SHS Viveon: Exklusiv-Interview mit CEO Ralph Schuler – “Wir haben uns komplett transformiert!”

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CEO von SHS Viveon, Ralph Schuler.

Das Unternehmen hat sich auf das Risiko- und Kredit-Management spezialisiert. Hier verfolgt SHS Viveon einen neuen Ansatz: Mit neuster Technologie und Beratung sollen für Unternehmen bessere Geschäftsbeziehungen ermöglicht werden. Das Risiko Management ist hier ein fest integrierter Teil.

Herr Schuler, der Markt wurde von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen?

Ralph Schuler, CEO SHS Viveon

R. Schuler: Das ist in der Tat eine interessante Frage, an der sich selbst die Ökonomen aktuell aufreiben. Auf der einen Seite könnten staatliche „Dauerhilfen“ einen notwendigen Strukturwandel der Wirtschaft hinauszögern. Wobei auf der anderen Seite ein „starker Staat“, der sich mehr ins Wirtschaftsgeschehen einmischt und nach Jahren des staatlichen Sparens zu höheren Staatsausgaben greift, derzeit gewissermaßen nachgefragt wird. Diese Debatte ist voll im Gange und verständlicherweise gibt es für beide Seiten Argumente.

Die heutigen Maßnahmen der staatlichen Hilfen und der auch weltweit lockeren Geldpolitik halten viele Unternehmen künstlich am Leben. Viele kleinere und mittelgroße Unternehmen beispielsweise der Zulieferindustrie haben bereits in den vergangenen Jahren hohe Schulden angehäuft, um den dringend notwendigen Strukturwandel zu finanzieren. Nun kommt Corona noch obendrauf, so dass die Schuldenlast an eine wirtschaftlich ungesunde Grenze stößt. Durch die eingeleiteten umfangreichen staatlichen Hilfspakete entstehen die oftmals zitierten „Zombieunternehmen“. Doch alle Maßnahmen haben ein Verfallsdatum. Ron van het Hof, Chef von Euler Hermes spricht von einer „tickenden Zeitbombe“.

Ich gehe daher aus heutiger Sicht von keinem nachhaltigen Ansatz aus, die Wirtschaft mit Geldmitteln zu überfluten. Eine Balance auf beiden Seiten wird hier notwendig werden und die Finanzierungsbedingungen werden sich dann wieder zurückbesinnen auf ein tragfähiges und nachhaltiges Geschäftsmodell, verbunden mit positiven ökonomischen Unternehmensperspektiven.  Über alldem steht vorsichtiges Managen mit offenem Visier und vollkommener Risikotransparenz um die zukünftigen Cashflows nachhaltig zu sichern.

Eine sehr interessante Ansicht wie ich finde. Der aufgeführte Aspekt der „tickenden Zeitbombe“ wird wahrscheinlich oft unterschätzt. Was hat sich durch die Corona-Pandemie bei der SHS Viveon verändert?

R. Schuler: Auch wir haben uns aktiv mit den Folgen der Corona-Pandemie auseinandergesetzt. Wir benötigen keine staatlichen Hilfen und werden diese auch in Zukunft nicht in Anspruch nehmen. Vielmehr haben wir die Zeit des Lockdowns sowie den weiteren Verlauf des Jahres genutzt, unsere Aktivitäten in der Weiterentwicklung unserer innovativen Produkte zu verstärken. Wir haben gemeinsam mit unseren Kunden unsere SHS Viveon Risk-Management Plattform auf den Weg gebracht. Unsere Kunden nutzen diese SHS Viveon Plattform, um ihre Kredit-Risiko-Entscheidungen und Compliance-Prozesse zu standardisieren und zu digitalisieren, und in einer gemeinsamen, integrierten Lösung zu steuern. Neben aufbereiteten internen Daten können auch nationale und internationale Auskunfteien, aktuelle Kontoinformationen (PSD2) sowie auch Web-Daten wie beispielsweise Unternehmens-, Branchen- oder Länderprognosen für die Entscheidungsprozesse und Risikoaussteuerung herangezogen werden.

