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SHS VIVEON AG: Interview mit CEO Ralph Schuler im Zuge der Online-Münchner-Kapitalmarkt-Konferenz (MKK) 2020

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Die SHS VIVEON konnte sich zuletzt am Kapitalmarkt der allgemeinen Bewertung nicht entziehen. Das IT-Unternehmen jedoch sieht sich mit seinem robusten Geschäftsmodell gerade für die Zeit nach der aktuellen Krise wegen der zunehmenden Digitalisierung bestens gerüstet. CEO Ralph Schuler gab Finanztrends.info einen Einblick.

Herr Schuler, Wirtschaftsforscher rechnen wegen der Corona-Krise mit einer Rezession. Spüren Sie die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bei Ihren Lieferanten und Kunden heute schon?

Antwort von Ralph Schuler: Die Krise schlägt inzwischen auf alle Branchen durch. Nur vereinzelte Sub-Branchen und Unternehmen zum Beispiel im Bereich E-Commerce und der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sind zum größten Teil verschont geblieben. Der allgemeinen rezessiven Marktsituation kann sich die SHS VIVEON nicht vollständig entziehen. Allerdings sehen wir nach momentaner Einschätzung nur eine gegenüber dem allgemeinen Markttrend unterproportionale Auswirkung auf das SHS VIVEON-Geschäft. Die Gründe hierfür liegen in den vor allem auch in solchen Krisen nachgefragten Risiko- und Kreditmanagement-Lösungen, die die SHS VIVEON anbietet, dem SHS VIVEON-Branchenmix, in dem sich die von der Rezession besonders stark getroffenen Sub-Branchen eher weniger wiederfinden, und einem sehr robusten SHS VIVEON-Geschäftsmodell, in dem auch in Zeiten von Ausgangs- und Reiselimitierungen und Homeoffice die SHS VIVEON-Dienstleistungen inklusive der Projektarbeiten mit den Kunden uneingeschränkt aufrechterhalten bleiben.

Und wie genau macht sich die Krise bei Ihren Kunden bemerkbar?

Antwort von Ralph Schuler: Was wir merken, ist, dass manche Kunden bezüglich des Startpunktes zukünftiger Projekte – so lange noch keine Klarheit besteht, wie schnell die Wirtschaft wieder einen normalen Betrieb aufnehmen wird – eher zögerlich sind. Hier lässt sich allerdings kein durchgängiger Trend erkennen, zumeist ist das eine kundenspezifische Betrachtung. Wobei auch viele Kunden gerade in diesen Zeiten ihre strategisch positionierten Projekte konsequent mit uns weiterverfolgen.

Welche Themen treten nun bei Ihnen in den Vordergrund und sind wichtiger denn je?

Antwort von Ralph Schuler: Gerade in Krisenzeiten sind die Themen, die das SHS VIVEON-Lösungsportfolio adressieren, von noch größerer Wichtigkeit: Die Sicherung der Liquidität und der Optimierung des Working Capitals, die Adjustierung von Risiko- und Portfoliobewertungen (da bisherige Bewertungsmodelle und Bonitätsinformationen bei den aktuellen Gesetzesanpassungen – z. B. Insolvenzmeldepflicht, – hierzu keine verlässlichen Aussagen mehr liefern), die auch in Krisen nicht zu vernachlässigbaren Compliance-Anforderungen sowie wie auch die Meisterung von operativen Herausforderungen bei der Verlagerung von Arbeitsmodellen in das Homeoffice.

Sehen Sie auch eine Chance in Krisenzeiten wie diesen für Unternehmen?

Antwort von Ralph Schuler: Für viele Unternehmen ist COVID-19 und seine Auswirkungen mit den sich drastisch zeigenden beträchtlichen Risiken für die bestehenden Geschäftsmodelle ein „Wake-up-Call“ für die weitere Digitalisierung, Standardisierung und Automatisierung in Risiko- und Kreditmanagement-Fragestellungen. Somit wird auch die SHS VIVEON nach der Krise eher überproportional profitieren.

Und wie bewerten Sie die Reaktion des Kapitalmarkts insgesamt auf Ihr Unternehmen?

Antwort von Ralph Schuler: Sämtliche international bekannten Indizes haben innerhalb kürzester Zeit einen Einbruch in den ersten 2 Wochen des März 2020 um     40 % hinnehmen müssen, wobei dieser Tiefstand zum heutigen Zeitpunkt bereits wieder eingegrenzt wird.

