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QSC AG: Interview mit CEO Jürgen Hermann auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz (mkk) 2019

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Sehr geehrter Herr Hermann, ich persönlich war seinerzeit stark im Neuen Markt involviert. Daher kenne ich die QSC AG schon seit vielen Jahren. Dies dürfte jedoch nicht bei allen unseren Leserinnen und Lesern der Fall sein. Daher würde ich Sie bitten diesen die QSC erst einmal vorzustellen.

Antwort von Jürgen Hermann: QSC wurde 1997 in Köln gegründet und ging Anfang der 2000er Jahre an die Börse, an den damaligen Neuen Markt. Mit dem Geld aus dem Börsengang hat die Gesellschaft dann ein eigenes DSL-Netz aufgebaut und war lange Zeit als DSL-Provider tätig.

Seit 2009/2010 hat man sich dann in Richtung IT weiterentwickelt, auch mit Hilfe von Akquisitionen. In den vergangenen Jahren haben wir nun einen massiven Umbruch vorgenommen. Im Zuge dieses Wandels haben wir unser Telekommunikationsgeschäft, also auch unser DSL-Netz (zum 30. Juni 2019 für 229 Millionen Euro an EnBW) verkauft.

Mit diesem Verkauf wurde der Umbau der QSC quasi abgeschlossen. Nur um Ihnen eine Vorstellung von der Dimension dieses Umbaus zu geben: Wir haben in den letzten vier Jahren nicht nur unsere Belegschaft von – in der Spitze – rund 1.900 auf zuletzt ca. 900 Mitarbeiter reduziert. Sondern dabei wurden gleichzeitig fast 2/3 der Mitarbeiter ausgetauscht.

Der neue Fokus liegt, wenn ich das richtig verstanden habe, nun auf der Cloud?

Antwort von Jürgen Hermann: Auch, ja, aber nicht nur. Das Stichwort lautet für uns Digitalisierung. Das bedeutet konkret, dass heutzutage enorme Mengen an Daten, oftmals mit Hilfe von Sensoren, gesammelt werden. Diese werden dann intelligent ausgewertet sowie bearbeitet und dann gespeichert, sowohl in Public als auch in Private Clouds.

Das ist nichts anderes als Digitalisierung und wir möchten dem Mittelstand dabei helfen, die Chancen, die diese Digitalisierung bietet, zu nutzen.

Ich habe erst vor ein paar Minuten den Vorstand von Softing interviewt, der ähnliches berichtet hat. Allerdings konzentriert man sich bei Softing, mit der neuen Tochter Globalmatix, zukünftig verstärkt auf den Automobilbereich.

Antwort von Jürgen Hermann: Was die Datenerfassung und Datenspeicherung in der Cloud angeht, ist das sicherlich vergleichbar. Wir konzentrieren uns jedoch auf andere Branchen, konkret sind unsere drei Kernbranchen Energie, Handel und das produzierende Gewerbe.

Einer unserer wichtigen Referenzkunden ist Fressnapf. Dort führen wir die Daten aus rund 1.500 Shops in elf Ländern sowie aus dem Online-Kanal in einer SAP-Cloud zusammen und machen sie so für das Unternehmen nutzbar. Anders als Softing, die sich auf die Datenerfassung und -speicherung konzentrieren, betreiben wir auch und helfen bei der Analyse.

Das ist dann auch der Grund für den starken Austausch bei ihren Mitarbeitern. Denn heute benötigen Sie in erster Linie Softwareentwickler, die Sie früher als Telekommunikationsunternehmen zumindest nicht in dem Umfang wie heute benötigt haben. Richtig?

Antwort von Jürgen Hermann: Wir benötigen heute in erster Linie Cloud-Architekten, Softwareentwickler und S/4HANA-Experten, was früher so nicht der Fall war. Das ist absolut korrekt.

Jetzt erzählen mir schon seit mindestens zwei Jahren fast alle Vorstände von Unternehmen aus der Technologiebranche, dass sie extreme Probleme haben neue, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Wie haben ausgerechnet Sie, als ein auch noch im Umbruch befindliches Unternehmen, es geschafft diese Mitarbeiter zu bekommen? Ich denke diese Frage dürfte auch viele Vorstände sehr interessieren.

Antwort von Jürgen Hermann: Das war und ist in der Tat eine große Herausforderung. In die Karten hat uns sicherlich gespielt, dass wir über zwei sehr attraktive Standorte, nämlich Hamburg und Köln, verfügen. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, den Mitarbeitern ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Dabei geht es sicherlich auch, aber gar nicht mal an erster Stelle, um die Gehälter. Vielmehr möchten die Leute heute beispielsweise die Möglichkeit haben auch mal im Home Office zu arbeiten. Zuletzt haben wir sogar die Möglichkeit geschaffen, dass die Mitarbeiter sich auf vorgestellte Projekte bewerben können, das schafft Eigeninitiative und Gestaltungsspielräume.