In einer sich schnell verändernden Welt können sich Unternehmen nicht mehr auf die Daten und Erkenntnisse von gestern verlassen, sondern müssen die Zukunft antizipieren – genau dazu haben wir mit unserer Plattform-Strategie dieses Jahr trotz Corona den Grundstein gelegt.

Ebenso haben wir die Interaktion mit unseren bestehenden und neuen Kunden während dieses Jahrs verstärkt, um gemeinsam die Folgen von COVID-19 zu bewältigen. Viele unserer Kunden agieren wie wir: Sie nutzen gerade die aktuelle Zeit um sich für die Zukunft entsprechend aufzustellen.

Somit haben und werden wir weiter in die Zukunft investieren. Wir blicken auf eine solide Eigenkapitalquote ohne erdrückendes Fremdkapital oder sonstige gestundete oder wie auch immer verbuchten Corona-Verpflichtungen. Gleichwohl sind wir alle auch mittelbar von der Krise betroffen und müssen operationelle Abläufe an unsere Kunden- und natürlich ebenso an unsere Mitarbeiterbedürfnisse anpassen. Auch hier haben wir uns stark weiterentwickelt und nutzen sämtliche uns zur Verfügung stehenden digitalen Arbeitsmöglichkeiten.

Freut mich zu hören, dass Sie Ihre Strategie bestmöglich angepasst haben! Was unterscheidet Sie von den Wettbewerbern der Branche?

R. Schuler: Unternehmen benötigen jederzeit aus operativen, regulatorischen und strategischen Gründen nicht nur einen Überblick ihrer Risiken, sondern vor allem ein Gesamtbild des für ihr Bestehen unverzichtbaren Ökosystems aus Lieferanten, Partnern und Kunden. Damit werden Lieferantenketten nachhaltig gesichert, die werthaltigen Kundenportfolien abgesichert und vor allem das Working Capital in der Bilanz aktiv gesteuert.

Das nennen wir „From Risk to Value“: Risiken richtig antizipieren und dadurch Wert für das eigene Unternehmen schaffen – und dies zukunftsorientiert und nachhaltig.

Aus Produktsicht haben wir über die Flexibilisierung unserer Plattform durch die Module Connect, Compliance, Trade, Insights und schließlich dem Riskpilot inklusive der Schnittstelle in die SAP-Architektur einen weiteren großen Schritt in die Zukunft getan. Nun ist unser Wettbewerbermarkt stark fragmentiert. Das heißt einige machen nur Compliance, andere nur Forderungsmanagement wieder andere nur Bonitätsmanagement basierend auf Auskunfteien. Wir bringen vieles international wie national zusammen. Andere wiederum bieten komplexe Enterprise-Lösungen an. Diese sind zumeist mit hohen Kosten verbunden und die Einführung einer solchen Lösung dauert ewig. Zeit die heute kein Unternehmen mehr hat. Unsere integrierte Enterprise Lösung weist dagegen einen deutlich besseren Total Cost of Ownership Ansatz für unsere Kunden aus. Unsere Philosophie ist es, Projektaufwände so gering wie möglich zu halten. Dies ist bei unseren Wettbewerbern so nicht erkennbar.

Aus Transparenzgesichtspunkten und damit bemerkenswerterweise auch aus Risikosicht ist ein bedeutender Unterschied zu unseren Wettbewerbern unsere Börsennotierung mit den damit verbundenen Veröffentlichungspflichten sowie unseren regelmäßigen Investoren Web-Casts. Das bedeutet, dass wir immer zeitnah über alle unsere Aktivitäten, unser Leistungs- und Produktspektrum berichten und diese in unseren aktuellen Finanzberichten nachvollziehbar sind. Bemerkenswerterweise sind ja gerade durch Corona die bonitätsmäßige Überprüfung und Stabilisierung der Lieferantenketten in den Vordergrund gerückt. Für unsere Kunden ist es somit wichtig zu verstehen, dass die SHS Viveon ein nachhaltiger, finanziell gesunder und langfristiger Geschäftspartner für die internationale Digitalisierung und Transformation der Risiko- und Compliance Fragestellungen darstellt.

