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Sparer aufgewacht: Geldwertschwund schluckt Zins

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Das Vertrauen, das die Menschen dem ungedeckten Geld entgegen-bringen, ist überaus groß: Die Geldhaltung befindet sich international sogar auf einem Rekordhoch! Doch diese Gutgläubigkeit kommt die Geldhalter bereits teuer zu stehen, besonders im Euroraum.

In der Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom 8. November 1971 findet sich eine Überschrift „Geldschwund schluckt Zins“. Dem Leser sollte damit vermittelt werden, dass die Inflation (der Konsumgüterpreise) höher sei als der Zins, der auf kurzlaufende Bankguthaben gezahlt wird, und dass folglich die Ersparnisse entwertet werden.

Auf das Jahr 1971 geblickt, betrug die Inflation durchschnittlich 7,1 Prozent, der Kurzfristzins nur 5,3 Prozent (Abb. 1). Der Real-zins – also der Nominalzins abzüglich der Inflation – war folglich negativ, und das hieß, dass die Kaufkraft der Ersparnisse im Zeitablauf abnahm.

Eine weitaus dramatischere Situation findet man heute im Euroraum vor: Die Inflation liegt fast schon seit zehn Jahren chronisch über dem Kurzfristzins, den die Europäische Zentralbank (EZB) auf beziehungsweise teilweise sogar unter die Nulllinie gezwungen hat. Anders als noch in den 1970er Jahren geht die Entwertung der Ersparnisse heute geradezu schleichend, ohne allzu viel Aufsehen von-statten.

Von einer „Flucht aus dem Geld“ ist nichts zu erkennen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall! Geld ist nachgefragt wie nie zuvor, das Vertrauen in die EZB ist überaus groß. Übrigens ein weltweites Phänomen. Diese Befunde, die vermutlich so manchen Leser erstaunen, sollen nachstehend etwas näher betrachtet werden.

GROSSE NACHFRAGE NACH BARGELD

Wer meint, Bargeld sei „out“, der irrt. Das zeigt die internationale Datenlage. In den Vereinigten Staaten von Amerika, im Euroraum und in Japan befindet sich die Bargeldhaltung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf Höchstständen (Abb. 2 a und b). Das hat viele Gründe. Beispielsweise sind Zinsen in den letzten Jahrzehnten immer weiter gefallen. Das hat die Kosten der Bargeldhaltung verringert und die Nachfrage nach Bargeld erhöht.

Zudem scheinen die Menschen Bargeldzahlungen weiterhin, trotz aller technologischen Neuerungen, zu schätzen. Und nicht zuletzt wird Bargeld nicht nur für Zahlungszwecke, son-dern auch als „Vorsichtskasse“ nachgefragt: Bargeld macht unabhängig vom Geschäftsbankenapparat und deren Krisen.

Allerdings – und daran sollte der Geldhalter stets denken – erzielt Bargeld keine Verzinsung. Das heißt, dass es in Höhe der Inflation entwertet wird. Die „Unabhängigkeit“, die mit dem Halten von Bargeld gegenüber den Geschicken der Geschäftsbanken verbunden ist, hat also ihren Preis; darüber sollte auch das Niedrig- oder Nullzinsumfeld nicht hinwegtäuschen.

Das Halten von Bargeld wird natürlich insbesondere dann attraktiv, wenn ein Negativzins auf Bankdepositen erhoben wird. Das aber ist derzeit flächendeckend (noch) nicht der Fall. (Einige Banken in Deutschland stellen ihren Kunden allerdings ab einer Guthabenhöhe von 100.000 bzw. 500.000 Euro „Strafzinsen“ in Rechnung.)

WELTWEIT HOHE GELDNACHFRAGE

Die Bargeldnachfrage stellt nur einen Teil der gesamten Geldnachfrage dar. Der größte Teil des Geldes wird in Form von Guthaben bei Geschäftsbanken gehalten – und zwar in Form von Giroguthaben sowie Termin- und Spareinlagen (die sich in der Regel relativ zeitnah in jederzeit verfügbare Giroguthaben umwandeln lassen). Der Blick auf die Daten zeigt: In den letzten Jahrzehnten ist die Geldnachfrage in den Vereinigten Staaten von Amerika, im Euroraum und in Japan deutlich stärker gewachsen, als die Wirtschaftsleistung (das Bruttoinlandsprodukt (BIP)) zugenommen hat (Abb. 3).

Das hat mehrere Gründe. Der vermutlich wichtigste ist: Mit Geld werden nicht nur die Umsätze der Güter finanziert, die im BIP enthalten sind. Geld wird zum Beispiel auch nachgefragt, um die Umsätze für  Vorleistungsgüter und die Umsätze auf den Finanzmärkten zu finanzieren (Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen etc.). Und je größer diese Märkte werden im Vergleich zum BIP, desto stärker wird auch tendenziell das Wachstum der Geldmenge ausfallen im Vergleich zum BIP.

