Small Caps

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Was sind Small Caps?

Als Small Caps werden Aktien mit geringer Marktkapitalisierung bezeichnet. Abhängig von der Branche, in dem das emittierende Unternehmen tätig ist und von dem Geschäftsmodell, besteht hier ein größeres Wachstumspotenzial als bei bereits etablierten Unternehmen. Anleger sollten allerdings auch Vorsicht walten lassen und sich die hinter den Small Caps stehenden Unternehmen genau anschauen. Häufig starten neu auf den Markt drängende Unternehmen äußerst erfolgreich, können diesen Erfolg jedoch langfristig nicht halten. Hat ein Unternehmen es jedoch erst einmal geschafft, sich erfolgreich auf dem Markt zu positionieren, bieten Small Caps gute Renditen und eine breite Risikostreuung.

Der Aktienmarkt besteht größtenteils aus den sogenannten Mid Caps und Large Caps. Diese Aktien werden von Unternehmen mit langfristig operierenden Geschäftsmodellen ausgegeben, die sich strategisch schon seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich auf dem Markt behaupten. Bevor sich erfahrene Investoren für eine Eigenkapital-Investition in Mid Caps oder Large Caps entscheiden, unterziehen sie die emittierenden Unternehmen in der Regel einer entsprechenden Analyse, um das langfristige Wertpotenzial zu ermitteln. Da Small Caps häufig  neu auf den Markt drängenden Unternehmen sind, ist die eingehende Analyse des dahinterstehenden Geschäftsmodells nur eingeschränkt möglich. Dennoch kommen den Faktoren Liquidität und Zeit im Fall von Small Caps eine große Bedeutung zu. Bei einem soliden Geschäftsmodell können Small Caps weniger risikobehaftet sein als Wertpapiere von Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung.

Small Caps werden teilweise auch als Nebenwerte bezeichnet

Wann ist ein Unternehmen Small- Mid- oder Large-Cap?

Ob ein Unternehmen zum Small-, Mid- oder Large Cap-Segment gehört, hängt von der Größe der Marktkapitalisierung ab. Wie hoch die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist, lässt sich zwar einfach berechnen. Anlegern fehlen jedoch meistens die entscheidenden Berechnungsgrößen, da häufig nicht bekannt ist, wie sich der Besitz sämtlicher Aktien eines Unternehmens genau auf die Aktionäre und anderer, dem jeweiligen Unternehmen verbundenen Investoren aufteilt. Es gibt jedoch allgemeine Richtwerte als Orientierungshilfe. Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 2 und 19 Milliarden Euro werden dem Mid-Cap-Segment zugerechnet. Unternehmen, die diese Grenze überschreiten, agieren im Large-Cap-Bereich, während Konzerne mit mehr als 200 Milliarden US-Dollar als Mega-Cap-Aktien gelten. Small-Cap-Unternehmen bewegen sich in einem Bereich von 300 Millionen bis 2 Milliarden Euro Alles, was sich unter 300 Millionen Euro Marktkapitalisierung bewegt, wird dem Micro-Cap-Segment zugerechnet.

Warum werden Small Caps gerne unterschätzt?

Viele Anleger mit weniger Erfahrung auf dem Aktienmarkt tendieren dazu, Small Caps alleine wegen der Bezeichnung „klein“ zu unterschätzen. Dabei ist eine Marktkapitalisierung von 300 Millionen bis 2 Milliarden Euro sicherlich nicht zu verachten. Investoren sollten sich als Orientierungshilfe den Russel-2000-Index in den USA anschauen. Hier sind 2.000 Aktien kleinerer Unternehmen vertreten, die Anleger kaufen und verkaufen können. Dieser Referenz-Index zur Messung der Performance von Small-Cap-Aktien bietet eine gute Entscheidungshilfe. Marktexperten haben diesen Index mit dem S&P 500 verglichen. Hier sind die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen vertreten. Als ETF gehandelt, haben die Small Caps des Russel 2000 die Performance der Mid- und Large-Caps des S&P um zwei Prozent pro Jahr übertroffen. Finanzexperten weisen darauf hin, dass sich die Gesamt-Performance im Small-Cap-Segment seit 2000 bei 312 Prozent bewegt, während der Large- und Mid-Cap-Bereich auf einen Investitionswert von 226 Prozent kommt.

Wie können Small Caps gehandelt werden und für wen sind sie geeignet?

