Sind Backtests auf Aktien immer sinnvoll? – Video

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Die Schwierigkeit des Börsenhandels liegt darin, dass niemand von uns die Ereignisse in der Zukunft vorhersehen kann. An dieser Stelle kommt somit die Frage auf, wie wir am effektivsten und auf einfachem Weg möglichst aussagekräftige Prognosen über die zukünftige Entwicklung an der Börse erstellen können, um unsere Handelsentscheidungen zu treffen.
Immer häufiger suchen Private Investoren daher nach der Möglichkeit, Backtests auf Aktien, Indizes und andere Börsenwerte durchzuführen, um aus den zugrundeliegenden Daten aus der Vergangenheit mögliche zukünftige Entwicklungen zu erörtern. Beispielsweise: wie haben sich gewisse Aktien in saisonalen Zeiträumen entwickelt, wie haben sich wiederkehrende Muster gebildet, was geschah im Anschluss der Herausgabe bestimmter Wirtschaftsdaten usw.
Ein solcher Backtest stellt für den Nutzer also eine Art Modell dar. Doch sind die gewonnenen Werte aus jenem Modell immer aussagekräftig und dessen Nutzung sinnvoll? Dies wollen wir kurz anhand eines Beispiels näher beleuchten.

Betrachten wir dazu die 500 Aktien des S&P500. Wir wollen diese Aktien auf die letzten 20 Jahre testen. Nun gibt es einige Anbieter, die in Ihren Backtests die Kursentwicklung über diesen Zeitraum ohne Probleme zur Verfügung stellen. Doch wie kann das überhaupt sein? Diese Frage müssen wir uns kritisch stellen, aus folgendem Grund:

Der S&P500 ist ein Indizes, der nur „Gewinneraktien“ beinhaltet, heißt Unternehmen, die eine gewisse Größe, hohe Marktkapitalisierung und sehr gute wirtschaftliche Entwicklung vorweisen können. Daher würde ein Backtest hierauf ohnehin bereits relativ gesehen viel zu positive Ergebnisse liefern. Doch es gibt noch ein weiteres gravierendes Problem. Denn mit der Zeit verändern sich wirtschaftliche Verhältnisse von Unternehmen. Es passiert daher nicht selten, dass Aktien aus dem S&P500 herausfallen und durch andere ersetzt werden. Gründe hierfür können unter anderem eine Übernahme durch einen anderen Konzern oder eine plötzlich zu geringe Marktkapitalisierung sein.
Wenn nun über die letzten 20 Jahre stetig Aktien aus dem S&P500 herausgefallen oder hinzugekommen sind, wie ist es dann möglich, über jene Aktien auf den gesamten Zeitraum einen Backtest durchzuführen? Richtig. Es nicht rein faktisch nicht möglich. Dennoch wird es häufig angeboten. Die gewonnen Ergebnisse sind also mit äußerster Vorsicht zu betrachten.

Sie finden hierzu im Anhang einige Tabellen, in denen Sie nachvollziehen können, wann gewisse Aktien in den S&P500 aufgenommen und/oder wann sie durch andere ersetzt wurden. Als Beispiel kam die Allegion PLC erst 2013 in den S&P500, oder eine Alphabet 2014. Eine nahezu Bankrott gegangene PG&R Corp wurde im Janaur 2019 durch die Teleflex Inc ersetzt.
(Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_S%26P_500_companies)

Wie müsste ein solcher Backtest aussehen, damit er aussagekräftig sein kann? Die hier anzuwendende Vorgehensweise wäre äußerst aufwendig. Man müsste beispielsweise im Januar 1990 beginnen und sich ansehen, welche Aktien in diesem Monat im S&P500 enthalten waren, und genau darauf einen Backtest durchführen. Anschließend betrachtet man den Februar 1990, entfernt alle Aktien, die aus dem S&P500 herausgefallen sind, fügt jene hinzu, die neu aufgenommen wurden, und führt erneut einen Test durch. Gleichermaßen geht man mit allen Monaten bis zum aktuellen Zeitpunkt vor.
Sie erkennen selbst, dass ein solcher Backtest also extrem aufwendig wäre und trotz alledem recht schwierig zu interpretierende Ergebnisse liefern würde. Man benötigt neben dem zeitlichen Aufwand eine große Menge an Daten, welche zudem in der Regel nur sehr teuer zu erwerben sind.

Es ist somit absolut zu hinterfragen, ob sich ein solcher Backtest für Privatanwender also wirtschaftlich überhaupt lohnt und für die Entscheidungsfindung im Handel sinnvoll nutzbar ist. Ebenso sind zur Verfügung gestellte Daten und Behauptungen von Fremdanbietern mehr als kritisch zu betrachten.
Es scheint effektiver, sich lieber mit langfristig funktionierenden Strategien zum Investieren auseinanderzusetzen, Strategien, die auf Wahrscheinlichkeiten beruhen, nachhaltige Erfolge erzielen, dem Optionshandel, Future Handel etc.

Damit Sie für die Zukunft bestens gerüstet sein können und wie Sie langfristig erfolgreich von den Bewegungen an der Börse profitieren können, dazu beraten wir Sie gern in der Rabe Academy.



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