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Softing AG : Interview mit CEO Dr. Wolfgang Trier und CFO Ernst Homolka auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz

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Sehr geehrter Herr Dr. Trier, sehr geehrter Herr Homolka, ich selbst kenne die Softing AG zwar schon seit Neuer Markt-Zeiten, aber viele unserer Leserinnen und Leser kennen Ihr Unternehmen wohl noch nicht. Stellen Sie daher doch die Softing AG vielleicht zunächst einmal kurz vor!

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Softing ist in drei Segmenten aktiv. Unser größtes Segment ist die Industrie bzw. Industrial Automation. Das zweitgrößte Segment ist dann der Bereich Automotive, das dritte Segment ist die IT-Networks.

In Summe machen wir mit unseren drei Segmenten etwa einen Jahresumsatz von rund 90 Millionen Euro bei einem Gewinn von gut vier Millionen Euro. In der Umsatzverteilung entfallen rund 2/3 auf den Industriebereich sowie rund ein Viertel auf den Bereich Automotive. Die restlichen knapp 10% entfallen dann noch auf die IT-Networks.

Das Segment Industrie befasst sich mit Infrastruktur für die Industrie 4.0, also die Vernetzung auf der Fertigungsebene. Und zwar sowohl innerhalb einer schon bestehenden Fertigung (horizontal) als auch aus der Fertigung heraus, beispielsweise in ERP-Systeme oder Cloudstrukturen hinein (vertikal).

In diesem Industrieumfeld gibt es typisch eine Lebensdauer von Maschinen und Anlagen von zehn, zwanzig Jahren oder mehr. Daher gibt es heute viele Anlagen und Maschinen, die noch nicht auf die Anbindung an die Cloud konzipiert sind. Wir helfen, diese Anlagen und Maschinen fit für die Zukunft zu machen.

Handelt es sich dabei um individuell entwickelte Lösungen oder Standardlösungen?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Das sind Standardlösungen für beispielsweise Siemens-Steuerungen, die im deutschen bzw. europäischen Bereich am weitesten verbreitet sind. S5, S7 und wie diese alle heißen.

Unsere Standard-Softwarelösungen wollen wir dabei im Rahmen eines Software-as-a-Service (SaaS) Modells verkaufen. Das ist jedoch ein Geschäft, das gerade erst anläuft und somit noch in den Kinderschuhen steckt.

Wo wird sowas gerade eingesetzt? Beispielsweise hat Volkswagen (VW) nicht nur die vollständige Elektrifizierung seiner Flotte beschlossen, sondern möchte auch sämtliche Produktionsprozesse in Cloudstrukturen einbinden. Hier wollen wir dabei sein.

Übrigens fällt dieses Projekt bei uns in den Bereich Industrie und nicht etwa Automotive, weil Volkswagen (VW) ja eher zufällig Autos baut. Es könnten genauso gut Kleider oder Schuhe sein.

Ginge es um die Kommunikation innerhalb des Autos, würden wir das bei uns in den Automotive-Bereich einstufen.

Welche Wettbewerber sehen Sie denn für das Automation Segment der Softing AG?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Da wäre etwa die Firma Matrikon aus den USA, die inzwischen zum Honeywell-Konzern gehört, zu nennen. Ein weiteres Unternehmen, ebenfalls aus den USA, ist sicherlich auch PTC, wobei hier nur Teile überlappen. Aber es gibt noch weitere Wettbewerber.

Zuletzt lief es ja in der Automobilbranche nicht rund, da diese in einem großen Umbruch steckt. Stichwörter sind hier sicherlich Elektromobilität und in dem Bereich kommt man dann an Tesla und Elon Musk nicht vorbei. Wie bewerten Sie das alles, welche Auswirkungen haben solche Entwicklungen möglicherweise auch auf Ihr Unternehmen (gehabt)?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Das ist derzeit die klassische Frage, weshalb ich für eine Antwort nicht lange nachdenken muss. Wir sehen diese technischen Umwälzungen in der Automobilbranche, was immer man davon halten mag. Ich selbst halte wenig bis gar nichts davon, aber sie findet nun mal statt.

Sie halten nichts von der Elektromobilität?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Richtig. Ich sehe nämlich nicht, wie die Elektromobilität uns beim Umweltschutz – Stichwort: Klimawandel – helfen soll. Schließlich werden hier nur Emissionen verlagert. Sie mögen in den Innenstädten weniger Abgase haben, dafür fallen diese jedoch bei der Stromerzeugung in den Kraftwerken an.

Wollte man wirklich der Umwelt helfen, müsste man eher die Kernkraftwerke am Netz lassen, um mit deren Hilfe Kohlekraftwerke still legen zu können. Dadurch würden Sie dann wirklich in erheblichem Maß Emissionen reduzieren.

Aber es gibt nun mal neue Trends, die gesetzt wurden und an diesen werde weder ich noch die Softing AG etwas ändern. Wir haben jedoch das Glück, von den Umwälzungen im Automobilsektor nicht betroffen zu sein, weshalb wir zuletzt auch gegen den Trend um +10% wachsen konnten.