Abhängig von der Branche und dem Geschäftsmodell sind Small Caps allerdings volatiler, was bedeutet, der Aktienkurs befindet sich ständig in Bewegung, sowohl nach oben als auch nach unten. Die jährlichen Renditen der im Russel-Index vertretenen Small Caps sind häufig um ungefähr 2,5 Prozent geringer als die im S&P vertretenen Mid- und Large-Caps. Allerdings gibt es gerade auf dem europäischen und dem deutschen Aktienmarkt vielversprechende Small Caps gut aufgestellter Klein- und Mittelstandsunternehmen, in die sich eine Investition lohnt. Für Anleger, die ihr Geld nicht in absehbarer Zeit für andere Investitionen brauchen, lohnt sich die Aufnahme von Small Caps in das eigene Portfolio, um das Anlagerisiko optimal zu streuen. Investoren können in Small Caps genauso investieren wie in Mid- und Large Caps: direkt über das Unternehmen, über eine Bank oder einen Finanzberater oder über ein Handelskonto bei einem Broker.

Wie setzt sich der Aktienmarkt zusammen?

Ungefähr 2.200 der 2.800 Unternehmen des europäischen Aktienmarktes sind dem Small Cap-Segment zuzuordnen, was einen Anteil von 75 Prozent an sämtlichen investierbaren Unternehmen ausmacht. Wie bei Mid Caps und Large Caps entscheidet auch im Fall von Small Caps das Wertpotenzial und ein solides Geschäftsmodell der emittierenden Unternehmen über eine Eigenkapital-Investition. Große Konzerne sind meistens in mehreren Geschäftsfeldern aktiv, was auch ein gewisses Risiko bedeuten kann. Misserfolge durch falsche Einschätzungen und falsche Übernahmeentscheidungen wie im Fall Bayer und Monsanto können durchaus zu wirtschaftlichen und finanziellen Problemen führen. Wenn dann noch ein Imageproblem hinzukommt, fallen die Aktienkurse schneller als dem Unternehmen und den Aktionären lieb ist. Small-Cap-Unternehmen konzentrieren sich dagegen auf einige wenige attraktive Geschäftsfelder. Diese gut durchdachte Aufstellung macht diese Marktakteure flexibler und weniger anfällig für Fehleinschätzungen. Small-Cap-Unternehmen können aufgrund kurzer Entscheidungs- und Umsetzungswege ihre Investitionskultur besser leben und nach außen repräsentieren. Daher werden Unternehmen aus dem Klein- und Mittelstand auch gerne als Rückgrat der deutschen und europäischen Wirtschaft bezeichnet.

Was sind die Vorteile von Small Caps?

Auf dem Aktienmarkt scheint diese Aussage jedoch noch nicht ganz angekommen zu sein, denn hier sind nach wie vor die Global Player aus dem Mid- und Large-Cap-Segment angesagt. Auch in Analystenkreisen werden erfolgsversprechende Small Caps gerne vernachlässigt. Fachleute sprechen von einem „Neglected Firm Effect“. Aufgrund der geringeren Marktkapitalisierung fehlt den Small Caps einfach das Interesse von Analysten und Anlegern. Genau diese Tatsache kann jedoch auch ein Vorteil sein, denn häufig sind Small Caps unterbewertet, obwohl ein langfristiges Wachstumspotenzial durchaus gegeben ist. Genau das macht Small Caps zu einem attraktiven Posten in jedem Aktiendepot, denn in einem Aktienportfolio, das überwiegend in Mid Caps und Large Caps investiert, bieten Small Caps eine breite Risikostreuung.


Autor: Stavros Andreadis

Stavros Andreadis ist Journalist und vor allem Herzblut-Börsianer. Er vereint in seinem Lebenslauf über 10 Jahre Börsenerfahrung kombiniert mit hohen Verantwortungsbereichen in Wirtschaftsunternehmen. Er ist studierter Betriebswirt und besitzt einen Master of Science in Marketing und Sales. Er arbeitete während seines Studiums in Analystenhäusern und sammelte im Ausland in diversen Unternehmen journalistische Erfahrungen. Als Redakteur von Finanztrends.info ist er für Sie täglich auf der Suche nach spannenden Informationen, kommentiert für Sie Unternehmensnachrichten und analysiert die aktuelle Marktphase. Leicht verdaulich und in einer für Sie hoffentlich angenehmen Sprache.