Was ist eine Ad-hoc-Mitteilung?

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Im Börsenhandel steht der Begriff Ad-hoc-Mitteilung für die Verpflichtung von Emittenten, wichtige Mitteilungen rund um ihre Wertpapiere zu publizieren und so einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Dieses Vorgehen soll Insiderhandel vorbeugen und die Finanzmärkte transparenter machen.

Die Börse führt das Angebot der Emittenten und die Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten der Anleger zusammen. Da die Anleger mit dem Kauf der emittierten Aktien jedoch Geld in das entsprechende Unternehmen investieren und damit zum Anteilseigner werden, sieht § 15 des deutschen Wertpapierhandelsgesetzes und die Marktmissbrauchsverordnung einen umfassenden Anlegerschutz vor.

Warum werden Ad-hoc-Mitteilungen veröffentlicht?

Neben der Einlagensicherung gehören auch umfangreiche Publizitätspflichten dazu. Da die Publizitätspflichten recht umfangreich sind, können sich interessierte Anleger auf der Homepage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Leitfaden für Emittenten herunterladen. Dieser beschreibt Konstellationen, bei denen eine Preisbeeinflussung bestehen kann. Die BaFin äußerst sich dahingehend, Ad-hoc-Mitteilungen seien ein wichtiges Instrument, um für Transparenz auf den Finanzmärkten zu sorgen und Marktteilnehmer nicht gegenüber den Insidern in den jeweiligen Unternehmen zu benachteiligen.

Was bedeutet Insiderhandel?

Im Fokus steht der verbotene Insiderhandel, der mit den umfangreichen Publizitätspflichten der Kapitalgesellschaften verhindert werden soll. Mit Insidergeschäften verwenden Eingeweihte aus den jeweiligen Unternehmen Insiderinformationen gezielt, um Börsengeschäfte zum eigenen Vorteil durchzuführen. Insider nutzen die Tatsache, dass sie über umfangreicheres Wissen verfügen oder das sie früher wichtige Informationen erhalten als andere Marktteilnehmer, um sich zu bereichern. Diese Bereicherung erfolgt zum Schaden der anderen Marktteilnehmer, die wahrscheinlich andere Investitionsentscheidungen bei demselben Wissensstand getroffen hätten.

Insidergeschäfte beeinträchtigen zudem die Funktionsfähigkeit von Börsen, denn sie verhindern, dass wichtige Informationen in die Kursentwicklung einfließen. Als Insider kommen Großaktionäre, Führungskräfte sowie Mitglieder von Vorständen und Aufsichtsräten in Betracht. Auch externe, mit dem jeweiligen Unternehmen verbundene Personen wie Steuerberater, Unternehmensberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Notare erhalten im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit umfangreiche Informationen, die sie zu ihrem eigenen Vorteil an der Börse nutzen können. Häufig tätigen jedoch auch Angehörige und Freunde von Insidern diese verbotenen Geschäfte, die gemäß Artikel 14 MMVO nicht nur verboten sind, sondern auch einen Straftatbestand darstellen.

Was ist die Director’s Dealing-Regelung?

Eng verbunden mit der Ad-hoc-Mitteilung ist die Director’s Dealing-Regelung. Diese verpflichtet emittierende Unternehmen, mitzuteilen, wenn Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates sowie leitende Mitarbeiter Aktien kaufen oder verkaufen. Die Veröffentlichung dieser Informationen dient dazu, eine möglichst hohe Transparenz auf den Kapitalmärkten zu schaffen. Es ist davon auszugehen, dass dieser Personenkreis über Unternehmensinformationen verfügt, die anderen Marktteilnehmern nicht bekannt sind und diese zu seinem Vorteil nutzt. Das Handelsblatt veröffentlicht regelmäßig diesbezügliche Informationen im Insider-Barometer. Das Handelsblatt ist ein Pflichtblatt der Frankfurter und Düsseldorfer Börse. § 32 Börsengesetz benennt noch mindestens drei weitere überregionale Zeitungen als Börsenpflichtblätter, darunter das Düsseldorfer Handelsblatt.

Welche Arten von Ad-hoc-Mitteilungen gibt es?

  • Veränderungen in der Unternehmensstruktur (Fusion, Übernahme)
  • Gewinnwarnung
  • Manipulationsverdacht hinsichtlich der Unternehmensbilanzen
  • unvorhergesehene, erhebliche außerordentliche Erträge und Aufwendungen
  • Änderungen der Mitteilungen (Zwischenbericht, Jahresabschluss)
  • Veränderungen zentraler Positionen in Vorstand und Aufsichtsrat
  • Antrag auf Widerruf der Börsenzulassung

Wie erfolgt die Veröffentlichung von Ad-hoc-Mitteilungen?

Die in der Pflicht stehenden Unternehmen haben maximal vier Tage Zeit, um ihre Ad-hoc-Mitteilungen zu veröffentlichen. Die relevanten Informationen werden an die BaFin und den zuständigen Börsenhandelsplatz übermittelt. Die Börse überprüft, ob die entsprechenden Informationen derart bedeutend sind, dass betroffene Aktien für eine bestimmte Zeit aus dem Handel herauszunehmen sind. Dieser Handelstopp dient dem Schutz der Anleger, die ohne diese wichtigen Informationen eventuell Entscheidungen zum eigenen Nachteil treffen würden. Kommt die BaFin zu der Entscheidung, die Informationen der Ad-hoc-Mitteilungen als relevant für den Börsenhandel einzustufen, leitet sie diese an unterschiedliche Medienkanäle weiter.

Wer veröffentlicht Ad-hoc-Mitteilungen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Mitteilungen ist so ein Medienkanal, über den auch der sogenannte Bloomberg Ticker des gleichnamigen New Yorker Nachrichten- und Medienunternehmens einsehbar ist. Ferner erscheinen diese wichtigen Ad-hoc-Informationen auf verschiedenen Finanzfachseiten. Weitere Ad-hoc-Dienstleister sind DGAP.de, ein Service der EQS-Group, euro adhoc und IR Services.

Seit 2002 ist genau festgelegt, welche Informationen als relevant für Ad-hoc-Mitteilungen einzustufen sind und welche nicht, um einen inflationären Gebrauch, etwa um die eigenen Börsenkurse positiv zu beeinflussen, zu verhindern.


Autor: Stavros Andreadis

Stavros Andreadis ist Journalist und vor allem Herzblut-Börsianer. Er vereint in seinem Lebenslauf über 10 Jahre Börsenerfahrung kombiniert mit hohen Verantwortungsbereichen in Wirtschaftsunternehmen. Er ist studierter Betriebswirt und besitzt einen Master of Science in Marketing und Sales. Er arbeitete während seines Studiums in Analystenhäusern und sammelte im Ausland in diversen Unternehmen journalistische Erfahrungen. Als Redakteur von Finanztrends.info ist er für Sie täglich auf der Suche nach spannenden Informationen, kommentiert für Sie Unternehmensnachrichten und analysiert die aktuelle Marktphase. Leicht verdaulich und in einer für Sie hoffentlich angenehmen Sprache.