert, unterschiedliche Anlageziele in getrennten Depots zu führen (langfristige Altersvorsorge, mittelfristige Anlage, kurzfristige Spekulation und ganz kurzfristiges Trading).

Egal, was Sie jetzt vorhaben, geschätzte Anleger, ich würde einzelne Etappen für zweckmäßig halten: Ob Portfolioabbau oder Aufstockung von Beständen – eine vorsichtige „Bisschen-Taktik“ bietet sich an, denn alles ist möglich in dieser verrückten Zeit!

Bleiben Sie gesund – und machen Sie’s gut!

Herzlich, Ihr Börsen-Dino!



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