Manner: Exklusiv-Interview mit CFO Mag. Albin Hahn – “Wir konnten einen Online-Zuwachs von 40% verzeichnen!”

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CFO von Manner Josef, Mag. Albin Hahn.

Die Firma Josef Manner & Comp AG ist Spezialist für Waffeln, Dragees und Schaumzuckerwaren. Das Unternehmen, welches sich seit der Gründung zum Großteil noch immer in Familienbesitz befindet, bietet heute Süßwarenprodukte in mehr als 50 europäische und außereuropäische Länder an.

Herr Hahn, der Markt wurde von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Änderungen der Finanzierungsbedingungen?

Mag. Albin Hahn;
 CFO Josef Manner & Comp. AG

A. Hahn: Manner finanziert sich über eine hohe Eigenkapitalquote und Bankenfinanzierung. Für Manner selbst erwarten wir keine Änderungen. Gute und langfristige Partnerschaften mit unseren Hausbanken sorgen für eine stabile Finanzierungsstruktur. Unternehmen mit einer geringen Eigenkapitalausstattung könnten jedoch Probleme bekommen.

Was hat sich bei Manner durch die Corona-Pandemie verändert?

A. Hahn: Sämtliche Manner-Shops in Österreich waren einige Wochen geschlossen, nun sind sie wieder geöffnet, natürlich unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen. Dabei ist ein relevanter Umsatz ausgeblieben, auch das Ostergeschäft war betroffen. Bei unseren Manner-Shops sehen wir auch für die Zukunft die größten Herausforderungen. Denn wir haben unsere Shops dort, wo entweder der Österreicher die Manner-Süßware als Mitbringsel auf seine Reise mitnimmt oder der Tourist als Erinnerung an den Urlaub kauft. Beides ist auf unbestimmte Zeit schwer oder nicht möglich.

Dort wo es um Tourismus geht, bricht uns dadurch sicherlich Umsatz weg. Aber Konsumenten gönnen sich auch zu Hause kleine Glücksmomente, hier sehen wir Potenzial für kommende Monate. Man möchte sich sicherlich auch in schwierigen Zeiten etwas Gutes tun. Wir sehen jetzt in der Krise auch den Trend zu heimischen Produkten und Produktion. Genau da setzen wir auch an.

Im Export merken wir, dass in einigen Märkten die Konsumenten gerade an Importartikel in der Krise einsparen, aufgrund der höheren Preisgestaltung.  Was wir aber bereits sehen ist ein Zuwachs bei Online-Bestellungen. In diesem Jahr hat sich der Umsatz im Onlineshop um ca. 40% erhöht.

Die Kurzarbeit war daher für uns ein wichtiges Instrument um Mitarbeiter in der bestehenden schwierigen Situation weiterhin zu beschäftigen.

Ich merke, Sie versuchen das Bestmögliche, um sich der speziellen Situation anzupassen. Gibt es hier vielleicht Unterschiede zu den Wettbewerbern der Branche?

A. Hahn: Wir sind große Verfechter von Markenvielfalt. Wir sind uns bewusst, dass wir wahre Perlen in unserem Markenportfolio haben, hier gehen wir mit viel Respekt und Verantwortung damit um. Deshalb gibt es auch immer wieder neue Produkte und Kampagnen nicht nur für Manner, sondern auch für Casali, Dragee Keksi, Viktor Schmidt und Ildefonso. Aber auch der Umbau unseres Werks in Wien/Hernals – Manner investierte mehr als 40 Millionen Euro in die Modernisierung – schafft Möglichkeiten für nachhaltige Projekte. Wir speisen die Abwärme aus dem Backprozess ins Fernwärme Netz für die Heizung von 600 Haushalten in der Umgebung.

Auch die Markenfarbe ist bei unseren Marken ein wesentliches Asset. Aber auch dies wurde neu interpretiert – wie z.B. in unserer Zusammenarbeit mit Pantone seit diesem Jahr. Soundbranding wird noch viel zu stiefmütterlich behandelt – hier sind wir mit Manner uns unserem unverkennbaren Soundlogo innovative Wege gegangen und haben unsere Elemente aus der Heritage z.B. Pummerin einfließen lassen.

