OMV: Exklusiv-Interview mit CFO Reinhard Florey – “Dividende auf Rekordniveau!”

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CFO von OMV, Reinhard Florey.

Die OMV ist ein internationales, integriertes Öl- und Gasunternehmen mit Aktivitäten im Upstream- und Downstream-Bereich. Hier bietet das Unternehmen unter anderem innovative Energielösungen und hochwertige petrochemische Produkte an. Die Zentrale des Unternehmens befindet sich in Wien. Mittlerweile zählt OMV zu eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen Österreichs.

Herr Florey, der Markt wurde von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen?

Reinhard Florey, OMV CFO

R. Florey: Mit einer robusten Bilanz, starken Cashflows und Kostendisziplin steht die OMV auf einer starken finanziellen Basis. Wir arbeiten mit langfristigen Finanzierungsinstrumenten, die wir uns zu äußerst attraktiven Konditionen sichern konnten. Die starke Nachfrage und mehr mehrfache Überzeichnung unserer jüngst begebenen Senior- und Hybrid Anleihen, zeigt das starke Interesse und das Vertrauen in die OMV. Wir gehen auch längerfristig von günstigen Finanzierungskonditionen aus, unabhängig von aktuellen staatlichen Hilfsprogrammen.

Verstehe, diese Ansicht kann ich vertreten. Was hat sich denn in Ihrem Unternehmen durch die Corona-Pandemie verändert?

R. Florey: Die globale Ausbreitung des Corona-Virus hat das gesellschaftliche Leben schlagartig verändert und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich verschlechtert. Die OMV hat bereits im März 2020 mit gezielten und konsequenten Maßnahmen reagiert, um die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens zu gewährleisten. Wir haben ein Maßnahmenpaket geschnürt, welches wir im Laufe des Jahres mehrfach weiter aufgestockt haben. Es betrifft den gesamten OMV Konzern und beinhaltet unter anderem eine Reduktion der geplanten organischen Investitionen um rund 30% sowie zusätzliche Senkungen unserer operativen Kosten von rund 200 Millionen Euro. Zudem haben wir unsere Investitions- und Akquisitionsvorhaben auf den Prüfstand gestellt und haben damit weitere 1,5 Milliarden Euro freimachen können.

Auch wenn das von uns geschnürte Parket zuweilen schmerzlich war, so bin ich dennoch froh, dass schwerwiegendere Maßnahmen für die OMV nicht auf der Agenda standen. Weder hat es bei der OMV einen drastischen Abbau von Arbeitsplätzen gegeben, noch haben wir auf das Instrument der Kurzarbeit setzen müssen. Dank unseres robusten integrierten Geschäftsmodells sowie der konsequenten Vorarbeit im Kostenmanagement haben wir zudem nicht auf staatliche Subventionen oder ähnliche öffentliche Hilfen zurückgreifen müssen.

Neben den genannten Einsparungen, hat sich die OMV zum Ziel gesetzt, Devestitionen von mehr als zwei Milliarden Euro bis Ende 2021 zu realisieren. Mit der jüngst erzielten Einigung mit dem Verbund zur Veräußerung unserer Beteiligung an der Gas Connect Austria haben wir einen ersten wichtigen Schritt gesetzt. Das Closing der Transaktion erwarten wir für die erste Hälfte des kommenden Jahres. Weitere Schritte wurden bereits initiiert und verlaufen positiv, wie etwa der Verkauf unseres Tankstellengeschäftes in Süddeutschland. OMV steht auf soliden Füßen und die Handlungsfähigkeit des OMV Konzerns stand in der diesjährigen Krise zu keinem Zeitpunkt in Frage.

Das hört sich doch positiv an. Ich merke, dass Sie bereits in der frühen Pandemie-Phase wichtige Schritte eingeleitet haben. Nun würde mich interessieren, was Ihr Unternehmen von den Wettbewerbern der Branche unterscheidet?

R. Florey: Wir beabsichtigen auch in einem Umfeld mit niedrigeren Ölpreisen weiterhin profitabel zu wachsen. Mit der Aufstockung unserer Beteiligung an Borealis auf 75% verlängern wir unserer Wertschöpfungskette in Richtung Chemie, erzielen damit eine weitere Stärkung unseres erfolgreichen integrierten Geschäftsmodells, einer deutlichen Erhöhung unseres Cashflow-Potenzials sowie einer substanziellen Reduktion unserer Abhängigkeit von der langfristigen Ölpreisentwicklung. Zudem bereiten wir mit diesem Schritt das Unternehmen für eine erfolgreiche Performance auch in einem Umfeld deutlich reduzierter CO2-Emissionen vor.

Wo sehen Sie unter anderem dadurch OMV in 5 Jahren?

R. Florey: Wir wollen profitabel wachsen. Das heißt dass wir bis 2025 unser jährliches bereinigtes Betriebsergebnis auf mindestens 5 Milliarden Euro steigern wollen. Mittelfristig wollen wir auch einen operativen Cash Flow von mindestens 5 Milliarden Euro erreichen. Das langfristige Verschuldungsziel ist eine Nettoverschuldungsquote (ohne Leasing) bezogen auf das Eigenkapital von 30% oder weniger. Wir bauen die Position im europäischen Gasmarkt und im internationalen Petrochemie-Geschäfts aus, ebenso werden wir die Effizienzsteigerung fortsetzen und die Internationalisierung des Upstream- und Downstream-Geschäfts verstärken. Die Wachstumsstrategie der OMV wird sicher, verantwortungsvoll und CO2-effizient umgesetzt.

Vielen Dank für diese Ausführung. Zum Abschluss habe ich noch eine Frage an Sie, Herr Florey. Aus welchen Gründen sollten Anleger letztendlich in Ihr Unternehmen investieren?

R. Florey: Trotz des schwierigen Umfelds konnten wir im ersten Halbjahr 2020 einen starken operativen Cash-Flow von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Dem stehen 1 Milliarde Euro Investitionen gegenüber, somit konnten wir unsere Liquidität mit 700 Millionen Euro weiter stärken. Daraus resultierend konnten wir der Hauptversammlung eine Dividende pro Aktie auf dem Rekordniveau des Vorjahrs von EUR 1,75 je Aktie vorschlagen und dieser Antrag wurde angenommen. Dies steht im Einklang mit unserer langfristigen progressiven Dividendenpolitik und beweist unser Bekenntnis zu unseren Aktionärinnen und Aktionären, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen. Wir sind überzeugt: Die OMV ist mit den eingeleiteten Transformationsschritten ein zukunftssicheres und lohnendes Investment.

Ich bedanke mich recht Herzlich für das Interview. Darüber hinaus wünsche ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft und einen sicheren Weg durch die Pandemie!

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