Die Datenlage macht vor allem eines deutlich: Die Menschen scheinen ein großes, ein bislang ungebrochenes Vertrauen in das ungedeckte Geld zu haben – in ein Geld also, das die Zentralbanken, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, fortwährend vermehren, das sie durch Kreditvergabe „aus dem nichts“ in Umlauf bringen.

Weder die Finanz- und Wirtschaftskrise noch die darauf folgendenextremen „Rettungspolitiken“ (in Form von Null- und zuweilen Negativzinsenund großen Ausweitungen der Basisgeldmengen) scheinen das Vertrauen in das ungedeckte Geld getrübt zu haben. Für die Geldhalter wird sich das allerdings nicht auszahlen. Im Gegenteil.

DIE ENTWERTUNG

Im Euroraum gibt es seit Mai 2015 keine Zinsen mehr auf Sicht-, Termin- und Sparguthaben (Abb. 4 a). Vielmehr sind diese Bankdepositen zu einem Verlustgeschäft geworden – weil die laufende Inflation der Konsumgüterpreise den Zins(soweit überhaupt noch einer gezahlt wird) übersteigt. Nach einer überschlägigen Rechnung betrug der Kaufkraftverlust der Bankguthaben, die in der Geldmenge M3 enthalten sind, im April 2019 gut 230 Mrd. Euro.

Die Halter von US-Dollar-Guthaben erleiden hingegen keinen realen Kaufkraftverlust mehr, weil die US-Zentralbank jüngst die Zinsen soweit angehoben hat, dass der kurzfristige Nominalzins die laufende Konsumgüterpreisinflation übersteigt (Abb. 4 b).

Der Grund für die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken dürfte bekannt sein. Sie soll verhindern, dass die weltweite Schuldenpyramide, für die die unablässige Vermehrung von Kredit und Geld in den letzten Jahrzehnten gesorgt hat, in sich zusammensackt, und mit ihr die Produktions- und Beschäftigungsstruktur umstürzt. Dazu sind die Zentralbanken auf eine extreme Niedrig- und Negativzinspolitik eingeschwenkt.

Das erleichtert es Schuldnern, ihre fälligen Kredite durch neue Kredite, die einen niedrigeren Zins tragen, zu ersetzen – und auch noch neue Kredite zu sehr günstigen Konditionen aufzunehmen. Die niedrigen Zinsen verhindern zudem, dass Fehlinvestitionen zutage treten und so die Fortsetzung der Konjunktur gefährdet wird.

GOLD UND AKTIEN

Vor allem im Euroraum ist die Abkehr von einer Geldpolitik, mit der die Schulden von Staaten und Banken gezielt entwertet werden, nicht absehbar. Euro-Anleger sollten daher ernstlich darüber nachdenken, Euro-denominierte Zahlungsversprechen im Portfolio abzubauen beziehungsweise zu meiden. Aktien und andere Währungen, einschließlich des Goldgeldes, sind praktikable Alternativen.

Das Gold wird im folgenden Aufsatz behandelt (siehe S. 6). An dieser Stelle sei daher nur ein kurzer Blick auf die Aktienmärkte gerichtet. Abb. 5 a zeigt für die Zeit Januar 1990 bis Mai 2019 den US-amerikanischen Aktienmarktindex S&P 500 sowie seinen geschätzten „Fairen Wert“.

Derzeit liegt der aktuelle Aktienmarktindex leicht oberhalb des Schätzwertes; das zeigt Abb. 5 b noch etwas deutlicher. Allerdings befindet sich der Schätzwert für den Aktienmarkt nach wie vor innerhalb des „Fehlerbandes“ (das sich auf etwa 250 S&P 500-Indexpunkte nach oben und unten beziffern lässt), so dass man noch nicht von einer eindeutigen Überbewertung des Aktienmarktes sprechen kann.

Wenn die Kreditexpansion in den USA weitergeht und die US-Zinsen niedrig bleiben oder gar wieder fallen (was immer wahrscheinlicher wird), drängt sich zumindest von monetärer Seite kein dramatischer Korrekturbedarf am US-Aktienmarkt auf. Dennoch sollte der Aktienanleger umsichtig vorgehen. Wie sollte er vorgehen? Für die meisten Anleger ist ein kostengünstiges Welt-Aktienmarkt-Zertifikat geeignet, in das sie mit einem langfristigen Horizont (fünf und mehr Jahre) investieren. So wird der Anleger teilhaben am weltweiten Produktionszuwachs.

Mit Aktien hat der langfristig orientierte Anleger zudem eine gute Chance (wenngleich auch keine Garantie), dass die schleichende Entwertung des Geldes – denn „Geldwertschwund schluckt Zins“ – sein Kapital nicht dauerhaft schädigt. Das Portfolio auf Aktien auszurichten, ist das eine. Das andere ist, einen Teil der liquiden Portfoliomittel in Form von Goldgeld zu halten. Warum, das wird im nun folgenden Aufsatz erläutert.

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