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Offene Handelgesellschaft: Vorteile und Gewinnverteilung einer OHG

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In der Unternehmenswelt gibt es viele verschiedene Formen von Firmen. An der Börse beschäftigen wir uns täglich hauptsächlich mit Aktiengesellschaften. Neben der Aktiengesellschaft (AG) gibt es aber auch noch andere Gesellschaftsformen. Zum Beispiel die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. In diesem Artikel wollen wir uns einer weiteren Gesellschaftsform widmen: der offenen Handelsgesellschaft (OHG).

Eine offene Handelsgesellschaft oder auch OHG, setzt sich aus den folgenden Merkmalen zusammen:

  • Es handelt sich beim Unternehmen um ein Handelsgewerbe
  • Es gibt mindestens zwei Gesellschafter
  • Es gilt eine persönliche und unbeschränkte Haftung
  • Es wird eine Eintragung ins Handelsregister vorgenommen
  • Alle Geschäftsführer besitzen eine sog. Einzelgeschäftsführungsbefugnis
  • Die Gesellschaft ist teilrechtsfähig

Das sind die wesentlichen Merkmale einer OHG. Im Gegensatz zur GmbH braucht es also bei einer offenen Handelsgesellschaft keine Mindeststammeinlage, dafür kann eine OHG niemals einen anderen Zweck als den eines Handelsgewerbes haben.

Warum eigentlich OHG anstatt GmbH oder eine andere Gesellschaftsform?

Nun, zugegeben, die passende Gesellschaftsform für die Geschäftsgründung zu wählen ist wichtig. Wer keinen Unternehmensberater in Anspruch nehmen möchte, muss daher die Vor- und Nachteile der einzelnen Gesellschaftsformen kennen. Alle Gesellschaftsformen mitsamt einem umfangreichen Vergleich aufzuführen, würde den Umfang und Zweck dieses Artikels sprengen. Daher wollen wir uns alleinig den Vorteilen der OHG widmen:

1. Eine OHG muss im Handelsgewerbe tätig sein. Die Gesellschaft ist somit ein kaufmännisches Unternehmen. Zusätzlich knüpft die OHG an einen Mindestumsatz und eine bestimmte Unternehmensgröße an, was der Gesellschaft ein „höheres Ansehen“ verleiht, verglichen zu einer GbR beispielsweise.

2. Zur Gründung einer OHG müssen zwar mindestens zwei Gesellschafter benannt sein, aber es braucht kein Mindeststammkapital.

3. Die Möglichkeiten zur Mitbestimmung der einzelnen Gesellschafter sind sehr groß.

4. Der Geschäftsführer bzw. die Geschäftsführung einer OHG haftet/haften nicht für die sog. Insolvenzverschleppung. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur GmbH. Auch haften der oder die Geschäftsführer nicht für Verletzungen von Sorgfaltspflichten oder auch Missachtungen von Kapitalaufbringungsvorschriften.

5. Zudem besteht natürlich die Möglichkeit einer Firmierung. Das bedeutet, dass die OHG individuell benannt werden darf.

Es gibt freilich noch mehr Vorteile, die oben genannten sollten aber die wesentlichen Vorzüge einer OHG darlegen. Die Nachteile möchten wir an dieser Stelle aber auch nicht verschweigen:

Der größte Nachteil einer OHG dürfte für viele Menschen die persönliche Haftung sein. Im Falle einer OHG bedeutet das nämlich, dass alle Gesellschafter persönlich und gesamtschuldnerisch haften. Die OHG fällt zudem nich unter die Steuersätze der Körperschaftssteuer, sondern unter die Einkommenssteuer. Ja, eine OHG ist vor dem Gesetz eine sog. Personengesellschaft. Und der Unterschied zwischen Körperschafts- und Einkommenssteuer kann gewaltig sein. Hinzu kommt die Pflicht zur umfangreichen Buchführung und Publizität. Das bedeutet, dass die Bilanzen der OHG in vollem Umfang offengelegt werden müssen.

Gewinnverteilung bei der OHG

Ein wesentlicher Fragepunkt bei Gesellschaften mit mehreren Gesellschaftern ist natürlich die Gewinnverteilung. Die Gewinnverteilung einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) kann auf zwei Arten geschehen:

Über eine vertragliche Regelung unter allen Gesellschaftern im sogenannten Gesellschaftsvertrag der offenen Handelsgesellschaft

Oder

Nach gesetzlicher Regelung des § 121 Handelsgesetzbuch (HGB), welcher besagt, dass jeder Gesellschafter einen Betrag von 4 Prozent auf seinen Kapitalanteil, vom Gewinn der OHG, bekommt. Der Restbetrag wird nach Köpfen verteilt.