Es gibt einige wenige Themen, in die man auch im Automotive-Bereich weiterhin investieren muss und dies auch tut. Dazu gehört das Thema Konnektivität sowie das teilautonome Fahren. Ich sage bewusst teilautonomes Fahren, denn vom wirklich autonomen Fahren sind wir heute auch noch meilenweit entfernt.

Generell ist es für Softing gleichgültig, welche Antriebsart sich am Ende durchsetzen wird. Jeder Motor braucht entsprechende Steuergeräte, sodass wir stets dabei sein werden. Für uns ist dabei der aktuelle Trend zum Hybrid günstig, da dies technisch noch komplexer ist und so mehr Elektronik und Software benötigt wird. Das befeuert unser Geschäft weiter, ganz unabhängig davon wie ich persönlich zur Elektromobilität stehen mag.

Herausstellen möchte ich noch, dass wir keine Automotive-Company sind. Insofern hängen wir auch nicht so stark an den Absatzzahlen der Branche. Die Frage, ob in einem Jahr 50.000 oder 500.000 Autos gebaut werden, ist für uns in direkter Auswirkung weniger relevant. Solange die Produktion nicht völlig einbricht, werden wir unsere Produkte und Leistungen verkaufen können.

Was mich ein wenig verwundert hat ist, dass das dritte Segment IT-Networks relativ klein ist…

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: IT-Networks entstand aus dem Zukauf der Firma Psiber. Dies war eine kleine Firma, die seinerzeit rund 5-6 Millionen Euro an Jahresumsatz erlöste. Inzwischen konnten wir das auf etwa 12 Millionen Euro verdoppeln. Hier hatten wir als Distributor auch eine Software angeboten, mit deren Hilfe man WLANs planen konnte. Leider blieb hier kaum Marge.

Diesen Bereich haben wir zuletzt neu strukturiert, so dass wir hier zukünftig deutlich mehr Geld verdienen können. Neben der genannten Software bieten wir daher nun Mess- und Testgeräte an, mit denen man den „Highway to the Internet“ vermessen kann.

Kommen wir mal zur finanziellen Situation der Softing AG. Das Geschäftsjahr 2019 geht ja nun langsam zu Ende. Wie sind Sie mit dessen Verlauf zufrieden und haben Sie gegebenenfalls schon einen ersten, groben Ausblick auf 2020 im Gepäck?

Antwort von Ernst Homolka: Wir sind mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2019 sehr zufrieden, denn wir werden die von uns gesetzten Ziele allesamt erreichen. Wie Dr. Trier schon ausgeführt hat, dürften wir also mit einem Jahresumsatz um 90 Millionen Euro ein EBIT von gut vier Millionen Euro einfahren.

Dies ist insofern sogar eine positive Überraschung für uns, weil das Geschäftsjahr zunächst recht verhalten begonnen hatte. Im Laufe des Jahres aber kamen unsere Geschäfte dann immer besser ins Rollen. Angesichts der Krisen in den diversen Industrien kann sich unsere Geschäftsentwicklung durchaus sehen lassen.

Was 2020 betrifft, ist die Unsicherheit jedoch erneut groß. Denn politisch hat sich ja nicht viel geändert. Wir haben weiterhin einen US-Präsidenten Trump oder auch das Thema Brexit. Dabei werden wir von Trumps Handelskrieg gar nicht mal wirklich getroffen, da wir über Produktionsstätten in den USA verfügen.

Sie haben im letzten Jahr ein Unternehmen namens GlobalmatiX in Liechtenstein dazu gekauft. Was genau hat es damit auf sich?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Eine sehr gute Frage, die ich mal so beantworten möchte: Ein Anleger sollte sich immer fragen, in was für ein Unternehmen er durch den Kauf einer Aktie investiert. Bei Softing bekommt er ein mehr als 40 Jahre altes Unternehmen, das seit Neuer Markt-Zeiten an der Börse ist.

Der Anleger kauft ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 90 Millionen Euro bei einem EBIT von gut vier Millionen Euro, wobei dieses Unternehmen seinen Jahresumsatz in den nächsten 1-2 Jahren auf über 100 Millionen Euro steigern dürfte. Zugleich sollte sich die Profitabilität erhöhen und ein EBIT von über fünf Millionen Euro ermöglichen. Wobei wir mittelfristig eine EBIT-Marge von 10% anstreben.

Darüber hinaus beteiligt er sich noch an einem Startup, das wir letztes Jahr akquiriert haben, nämlich die angesprochene GlobalmatiX. Dies ist eine 100%ige Tochter von Softing, die eine kleine Box entwickelt hat, welche man ins Auto verdeckt einbaut. Anschließend kann man mit Hilfe dieser Box eine Vielzahl von Daten auslesen und diese in eine zentrale Cloudstruktur bringen.

Hierzu verfügt GlobalmatiX selbst über eine Mobilfunklizenz (des Fürstentums Liechtenstein), so dass wir selbst als Mobilfunkbetreiber agieren können. Denn in dieser Industrie ist es so, dass sie nur in einem einzigen Land eine entsprechende Lizenz benötigen, um selbst ein Mobilfunknetz betreiben zu können.