Viele Vorstände haben mir zuletzt berichtet, dass Sie solche Fachkräfte gar nicht vor Ort beschäftigen, sondern diese in Osteuropa (z.B. Polen oder Ukraine) oder sogar auf anderen Kontinenten (Indien) sitzen. Sie haben aber alle Mitarbeiter vor Ort?

Antwort von Jürgen Hermann: Ich möchte gar nicht ausschließen, dass auch wir in Zukunft solche Wege gehen müssen. Bisher haben wir aber noch fast alle Mitarbeiter in Deutschland, wobei wir aktuell verstärkt in den baltischen Staaten auf Mitarbeitersuche sind. Sicherlich auch, aber nicht nur, weil uns die Menschen dort kulturell recht nahestehen.

Sie würden unterschreiben, was mir ein Vorstand zuletzt ein wenig hinter vorgehaltener Hand gesagt hat, nämlich dass man nicht nur deshalb Mitarbeiter in den baltischen Staaten sucht, weil diese noch etwas günstiger sind. Sondern auch, weil diese heutzutage besser ausgebildet sind als hier in Deutschland?

Antwort von Jürgen Hermann: Ich möchte es vielleicht mal so formulieren: Die ganze Infrastruktur / Mentalität in diesen Ländern ist viel IT-affiner. So ist in solchen Ländern völlig normal, dass alle Behörden alle Daten untereinander austauschen dürfen. Bei sowas bekommen wir hier in Deutschland sofort Panik aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken.

Auch haben die Kinder dort schon in der Schule (beziehungsweise sogar schon im Kindergarten) iPads und ähnliche digitale Dinge im Einsatz. Sie werden also von Grund auf viel IT-affiner sozialisiert, was sich dann später natürlich fortsetzt. Dies führt dazu, dass sie super ausgebildete Menschen im Alter zwischen zwanzig und fünfunddreißig Jahren finden.

Wo wir bei den baltischen Staaten sind. Dort wird in der Verwaltung beispielsweise ja auch schon die Blockchain-Technologie sehr stark eingesetzt. Wie sieht es bei QSC mit dieser Technologie aus? Setzen auch Sie diese Technologie schon ein?

Antwort von Jürgen Hermann: Wir haben einige, wenige Leute im Rahmen unserer Forschung und Entwicklung auf die Blockchain-Technologie angesetzt. Bisher gibt es aber noch kein konkretes Projekt, dass auf der Blockchain basieren würde. Meine Sicht auf solche Dinge ist recht einfach.

Ich glaube, dass all solche Technologien im Rahmen der Digitalisierung wichtig sind oder zukünftig wichtig werden. Aber man sollte immer auch den Use Case im Fokus haben und nicht die Technologie an sich. Die Technologie darf also niemals zum Selbstzweck werden, da wir sonst in eine falsche Richtung abdriften.

So halte ich beispielsweise den Bitcoin für einen guten Proof of Concept für die Blockchain-Technologie, mehr aber auch nicht. Unser Konzept ist folgendes: Wir schauen welche Herausforderungen unser Kunde (aus den drei genannten Zielbranchen) zu lösen hat. Dann bieten wir ihm eine ganzheitliche digitale Lösung, die wir auch für ihn betreiben.

Was aber würden Sie tun, wenn ein Kunde Ihnen sagt, dass Sie zwar für ihn eine solche Lösung entwickeln sollen, er sie aber aus welchen Gründen auch immer lieber selbst betreiben möchte? Verzichten Sie dann auf diesen Kunden?

Antwort von Jürgen Hermann: Der Kunde ist König, insofern würden wir das durchaus auch machen. Wir würden aber zumindest versuchen ihn davon zu überzeugen, dass es ihm weitere Vorteile bietet, wenn wir die entsprechende Lösung in seinem Auftrag betreiben. Denn vergessen Sie bitte eines nicht, wir sprechen von mittelständischen Kunden.

Natürlich können große Konzerne wie Adidas eigene IT-Abteilungen unterhalten und tun das auch. Aber mittelständischen Unternehmen fällt das deutlich schwerer, zumal ja auch diese die Mitarbeiter erst einmal finden und an sich binden müssen. Wir entscheiden das zusammen mit dem Kunden.

Eine abschließende technische Frage: Ihre Cloud betreiben Sie selbst, auf eigenen Rechnern hier in Deutschland?

Antwort von Jürgen Hermann: Wir verfügen über ca. 20.000 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche in Deutschland, die uns gehört. Dort betreiben wir für diverse Kunden sogenannte Private Clouds. Nach Kundenwunsch sind wir jedoch durchaus auch dazu in der Lage, eine AWS- oder Azure-Cloud zu orchestrieren.