Nur haben sich die Unternehmensbewertungen innerhalb der Indizes verschoben zugunsten z. B. von Software- und Technologieaktien und zulasten des Tourismus, Automotive oder Aerospace o. a.

Diese Entwicklung ist natürlich auch nicht an der SHS VIVEON-Aktie vorbeigegangen, wobei sich diese bereits wieder kräftig im Kurs erholt hat.

Gleichwohl ist die SHS durch das Geschäftsmodell von Risiko- und Kreditmanagement vergleichsweise „konjunkturstabil“, wenn wir es hier mit einer Konjunkturentwicklung zu tun hätten. Da es sich bei diesem massiven Börseneinbruch aber mehr um einen „Black Swan“-Effekt handelt, ist es geraten, in die Zukunft zu schauen, Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu managen. Das machen wir und das ist unser Geschäftsmodell und gerade das lässt uns positiv auf den zukünftigen Aktienkurs der SHS VIVEON AG blicken. Gerade aktuell verzeichnen wir ein gestiegenes Interesse an unseren Technologielösungen, da Unternehmen gerade jetzt akut bewerten und entscheiden müssen, welche ihrer Kunden und Lieferanten in den kommenden Monaten weiterhin zahlungsfähig sein werden – genau dort unterstützt unsere Technologie.

Worin sehen Sie die größere Gefahr: Im Zusammenbruch der Lieferketten oder am Absatzmarkt? Was davon betrifft Sie aktuell mehr?

Antwort von Ralph Schuler: Leider kann man das eine nicht von dem anderen trennen. Wenn die internationalen Lieferketten zusammenbrechen, sind damit auch unmittelbar unsere Kunden betroffen und damit auch Deutschland als Exportnation im Besonderen. Wir haben beide Seiten, die Lieferanten und die Absatzmärkte, in Beobachtung und das auch für unsere Kunden, denn wir als Technologieunternehmen leben von Risiken. Unser Geschäftsmodell basiert auf der Bereitstellung von Kredit- und Risikomanagement-Gesamtlösungen, die sich aus Software, Beratung, Implementierung, Cloud/Hosting und additiven Dienstleistungen zusammensetzen, die es unseren Kunden ermöglichen, Risiken aus Forderungen marktangepasst auszusteuern und zu optimieren. Unser Geschäftsmodell ist folglich robust, wir greifen zurück auf mindestens 53 % wiederkehrende Umsätze, können aufgrund unseres Tech-Fokus maximal flexible Arbeitsmodelle und Arbeitstools nutzen, was bedeutet, dass wir immer lieferfähig sind und unsere Kunden von einem ununterbrochenen Service in gleichbleibend hoher Qualität profitieren.

Ein wirtschaftliches Risiko und eine gewisse Ungewissheit lassen sich leider nicht komplett vermeiden. Wie gehen Sie damit um?

Antwort von Ralph Schuler: Nun ist das wirtschaftliche Risiko der Covid-19-Pandemie noch nicht abschließend zu beurteilen. Firmen, die gestern noch Hidden Champions waren, sind morgen insolvent. Ich denke da an Unternehmen aus der Tourismusbranche oder aus dem Flugzeugbau. Auch wissen wir noch nicht, ob wir uns nach diesem Wirtschaftseinbruch im März derzeit in einem V, U, W oder L befinden. Dies jedoch sind alles Unsicherheitsfaktoren, die man managen muss, um die wirtschaftlichen Auswirkungen für das eigene Unternehmen zu minimieren.

Um diese wirtschaftlichen Risiken kleinzuhalten, ergreift unter anderem die Regierung Maßnahmen, die für eine neue Geldmengen„flut“ sorgen , in der die Zinsen noch einmal sinken können. Wären noch niedrigere Zinsen für Ihr Unternehmen eine neue Chance?

Antwort von Ralph Schuler: Die SHS VIVEON hat sich in den letzten Jahren stabil und rentabel aufgestellt und blickt daher, und das ist in der heutigen Situation aus meiner Sicht das Wichtigste, auf einen soliden Liquiditätsbestand. Wir sind daher eher auf der Anlageseite, d. h. der Guthabenverzinsung unterwegs, sodass eine Zinssenkung für uns mit Zinsaufwand, also einer negativen Guthabenverzinsung verbunden ist.

Denken Sie, dass niedrige Zinsen für andere Unternehmen eine Chance darstellen können?