Wo sehen Sie unmittelbar dadurch Ihr Unternehmen in 5 Jahren, Herr Schuler?

R. Schuler: Einen 5 Jahresplan haben wir bislang noch nicht veröffentlicht, werden dies jedoch nachholen, sobald wir eine Vorstellung über die zukünftige gesamtwirtschaftliche „Normalität“ haben. Was ich bereits jetzt sagen kann ist, dass wir stark wachsen wollen. Zum einen über unsere internationalen Bestandskunden, über die Erweiterung unserer Wertschöpfungskette, zum anderen natürlich über Neukunden, wobei wir auch hierüber eine gute Pipeline und eine rege Nachfrage durch namhafte europäische und globale Unternehmen sprechen. Auch gerade in dem von Corona geprägten Jahr 2020 konnten wir wichtige Neukunden gewinnen.

Schließlich ist auch eine Markterweiterung innerhalb Europas denkbar, wobei wir einzelne Länder bereits heute über Vertriebs-Kooperationspartner abdecken. Insgesamt werden wir also noch internationaler da gerade die weltweite Abdeckung unserer Produkte ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil der SHS Viveon ist und Risiko- und Compliance Themen nicht bei nationalen Grenzen stoppen.

Vielen Dank für diese detaillierte Ausführung. Zum Abschluss habe ich nun noch eine Frage an Sie: Aus welchen Gründen sollten Anleger letztendlich in Ihr Unternehmen investieren?

R. Schuler: Wir haben in schwierigen Zeiten in das Unternehmen investiert und tragen keine Finanzlasten in unserer Bilanz.

Die SHS Viveon AG hat sich in den letzten Jahren komplett transformiert. In jeglicher Hinsicht, vom Produkt- hin zum Lösungsanbieter, mit einem höchst modularen und flexiblen Kredit- und Risikomanagement System, das international einsetzbar ist. Unser Geschäftsmodell basiert schwerpunktmäßig auf SaaS mit eigenem Rechenzentrum und Hosting-Serviceleistungen. Unser Fokus liegt auf wiederkehrenden Umsätzen auf Basis langlebiger Kundenbeziehungen.  Derzeit macht dies mehr als 52 % unserer Gesamtumsätze aus, mit dem Ziel, diese auch weiterhin zu erhöhen.

Wir entwickeln unsere international einsetzbare Plattform gemeinsam mit und an den Bedürfnissen unserer Kunden weiter und integrieren hierbei – wo relevant – innovative Technologien wie PSD2, WebCrawling, Maschinelles Lernen, RPA (Robotic Process Automatisation) und die smarte Erweiterung von Risiko- und Compliance relevanten Entscheidung- und Bewertungsinformationen. Gerade auch wichtig in der COVID-19 Situation da viele bisherigen, tradierten Datenpunkte von Auskunfteien eher historische Bonitätsbewertungen abbilden und einer innovativen Risikobewertung und Aussteuerung zukünftig nicht mehr genügen werden.

Es gibt somit einige Gründe in die SHS Viveon AG zu investieren: in ein gesundes, am Markt etabliertes und wachsendes Unternehmen, das als Partner für die Top Agenda von CFOs und CEOs der Digitalisierung und Transformation von „Risk to Value“  in einem dynamischen, sich weiter internationalisierenden Wachstumsmarkt steht.

Ein tolles Schlusswort. Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview, Herr Schuler. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft, sodass Sie Ihre Ziele erreichen!

SHS Viveon Forum

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Danke für die tiefe Information!
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wolfblum  ? 10. Jul
Kann das jemand erklären (diese Ver- und Käufe)? [Grafik anbei ↓] Sieht für mich aus wie kün
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