Wettbewerber im Bereich der Private Clouds heißen also beispielsweise Cancom oder Datagroup?

Antwort von Jürgen Hermann: Genau.

Welche Entwicklungen, die es zuletzt bei QSC gab, halten Sie für so interessant, dass Sie unsere Leserinnen und Leser vielleicht ganz besonders darauf aufmerksam machen möchten?

Antwort von Jürgen Hermann: Wir haben uns kürzlich an einem Startup aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) beteiligt, nämlich aiXbrain. Diese entstand im Umfeld der RWTH Aachen. Dort war Professor Dr. Mathar einer der führenden Experten auf diesem Gebiet, musste jedoch aufgrund der Hochschulverordnung emeritieren.

Eigentlich fühlt er sich aber noch zu jung, um sich schon zur Ruhe zu setzen. Daher hat er aiXbrain gegründet, an der wir uns nun beteiligen konnten. Gemeinsam mit aiXbrain möchten wir eine KI-Lösung für die Industrie 4.0 weiterentwickeln und vermarkten. Durch die Beteiligung an aiXbrain haben wir, zumindest indirekt, natürlich auch wieder neue Fachkräfte hinzugewonnen.

Kommen wir abschließend noch zur geschäftlichen Entwicklung von QSC. Wie sind Sie denn mit dem Geschäftsverlauf in 2019 zufrieden und können Sie schon einen, zumindest groben, Ausblick auf 2020 geben?

Antwort von Jürgen Hermann: Da wir schon einen konkreten Ausblick veröffentlicht haben, können wir sogar bezüglich des Ausblicks Tacheles reden.

Aber zunächst mal noch zu 2019. Das war natürlich ein sehr spannendes Jahr, weil es mit dem Verkauf unseres DSL-Netzes die größte Transaktion unserer Unternehmensgeschichte beinhaltet hat.

Was den Geschäftsverlauf betrifft, möchte ich vorausschicken, dass alles, was ich jetzt an Zahlen sage, exklusive des verkauften Telekommunikationsgeschäfts ist. Dieses war zwar in den ersten sechs Monaten noch drin, ich rechne es jedoch im Kopf mal heraus. Denn so werden die Zahlen besser vergleichbar, gerade auch was den Ausblick angeht.

In 2019 werden wir einen um das Telekommunikationsgeschäft bereinigten Jahresumsatz von ungefähr 127 Millionen Euro verbuchen. Diesen Jahresumsatz möchten wir in 2020 um mindestens 13 Prozent auf mehr als 143 Millionen Euro steigern und ein nachhaltig positives EBITDA ab dem vierten Quartal ausweisen.

Dazu kann ich Ihnen verraten, dass – wenn wir diese selbst gesteckten Ziele nicht erreichen werden – keine Bonuszahlungen an mich oder das übrige Management fließen werden. Insofern haben wir zwar durchaus ambitionierte, aber erreichbare Ziele vereinbart. Und ein viel stärkeres Commitment zu solchen Geschäftszielen gibt es wohl nicht.

Okay, dann hätte ich keine weiteren Fragen mehr. Haben Sie eventuell noch etwas auf dem Herzen, was Sie unseren Leserinnen und Lesern gerne abschließend mit auf den Weg geben möchten?

Antwort von Jürgen Hermann: Nun, ein Vorstand sollte nie die Entwicklung der Aktie seines Unternehmens kommentieren. Schon gar nicht sollte er irgendwelche Kursziele in den Raum werfen. Das möchte ich auch gar nicht tun. Aber klar ist, dass ich mit der Kursentwicklung unserer Aktie zuletzt nicht zufrieden sein kann und es auch nicht bin.

Meines Erachtens haben die Anleger am Aktienmarkt die sehr positiven Entwicklungen zuletzt noch gar nicht so wirklich erfasst. Vielleicht ändert sich das im Jahr 2020, wenn das Unternehmen dann auch noch einen neuen Namen bekommen soll. Insofern erachte ich die Aktie, in die ich ja selbst auch investiert habe, für ein spannendes Investment.

Herr Hermann, ich bedanke mich für das interessante Interview und wünsche Ihnen viel Erfolg, so dass Sie die selbst gesteckten Ziele auch erreichen werden!

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könnten aus dem kritischen Sumpf raus und einfach mal Schlobohm Lektüre studieren ............ Da
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upolani  Eh super Gestern
20k / Tag wäre ende Feb schon die 1mio Devices Frage ist nur, warum man das nicht kommuniziert D
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Denke mal das von den 11 Mio schon ein paar installiert sind, die zu den ursprünglichen 600k noch da
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