Scalping

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Definition: Was bedeutet Scalping?

Der aus der englischen Sprache eingedeutschte Begriff Scapling lässt sich am besten mit „Kurse skalpieren“ übersetzen. Es handelt sich um eine der aggressivsten Trading-Strategien, mit der Trader kleinste Kursbewegungen der gehandelten Finanzinstrumente regelrecht aus dem Markt herausschneiden. Sobald sich der Kursverlauf nur um wenige Ticks nach unten oder oben bewegt, reagieren die Trader entsprechend. Scalper bewegen sich vorzugsweise auf liquiden Märkten wie dem Handel mit Währungen, Aktien und Rostoffen.

Für wen eignet sich Scalping?

Scalping eignet sich nur für sehr erfahrene Trader mit überdurchschnittlich guten Kenntnissen der Finanzmärkte und den gehandelten Produkten. Da Scalper ausschließlich auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet sind, die sich durch kleinste Ticks in den Kursbewegungen realisieren lassen, müssen sie innerhalb von Bruchteilen von Sekunden reagieren. Aufgrund dieser Strategie bewegen sich Scalper in sehr liquiden Märkten wie dem Handel mit Währungen, Aktien und Rohstoffen.

Unerfahrene Trader, denen der schnelle Überblick über die Märkte und die Finanzprodukte fehlt, sollten um diese Trading-Strategie einen großen Bogen machen, da sie nicht in der Lage sind, im wahrsten Sinne des Wortes blitzschnell auf kleinste Marktveränderungen zu reagieren. Nur, wer regelmäßig viele Trades pro Tag durchführt, ist in der Lage, mit Scalping langfristig Gewinne zu erzielen. Denn so gering die Kursbewegungen sind, so gering sind häufig auch die damit verbundenen Gewinne, die sich erst aus der Gesamtsumme heraus rechnen. Alternativ besteht natürlich die Möglichkeit, weniger Trades mit entsprechend hohen Einsätzen zu platzieren.

Kann man mit Scalping langfristig erfolgreich sein?

Wie in allen Trading-Bereichen gibt es auch beim Scalping keine Garantie, dass Trader langfristig erfolgreich mit dieser Strategie sind. Es kommt immer auf die persönlichen und finanziellen Voraussetzungen an. Je mehr Zeit und bessere Fachkenntnisse Trader haben, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Welche Strategien eignen sich für das Scalping?

Das Orderbuch gibt Auskunft über die handelbaren Positionen. Mit dieser Information versuchen Scalper, Kursveränderungen von nur wenigen Ticks zu antizipieren und ihre Strategie entsprechend an diese Kursbewegungen anzupassen. Damit sich das Ausnutzen kleinster Kursveränderungen rechnet, setzen Scalper entsprechend hohe Hebel ein und platzieren hohe Volumina am Markt, um die normalerweise geringen Gewinne pro Trade zu maximieren. Die Haltedauer pro Position beträgt in der Regel nur wenige bis 60 Sekunden, maximal wenige Minuten, was jedoch eher selten ist.

Sobald der gesetzte Spread überwunden ist, werden die Positionen geschlossen. Eine weitere geeignete Strategie ist das Arbitrage-Trading. Mit dieser Strategie nutzen Trader Preisunterschiede aus, die gleichzeitig auf unterschiedlichen Märkten herrschen. Durch diese Information wissen Trader, zu welchen Preisen sie die ausgewählten Finanzprodukte kaufen und verkaufen können. Arbitrage-Trading bietet daher eine gewisse Sicherheit und eignet sich auch, um ein sinnvolles Risikomanagement einzusetzen.

Welche Instrumente eignen sich für Scalping?

Für Scalping eignen sich liquide Handelsprodukte wie Forex, Aktienindizes und Rohstoffe wie Öl, Gold und Silber. Liquidität ist eine wichtige Voraussetzung für diese Tradingart, da Scalper darauf aus sind, Gewinne durch kleinste Kursbewegungen mitzunehmen. Je schneller sich ein Markt bewegt, desto weniger Zeit bleibt den Tradern, ihre Positionen zu setzen. Genau das ist jedoch der Gedanke hinter dem Scalping. Die Rahmenbedingungen für diese Handelsart bestehen in den festen, sehr kurz angesetzten Zeitintervallen in Kombination mit einer schnellen Gewinnmitnahme und einem limitierten Risiko. Ist das gesetzte Gewinnziel erreicht, wird das Risiko umgehend aus dem Markt genommen.

