Viscom: Exklusiv-Interview mit CFO Dirk Schwingel – “Unser Markt ist weiterhin sehr attraktiv!”

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CFO der Viscom AG, Dirk Schwingel. In einem spannenden Telefonat hat uns Herr Schwingel einen tieferen Einblick in die aktuellen Unternehmensgeschehnisse ermöglicht.

Herr Schwingel, zunächst würde mich interessieren, in welchen Bereichen die Viscom AG aktiv ist? Was verbirgt sich hinter dem Unternehmen?

Dirk Schwingel, CFO Viscom AG

D. Schwingel: Viscom entwickelt, fertigt und vertreibt hochwertige Inspektionssysteme. Das Produktportfolio umfasst die komplette Bandbreite der optischen Inspektion und Röntgeninspektion, insbesondere für den Bereich der elektronischen Baugruppen. Viscom-Systeme werden überall dort eingesetzt, wo eine 100 Prozentige automatische Inspektion von elektronischen Baugruppen erforderlich ist, zum Bespiel in der Produktion von Automobilelektronik, der Luft- und Raumfahrttechnik und bei der Fertigung von Industrieelektronik.

Mit unserer großen Auswahl an modernen Inspektionssystemen haben wir für jede Prüfaufgabe die passende Lösung. Unsere Systeme werden überall dort eingesetzt, wo die Anforderungen an die Prüfgenauigkeit und die Prüfgeschwindigkeit besonders hoch sind. Sie gewährleisten die vollumfängliche Funktionalität der Baugruppe, die einwandfreie Qualität des Endprodukts und die Sicherheit des Anwenders. Hundertprozentige Fehlererkennung – das ist unser Anspruch. Dementsprechend ist das Unternehmen mittlerweile 35 Jahre alt.

In welchem Bereich konnten Sie am stärksten wachsen?

D. Schwingel: Gewachsen sind wir im Automobilelektronikzulieferbereich, das ist ein Bereich, den wir auch weiterhin mit begleiten werden. Gerade beim Thema Autos: Hier sind mittlerweile 50 bis 80 Steuergeräte integriert. Gerade durch die Megatrends, wie beispielsweise das autonome Fahren, haben die genannten Assistenzsysteme mehr Wichtigkeit dazu gewonnen. Hier sind wir relativ gut positioniert. Wie Sie wahrscheinlich wissen, sind im Bereich der Automobilhersteller umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen notwendig, um sich dort mit den entsprechenden Produkt-Know-How zu etablieren. Dieses Ziel haben wir erreicht.

Auf der anderen Seite blicken wir auch auf andere Bereiche wie Computer, Communication und Consumer. Zudem muss man sagen, dass das Thema Batterieprüfung immer mehr an Wichtigkeit gewonnen hat. Hier reden wir von kleinen Batterien, welche beispielsweise in In-Ear-Kopfhörern verbaut sind und welche ebenso in Smartphones integriert werden. Aber auch die größeren Speichereinheiten im Bereich der Elektromobilität gewinnen immer mehr an Bedeutung. Hier sind wir ebenfalls vertreten.

Ein sehr interessanter Markt und eine spannende Branche: Sie haben bereits die Batterien in den In-Ear-Kopfhörer angesprochen. Was für Unterschiede gibt es in Bezug auf die anderen Wettbewerber der Branche?

D. Schwingel: Wir sind letztendlich als Unternehmen sehr breit aufgestellt, das ist schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Wie gesagt, wir sind in der Lage sämtliche Inspektions-Tore in einer Produktionslinie abzudecken.

Unserer Kernkompetenz liegt im Bereich der Software, der Bildanalyse, aber auch bei anderen physikalischen Abwägungen, beispielsweise bei Sensoren und Kameras.

Wir sind natürlich nie alleine im Feld, wenn wir Projekte akquirieren wollen – es gibt immer irgendwo einen zweiten oder dritten Mitbewerber. Diese sitzen jedoch schwerpunktmäßig im asiatischen Raum. Letztendlich haben wir in den letzten 35 Jahren bewiesen was wir können. Daran werden wir auch weiterhin arbeiten.

Was hat sich denn letztendlich in Ihrem Unternehmen durch die Corona-Pandemie verändert? Welche Maßnahmen mussten Sie ergreifen?

D. Schwingel: Zum einen haben sich einige Vorboten aus Asien angedeutet, dort sind wir wie gesagt mit einer Niederlassung und einer weiteren Tochtergesellschaft vertreten – dort hat sich im Grunde genommen der lokale Shutdown schon abgezeichnet. Das hat zu einer Abschwächung des Auftragseingangs Ende letzten Jahres geführt.