Manner punktet mit Originalen. Marken sind „in“, weil sich Markenartikler mit Markt- und Konsumentenbedürfnissen perfekt auseinandersetzen und Innovation mit Qualität verbinden. Damit schaffen es Marken auch über einen langen Zeitraum beim Konsumenten für Verlässlichkeit und Beständigkeit zu stehen. Die Marke Manner wird heuer seit 130 Jahren kontinuierlich bearbeitet. Die konstante Markenarbeit ist wichtig, um Vertrauen beim Konsumenten aufzubauen. So werden beispielsweise Werte wie Authentizität, Ehrlichkeit und Herkunft bei der Marke Manner neu interpretiert. Dem Ernährungstrend entsprechende Produktinnovationen halten die Lust auf unsere Marken ebenfalls hoch.

Auch das Thema Nachhaltigkeit ist bei Manner zentral verankert – so produzieren wir z.B. seit 2020 ausschließlich mit zertifiziert nachhaltigem Kakao.

Verstehe, Sie verfolgen nun also den Nachhaltigkeitsaspekt. Wo sehen Sie dadurch Manner in 5 Jahren?

A. Hahn: Für mich gibt es bei Manner 2 Megatrends für die nächsten Jahre: Digitalisierung und Employer Branding. Für beide wurden bereits konkrete Projekte gestartet. Employer Branding erhält in den nächsten Jahren einen höheren Stellenwert. Marketing ist nicht nur Sache der Marketingabteilung. Die wichtigsten Multiplikatoren sind die eigenen Mitarbeiter. Digitalisierung ist ein weiterer Schwerpunkt für die nächsten Jahre. Manner versteht Digitalisierung als ganzheitliche Transformation des Unternehmens mit dem Ziel, den Kundennutzen zu erhöhen. Sie betrifft sowohl das Kerngeschäft als auch neue Geschäftsfelder, optimiert Aufbau- und Prozessorganisation und modernisiert die Unternehmenskultur.

Wir haben eine Exportquote von ca. 60%, auch hier ist unser Ziel, mit unseren qualitativ hochwertigen Markenprodukten, im Ausland zu wachsen.

Für die nächsten 5 Jahren erwarten wir sowohl bei den Umsätzen als auch auf der Ertragsseite eine stabile Seitwärtsentwicklung des Unternehmens.

Vielen Dank für diese Ausführung. Zum Abschluss habe ich noch eine Frage an Sie, Herr Hahn: Wie sind die Aktien-Strukturen von Manner verteilt?

A. Hahn: Manner ist sicherlich eine Besonderheit, da die Mehrheit der Aktien (88,41%) in einem Familien-Syndikat zusammengefasst ist. Die Mitglieder des Familien-Syndikats handeln ihre Aktien nicht und daher ist für diese Aktionäre auch die Entwicklung eines Börsenkurses ohne Bedeutung. Der Hauptunterschied ist, dass Manner zu rein kapitalmarkt-orientierten Unternehmen, nachhaltige und längerfristige Entscheidungen treffen kann, die sich an einer klaren Wertestruktur orientieren. Unsere Kernaktionäre erwarten die Wahrnehmung eines sozialen, nachhaltigen und profitablen Unternehmertums.

Durch diese stabile Kernaktionärsschicht ist auch das Handelsvolumen von Manner-Aktien als sehr gering einzustufen.

Zur Erklärung: Das Grundkapital der Gesellschaft betrug 2019 € 13.740.300 und ist in 1.890.000 nennbeitragslose Stückaktien zerlegt. Die Aktien der Gesellschaft lauten auf Inhaber (360.319 Stück; Vorjahr: 360.319 Stück) oder auf Namen (1.529.681 Stück; Vorjahr: 1.529.681 Stück). Die Inhaberaktien notieren an der Wiener Börse (amtlicher Handel im Marktsegment Standard Market Auction).

Folgende direkte Beteiligungen am Kapital, die zumindest 4% betragen, sind dem Unternehmen bekannt:

  • Privatstiftung Manner 803.148 Stück (=42,47%)
  • Andres Holding Gesellschaft m.b.H. 453.533 Stück (=24,00%)
  • ÖZW Österreichische Zuckerwaren GmbH 110.876 Stück (=5,87%)

Die Privatstiftung Manner und die Andres Holding Gesellschaft m.b.H gehören dem „Manner“-Syndikat an. In Summe hat dieses Syndikat 1.670.870 Stammaktien (=88,41%).

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Herr Hahn. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

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