Ein sinnvolles Money Management lässt sich ferner mit Stop-Loss-Marken realisieren. Läuft die Position in die gewünschte Richtung, lässt sich ein Teilgewinn realisieren.

Welche Tools erleichtern das Scalping?

Scalping benötigt eine innovative Handelsplattform, die genauso effizient wie schnell arbeitet. Die schnelle Orderausführung ist aufgrund der sehr kurzen Haltezeiten unerlässlich. Verschiedene Funktionen, um Orders mit nur einem Klick aufzugeben, sollten genauso vorhanden sein wie das Handeln aus dem Chart heraus, über das Orderbuch sowie über Buttons und Schnelltasten. Da Scalper zahlreiche Orders pro Handelstag platzieren, muss zudem eine übersichtliche Möglichkeit gegeben sein, diese Orders zu verwalten und selbige auch in kleinsten Schritten umgehend an die jeweiligen Marktveränderungen anzupassen.

Scalper versuchen, schnell zum besten Bid-Preis zu kaufen und zum besten Ask-Preis zu verkaufen. Auch in dieser Hinsicht sollte die Handelsplattform des ausgesuchten Brokers die Trader unterstützen, zum Beispiel über automatisierte Ask- und Bid-Funktionen. Da Scalper innerhalb kürzester Zeit auf geringe Preisveränderungen setzen, haben sie keine Zeit, Gewinnziele und Stop-Marken manuell zu setzen. Eine automatisierte Orderausführung ist in dieser Hinsicht sehr hilfreich. Trading Signale sind gleichfalls behilflich bei der effizienten Orderplatzierung.

Metatrader

Der Metatrader ist eine der innovativsten und meist genutzten Handelsplattformen. Obwohl viele Broker mit hauseigener Software arbeiten, setzen manche Mitbewerber auf den weit verbreiteten Metatrader, um technische Analysen und Handelsstrategien im Wertpapier- und Devisenhandel durchzuführen. Das hat den Vorteil, dass Trader zwischen einzelnen Brokern hin und her wechseln können, ohne sich jedes Mal von Neuem mit der hauseigenen Software vertraut zu machen. Zahlreiche Funktionen, Flexibilität, Mobilität und Sicherheit machen den Metatrader zum Klassiker für alle Trader, die leicht in den Handel einsteigen möchten, ohne sich allzu lange mit umständlichen technischen Details aufzuhalten, was angesichts volatiler Marktbedingungen ein unverzichtbarer Vorteil ist. Charttools, Handels-Signale, Stop- und Limit-Orders sind nur einige der zahlreichen Tools, mit denen Trader ihre Handelsstrategien effizient umsetzen.

Broker

Scalper sind auf eine unverzügliche Orderausführung angewiesen. Nicht alle CFD-Broker bieten jedoch Scalping an, denn diese Tradingart ist nur auf ECN-Plattformen erlaubt. Aufgrund der Ausführungsgeschwindigkeit und der reibungslosen Handelsumgebung sind ECN-Broker für Scalper die beste Wahl. Auch für die Broker selbst ist Scalping ein attraktives Geschäftsmodell, da die größere Anzahl an getätigten Ordereingängen und Orderausgängen neben dem Spreads zu mehr Provisionen für die Broker führen.

Market Maker, zu Deutsch Marktmacher, unterstützen diese Tradingart nicht, da sie in der Regel ohne Provision arbeiten und ihren Verdienst ausschließlich durch Spreads realisieren. Ferner eröffnen sie stets eine Gegenposition zu den Tradern. Beim Scalping würden viele kleine Gewinne genauso viele kleine Verluste für den Broker bedeuten. Andersherum würden viele kleine Verluste der Trader viele kleine Gewinne für den Broker einbringen. Wichtig für Trader ist, dass ECN-Broker keine Gegenpositionen zu ihren Kunden eröffnen. Daher haben sie nichts zu verlieren.

Da sich Scalping auf extrem kurzfristige Gewinne durch eine nicht minder kurze Haltedauer der Positionen von einigen Sekunden bis maximal fünf Minuten konzentriert, muss der Broker nicht nur eine schnelle Orderausführung garantieren, sondern auch genauso schnelle Preisdaten liefern. Geschwindigkeits- und Preisverzögerungen sind für Scalper daher nicht hinnehmbar. Der Blick ins reguläre Orderbuch reicht eigentlich nicht aus.