Danach – wie viele andere Unternehmen und Marktbegleiter – wurden wir natürlich auch in diesem Jahr getroffen. Sehr unerfreulich, muss man dazu sagen, aber wir haben dann sofort entsprechend Maßnahmen ergriffen. Wir haben Hygienekonzepte etabliert und große Teile der Belegschaft aus dem Homeoffice arbeiten lassen. Für unseren Hauptsitz in Hannover haben wir zudem das deutsche Instrument der Kurzarbeit genutzt. Wir haben deutlich über 200 Beschäftigte am Standort Hannover in unterschiedlichem Ausmaß in die Kurzarbeit eingebunden.

Welche Auswirkungen hat dies auf Ihre Dividendenpolitik?

D. Schwingel: Wir sind, wenn man sich den Dividendenvorschlag für 2019 anschaut, von unserer ursprünglichen Dividendenpolitik abgerückt und haben für das vergangene Geschäftsjahr eine Mindestdividende ausgeschüttet. Hier müssen wir in der aktuellen Zeit auch liquiditätsschonend agieren – nicht wissend wie lange uns Corona auch wirtschaftlich noch im Bann hält.

Dennoch mussten wir keine Soforthilfen oder dergleichen von der KFW in Anspruch zu nehmen, da wir solide finanziert und aufgestellt sind. Last but not least haben wir als Folge der Pandemie das Unternehmen zum 1. Juli neu ausgerichtet. Dies wurde auch entsprechend kommuniziert: Wir wollen uns noch stärker dem Kunden zuwenden, indem wir neue Fachteams gründen und bestehende zusammenführen. Wir haben nun ein Fachkonzept aufgestellt, durch welches wir die entsprechenden Produkte und Leistungen– beginnend von der Akquise bis zum After-Sale-Bereich, auf das jeweilige Produkt runtergebrochen anbieten können.

Wir wollen damit agiler mit den Kunden und zum Markt werden, was wir natürlich im Rahmen einer wachsenden Struktur vielleicht nicht unbedingt immer abbilden konnten – aber wie gesagt: Wir sind davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um uns entsprechend dem Kunden stärker zuwenden zu können.

Natürlich muss man gerade in schwierigen Zeiten als Unternehmen selbst Sicherheiten schaffen, sodass man unterm Strich liquide bleibt. Sie sind bereits auf Maßnahmen wie Kurzarbeit eingegangen – Hat die aktuelle Situation einen Einfluss auf die Zukunft oder inwieweit kann man sagen, dass dies einen Einfluss auf Ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren hat?

D. Schwingel: Also fünf Jahre nach vorne zu gucken, ich würde es gerne machen, aber ganz ehrlich, das traue ich mir nicht zu. Wir haben aktuell eine recht bescheidene Auftragslage – durch Corona. Politische Diskussionen, weitere Shut-downs oder ähnliche Maßnahmen sind aktuell ebenfalls ein ständiger Begleiter. Wie stark sich die Pandemie in den nächsten 5 Jahren niederschlagen wird, ist aktuell sehr schwer abzusehen.

Was jedoch gesagt werden kann, ist, dass die von uns bestiegenen Megatrends – wie E-Mobilität und Batterien– mit Sicherheit weiterhin ein Marktbeschleuniger für uns sein werden. Jetzt ist nur die Frage: Wie stark werden hier, sagen wir mal bei der E-Mobilität, durch diverse Anreiz-Systeme die Produzenten angehalten, ihre Produktionskapazitäten stärker hochzufahren?

Es gibt mittlerweile auch europäische Investitionsvorhaben, wo letztendlich reine E-Autos in Europa oder Deutschland produziert werden sollen. Wir haben für die Zukunft die Möglichkeiten uns entsprechend zu skalieren.

Sind hier Partnerschaften oder Kooperationen angedacht? Oder gibt es konkrete Pläne – in Richtung Technologie?

D. Schwingel: Wir sind so gesehen eher breit aufgestellt – das wird man sicher zu gegebener Zeit prüfen müssen – aber aktuell bewegen wir uns im Bereich der Standardlösungen für jedweden Anbieter. Natürlich sind aber auch Sonderlösungen denkbar.

Verstehe. Zum Abschluss noch eine Frage: Wenn Sie jetzt mit einem potenziellen Anleger reden könnten, welche Gründe würde Sie diesem mit auf den Weg geben, in Ihr Unternehmen zu investieren?

D. Schwingel: Ja Herr Möbus, ich denke, wenn man sich die Viscom AG anschaut kann man sagen, dass wir ein sehr verlässliches Unternehmen sind, was unsere Prognosen angeht. Es ist zum einen wichtig, dass wir unseren Markt gut kennen und bearbeiten und dies dann entsprechend zum Kapitalmarkt und damit auch zum Aktionär transparent kommunizieren. Zum anderen haben wir seit einigen Jahren eine verlässliche Dividendenkontinuität.

Dazu kommt, dass wir im Grunde genommen die Entwicklung des Unternehmens durch eigenes Wachstum vorangetrieben haben, nicht durch Zukäufe. Wir sind generell in Märkten unterwegs, die enorm viel Attraktivität bieten und auch für die Zukunft weiteres Wachstum aufzeigen.

Super, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview, Herr Schwingel. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

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