Nun, das kann zunächst verwirrend klingen. Deshalb ist es sinnvoll für die Gewinnverteilung bei der OHG ein praktisches Beispiel heranzuziehen. Für das Beispiel gehen wir zur Vereinfachung von lediglich zwei Gesellschaftern aus, also dem Minimum an Gesellschaftern für eine OHG. Zudem rechnen wir mit runden Beträgen, um die Rechnung selbst verständlicher zu machen.

Unsere zwei Gesellschafter heißen Heiko und Peter. Die beiden Freunde gründeten eine OHG mit nicht weiter relevanten Namen. Nun geht es an die Gewinnverteilung (und hoffentlich nicht an die Verlustverteilung). Zunächst ist festzustellen, dass Heiko eine Kapitaleinlage von 100.000 € geleistet hat, während Peter 200.000 € leistete. Der Gewinn des Geschäftsjahres beträgt 100.000 €.

Gemäß § 121 HGB, erhält nun Heiko 4.000 € (4 Prozent seiner Kapitaleinlage), während Peter 8.000 € erhält (ebenfalls 4 Prozent seiner Kapitaleinlage). Nach diesem Beispiel sind von 100.000 € Gewinn nun 12.000 € verteilt worden. Der Rest wird „nach Köpfen verteilt“, also gleichmäßig unter allen Gesellschaftern aufgeteilt. Somit erhalten Heiko und Peter zusätzlich – und jeweils – 44.000 €.

Zusammenfassend betrachtet erhält Heiko 48.000 €, während Peter durch die höhere Kapitaleinlage 52.000 € Gewinnanteil bekommt. Diese Gewinnanteile fließen auf das sogenannte Kapitalkonto der jeweiligen Gesellschafter (das sind Unterkonten des Eigenkapitals.

Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass es eine gesetzliche Sonderregelung gibt, sollte der Gewinn nicht für die 4-Prozent-Verteilung ausreichen. Gemäß § 121 Abs. 1 Satz 2 HGB wird in diesem Fall ein entsprechend niedrigerer Przentsatz angewendet. Bei einem Gewinn von beispielsweise lediglich 6.000 €, würden 2 Prozent zur Verteilung angewendet. Heiko bekäme also 2.000 € und Peter 4.000 €. Es gäbe nichts mehr nach Köpfen zu verteilen.

Warum gibt es überhaupt eine gesetzliche Gewinnverteilung?

Ganz einfach für den Fall, dass Gesellschaften ohne Gesellschaftsvertrag (und damit eigener Regelung zur Gewinn- und Verlustverteilung) eine Regelung vorfinden. Die Gesellschafter sind eigentlich, vor dem Gesetz, gleichberechtigte Partner. Sie tragen dieselbe Verantwortung, sind womöglich beide Geschäftsführer, usw. Die Kapitaleinlage kann aber unterschiedlich hoch sein (wie im Beispiel gezeigt). Dafür sieht der Gesetzgeber eine Mindestverzinsung von 4 Prozent vor.

Wie werden Verluste verteilt?

Eine OHG besitzt eine Gewinnverteilung. Da es aber vorkommen kann, dass keine Gewinne zu verzeichnen sind, dafür aber Verluste, greift in diesem Fall eine Verlustverteilung. Dann wird der Verlust „nach Köpfen verteilt“, eine Verteilung nach Kapitaleinlage gilt hierbei nicht (§ 121 Abs. 3 HGB). Die aufgeteilten Verluste werden jeweils vom Kapitalkonto der jeweiligen Gesellschafter abgezogen.

Fazit zur offenen Handelsgesellschaft (OHG)

Die offene Handelsgesellschaft (OHG) genießt einen höheren Stand in der Welt der Unternehmen, als bspw. die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Auch bietet die OHG viele weitere Vorteile, vor allem auch, dass keine Mindeststammeinlage vorhanden sein muss. Geringe Haftung und Möglichkeit der Firmierung sind zudem zu nennen. Dafür fällt die OHG nur unter die Einkommenssteuer und nicht unter die Körperschaftssteuer. Zudem wird persönlich und gesamtschuldnerisch gehaftet.

Die Gewinnverteilung bei der OHG hingegen ist fair, auch ohne Gesellschaftsvertrag. Es gibt einen gesetzlichen Mindestsatz von 4 Prozent des Gewinns, basierend auf der jeweiligen Kapitaleinlage. Der Rest wird sodann nach Köpfen verteilt. Bei Verlusten wird nur noch nach Köpfen verteilt.

Abschließend muss erwähnt werden, dass es in jedem Fall ratsam ist, die passende Gesellschaftsform ausgiebig zu ermitteln und alle Gesellschaftsformen eingehend zu beleuchten. Hierbei hilft entweder das entsprechende Wissen in diesem Bereich, ein qualifizierter Rechtsanwalt oder der gute, altbekannte Unternehmensberater.

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