Die wenigsten CFD-Broker bieten jedoch einen Blick in die als Level II bezeichnete Markttiefe. Hier sehen Trader Kaufangebote zum Bid-Preis und Verkaufsangebote zum Ask-Preis auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage. Der Broker sollte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eindeutig angeben, ob Scalping erlaubt ist oder nicht. Ferner muss die minimale Haltedauer im regulären Tageshandel pro Position angegeben sein. Trader sollten sich ferner über die Bedingungen mit dem Handel im Bereich Kursarbitrage informieren.

Abgrenzung: Scalping vs. Daytrading und Swing-Trading

Swingtrading wird häufig auch als Daytrading bezeichnet, was jedoch nicht ganz richtig ist, denn auch zwischen diesen beiden Tradingarten gibt es eine Abgrenzung. Richtig ist, dass alle drei Strategien, also Daytrading, Swingtrading und Scalping maßgeblich durch die zeitliche Komponente geprägt sind. Während die Haltezeiten beim Scalping jedoch nicht länger als ein paar Sekunden bis maximal fünf Minuten betragen, schließt der Daytrader seine Positionen in der Regel erst am Ende des jeweiligen Handelstages. Beim Swingtrading betragen die Haltezeiten mehrere Tage bis zu mehreren Wochen. Aufgrund dieser vergleichsweise längeren Haltezeiten können Swingtrader ihre Handelsstrategien sehr viel gelassener angehen und stehen nicht ständig unter Zeitdruck wie Scalper.

Während der Gedanke des Scalpings ist, Gewinne durch kleinste Kursbewegungen mitzuneåhmen, macht sich das Swingtrading die komplette Trendentwicklung eines Basiswertes zunutze. Swingtrader erreichen ihr Take Profit, also das selbst gesetzte Ziel, erst nach einigen Tagen oder Wochen, während der Scalper diesen bereits nach wenigen Sekunden beziehungsweise Minuten erreicht sehen möchte. Swingtrader setzen ihre Stop Loss-Marken daher sehr viel weiter und können Intraday-Schwankungen besser aushalten als Daytrader, während diese beim Scalping aufgrund der extrem kurzen Haltedauer kaum zum Tragen kommen.

Welche Risiken ergeben sich für Anleger aus dem Scalping?

Grundsätzlich ergeben sich beim Scalping dieselben Risiken wie bei allen Tradingarten, die im Verlust des eingesetzten Handelskapitals bestehen. Aufgrund der extrem kurzen Haltedauer und der unverzichtbar schnellen Reaktion auf aktuelle Marktbegebenheiten und schneller Veränderungen in volatilen Märkten ist das Verlustrisiko beim Scalping allerdings als höher einzustufen als beim Trading mit langfristig ausgerichteten Handelsstrategien.

Vor- und Nachteile des Scalping?

Diese kurzfristig ausgerichtete Handelsstrategie ermöglicht Gewinne in sehr kurzer Zeit. Für die einzelnen Trades muss der Trader nur wenig Zeit aufbringen. Da sich die schnelle Gewinnmitnahme jedoch erst mit einer entsprechend großen Handelsvolumina rechnet, muss der Scalper wiederum mehr Zeit aufbringen, bis eine entsprechend große Gewinnsumme erreicht ist. Diese Zeit lässt sich verkürzen, indem der Trader weniger Orders mit einem größeren Handelsvolumen platziert, das jedoch wiederum ein vermehrtes Verlustrisiko mit sich bringt. Scalper brauchen ein sehr schnelles Reaktionsvermögen, sehr gute Kenntnisse über die Finanzmärkte, viel Übung sowie höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. Das Verlustrisiko besteht in den volatilen Märkten selbst, die auch auf kleinste, für den Trader aufgrund der kurzen Haltedauer unvorhergesehenen Ereignissen beruhen können.

Steuerliche Betrachtung: Was man beim Scalping beachten muss

Gewinne aus Kapitalerträgen werden mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent versteuert. Hinzukommen (noch) der Soli sowie gegebenenfalls die Kirchensteuer.


Autor: Robert Sasse

Robert Sasse ist leidenschaftlicher Börsianer, Journalist und Unternehmer. Er ist studierter Betriebswirt und besitzt einen Master of Science in Marketing und Sales. Er arbeitete während und nach dem Studium in zahlreichen Analystenhäusern und Unternehmen. Sein unglaubliches Know-how beweist er jeden Tag in seinem Unternehmen, aber auch als Fonds-Redakteur von Finanztrends.info.