Gazprom – Value-Perle aus Dornröschenschlaf erwacht?

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Lieber Leser,

jahrelang hatten Anleger an der Gazprom-Aktie keine wirkliche Freude. Umso erstaunlicher ist es, dass die Anteilsscheine des russischen Energieriesen in den zurückliegenden knapp drei Wochen um mehr als 10% anzogen und sich somit erkennbar besser entwickelten als die Öl- und Gaspreise. Daher darf man sich zu Recht fragen, ob die „Saure-Gurken-Zeit“ ihr Ende gefunden hat und aus dem „hässlichen Entlein“ doch noch ein „schöner Schwan“ wird.

Charttechnik macht Appetit auf weiter anziehende Kurse

Weiter steigende Notierungen impliziert zur Stunde die technische Ausgangssituation. Im Schlepptau des jüngsten Anstiegs wurde der seit Mitte Januar vorherrschende Abwärtstrend von einem Aufwärtstrend abgelöst, der zur Stunde vollumfänglich intakt ist. Dieser trieb die Notierungen bereits am letzten Donnerstag über den Widerstand bei 4,23 USD. Am Dienstagvormittag dieser Woche versuchte sich der Kurs dann sogar am nächsten Resist bei 4,26 USD, der allerdings noch nicht nachhaltig nach oben durchbrochen werden konnte. Des Weiteren notiert die Aktie mittlerweile komfortabel oberhalb ihrer 38-Tage-Linie und bis zum gleitenden Durchschnitt der zurückliegenden 200 Tage ist es auch nicht mehr allzu weit. Und nicht zuletzt ist auch das im Steigen begriffene Momentum in den bullischen Bereich vorgedrungen.

ADRs notieren 75% unter Buchwert

Inwieweit die Kurserholung der außerordentlich günstigen Bewertung geschuldet ist, kann an dieser Stelle nicht seriös beantwortet werden. Vorstellbar ist das allerdings allemal. Immerhin liegt das KGV für 2018 lediglich bei etwa 4. Gleichzeitig winkt eine Dividendenrendite von 6%, die aber nicht unerheblich von Putins gutem Willen abhängt. Dafür werden die ADRs, die zwei Aktien entsprechen, zur Stunde mit einem Abschlag von 75% auf den Buchwert von 14,46 EUR gehandelt. Das erscheint spottbillig, reflektiert aber die nicht zu unterschätzenden politischen Risiken. Um der Gazprom-Aktie dauerhaft starken Auftrieb zu verleihen, müssten die Energiepreise massiv anziehen. Da dieses Szenario bis auf weiteres nicht in Sicht ist, ist es nicht sonderlich wahrscheinlich, dass die Erholung in eine nachhaltige Rally mündet.

Ein Beitrag von Marc Nitzsche

Der Rechts- und Medienwissenschaftler und Rechtsanwalt war Chefredakteur von Fondscheck.de, der Börsenbriefe „Rohstoff-Trader“, „Hotstock-Trading“ und „Derivate Magazin“...