Antwort von Ralph Schuler: Inwieweit Zinssenkungen insgesamt für Unternehmen eine „neue Chance“ bieten, sei dahingestellt. Im Wesentlichen geht es doch um ein tragfähiges und gesundes Geschäftsmodell, und wer bis heute, da die Zinsen ohnehin schon auf Niedrigniveau sind, sein Unternehmen nur durch Kredit nachhaltig führen kann, hat in der Tat ganz andere Probleme. Eine neue Chance hängt nicht vom Zinsniveau ab.

Wie gesagt haben wir aus heutiger Sicht kein Liquiditätsthema und doch hoffen auch wir sehr, dass sich die nationalen wie internationalen Lockdown-Beschränkungen nun nach und nach lockern und sich die Gesamtwirtschaft zügig erholen kann. Gerade Unternehmen, die durch den Lockdown dramatische Umsatzeinbrüche verzeichnen, müssen durch staatliche Hilfsprogramme gestützt werden.

An die von Ihnen angesprochenen staatlichen Hilfsprogramme möchte ich gerne direkt anschließen. Ein großes Thema für Unternehmen sind gerade Soforthilfen, Kurzarbeit und Kredite, spielen solche Maßnahmen auch für Sie eine Rolle? Wie planen Sie die diesjährige Dividendenpolitik?

Antwort von Ralph Schuler: Auch in diesem Jahr werden wir der Hauptversammlung vorschlagen, unseren Jahresüberschuss auf neue Rechnung vorzutragen und von einer Dividende abzusehen. Dies war vor dem Hintergrund der strategischen Zielsetzung und Ausrichtung der SHS VIVEON AG auch so vorgesehen und mit Blick auf die aktuelle COVID-19-Situation gut so. Liquiditätsmäßig sind wir, wie gesagt, solide aufgestellt, haben jedoch diesbezüglich alle Alternativen im Blick, auch gerade diese, die der Gesetzgeber anbietet, um unabhängig von der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zügig handeln zu können.

Auch das Thema Hauptversammlung, welches Sie gerade schon angesprochen haben, ist dieses Jahr mit Sicherheit für viele Unternehmen eine Herausforderung. Die meisten Hauptversammlungen werden aufgrund der aktuellen Lage verschoben oder digital durchgeführt. Sind Sie dafür, dass Hauptversammlungen künftig generell digital, zum Beispiel per Onlinestream, stattfinden? Welche Vor-/Nachteile sehen Sie hier?

Antwort von Ralph Schuler: Wir sehen den regelmäßigen und interaktiven Austausch mit unseren Aktionären als sehr wichtig an. So bieten wir im Rahmen unserer Investor-Relations-Aktivitäten eine hohe Transparenz durch regelmäßige Berichterstattung und hierzu erläuternde IR-Webcasts zu verschiedenen Unternehmensthemen an. Als innovatives und über mehrere Standorte operierendes Unternehmen mit internationalen Kunden und Aktionären sind Video-Konferenzen und Webinare seit Langem ein fester Bestandteil unserer Unternehmens- und Kommunikationskultur.

Generell befürworte ich allerdings eher eine Präsenz-Hauptversammlung, da gerade auch hier der direkte Austausch zwischen Aktionären, Vorstand und Aufsichtsrat möglich ist.

Ist es für Sie eine Option, Ihre Hauptversammlung online abzuhalten?

Antwort von Ralph Schuler: In Zeiten wie COVID-19 möchte ich auch weiter eine Kontinuität in unserem bereits zu Beginn des Jahres kommunizierten Corporate-Kalender und den Investoren-Terminen halten. Somit werden wir die geplante Hauptversammlung zum 25. Juni 2020 zeitlich nicht in das spätere Jahr verschieben, sondern in diesem Jahr ausnahmsweise eine virtuelle Hauptversammlung zu dem geplanten Termin organisieren. Wir planen, die Hauptversammlung damit zum ersten Mal in der SHS VIVEON-Unternehmensgeschichte online zu streamen.

Welche Vorteile sehen Sie hier speziell für die SHS VIVEON AG?

Antwort von Ralph Schuler: Eine digitale Hauptversammlung ermöglicht es uns, einen weiteren Kreis an Aktionären zu erreichen. Gerade mit unseren Webcasts in den vergangenen Monaten und Jahren haben wir festgestellt, dass wir eine Vielzahl von Investoren erreichen können, die den Weg zur Hauptversammlung bisher gescheut haben.

Herr Schuler, ich bedanke mich recht herzlich für dieses interessante Interview und ihre ausführliche Beantwortung der Fragen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und einen sicheren Weg durch die Covid-19-Pandemie.




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