Anschließend können Sie dann, auch als Virtual Network Operator wie wir es sind, entsprechende Roamingverträge aushandeln und abschließen, wobei Sie extrem gute Konditionen bekommen. Dies führt zu teilweise recht kuriosen Entwicklungen. So dürften wir zukünftig das beste Mobilfunknetz der USA betreiben.

Während wir entsprechende Roamingverträge sowohl mit AT&T, als auch mit Sprint und Verizon abschließen konnten, sind diese unterschiedlichen Netzbetreiber sich untereinander gar nicht grün. In der Folge sind wir in der Lage die Daten der von GlobalmatiX entwickelten Box über unser Mobilfunknetz in Cloudstrukturen einspeisen.

Dafür berechnen wir dann umgerechnet typisch zwischen drei und fünf Euro pro Fahrzeug und Monat. Ich denke, dass diese Daten das absolut wert sind. Denn mit Hilfe dieser Daten können Sie beispielsweise Fahrtenbücher anlegen oder ihre Flottensteuerung optimieren. Ja, dank Einsatz von Big Data könnten Sie sogar Schwächen an Fahrzeugen erkennen und entsprechend frühzeitig darauf reagieren.

Wir machen jedoch solche Big Data-Analysen nicht selbst. Wir sammeln die Daten bei allen Fahrzeugen ein und stellen sie den sogenannten Telemetrie Service Providers zur Verfügung. Im Beispiel habe ich Autos erwähnt, das geht aber natürlich auch in anderen Bereichen. Beispielsweise kann man so auch Maschinen oder Automaten überwachen etc.

Sehen Sie sich folglich auch als großen Profiteur der Einführung von 5G?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Ehrlich gesagt ist die baldige Abschaltung von 3G das Beste für uns. Denn fast alles, was heute in diesem Bereich gemacht wird, basiert noch auf 3G und wird daher in 1-2 Jahren nicht mehr funktionieren. Das hilft uns daher sehr, in diesem Bereich Fuß zu fassen.

Zumal wir in Zukunft, dank GlobalmatiX, über ein hochgradig skalierbares Geschäftsmodell verfügen werden. Zunächst einmal profitieren wir vom Verkauf der Box, was einmalig etwa 150 Euro kostet. Deren Einbau dauert nur zwanzig Minuten, so dass sich wohl viele Kunden dafür entscheiden werden.

Mit der Box verdienen wir bewusst kaum Geld, um die Einstiegshürde möglichst niedrig zu halten. Anschließend berechnen wir pro Fahrzeug und Monat eine Gebühr, wobei sich Kunden wahrscheinlich mindestens drei Jahre an uns binden müssen. Unsere Kosten bleiben dabei nahezu konstant, so dass uns jeder neue Kunde hilft, die Profitabilität zu steigern.

Grob gerechnet bedeutet das, dass wir pro 20.000 Einheiten, die von uns angeschlossen werden, rund eine Million Euro an Servicegebühren pro Jahr fakturieren. Dies wird uns zukünftig dabei helfen, treffsicherere Umsatz- und Gewinnprognosen abzuliefern. Insofern freuen wir uns sehr auf diese Zukunft.

Vor diesem Hintergrund waren die 15 Millionen Euro, die wir für den Zukauf von GlobalmatiX ausgegeben haben, gut investiertes Geld. Denn auf Sicht einiger Jahre hat dieses Geschäftsmodell allein das Potenzial, für mehr Umsatz und Gewinn zu sorgen, als es die gesamte heutige Softing AG selbst vermag. Dies ist unsere Investmentstory!

Haben Sie dies denn schon in Ihrem Ausblick berücksichtigt?

Antwort von Dr. Wolfgang Trier: Nein, denn wir haben noch keinen Ausblick über 2019 hinaus abgegeben. Wir bleiben aber konservativ und vorsichtig. In 2019 rechnen wir mit einem Jahresumsatz von rund 90 Millionen Euro bei einem EBIT von gut vier Millionen Euro, wobei darin Investitionen in Höhe von rund zwei Millionen Euro für den Aufbau des Geschäftsmodells der GlobalmatiX enthalten sind.

Im kommenden Geschäftsjahr dürften solche Kosten (Investitionen) nicht mehr anfallen respektive sich im Laufe des Jahres amortisieren. Alleine dadurch dürfte daher 2020 von der Ergebnisseite her ein starkes Geschäftsjahr werden. Aber ich möchte da heute noch nicht zu viel zu sagen, bitte haben Sie Verständnis dafür. Trotz hoher Unsicherheiten bin ich aber recht zuversichtlich für 2020.

Herr Dr. Trier, Herr Homolka, ich bedanke mich für dieses wirklich sehr interessante Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute für den weiteren Weg!

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vlt. sehen wir ja demnächst die vorab Zahlen und ne leichte Div.erhöhung Wird dem Kurs wohl in de
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bei Werten wie Softing ist schon einmal grundsätzlich verkehrt. Das ist doch schon oft ausgenutzt wo
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Eigentlich ist zu gestern nichts passiert ohne Stopp. Direkt 1x zu 6,20 -11 x ca 6,50 xetra 1x zu 6,
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