Langfristig auf dem Weg nach unten

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Lieber Leser,

die „Börsenzeitung“ titelte: „Die fetten Jahre sind vorbei“. Gemeint ist die Weltwirtschaft, die europäische Wirtschaft und letztlich auch die deutsche Wirtschaft. Wieder das Geschrei von Dauer-Pessimisten? Wohl kaum. Denn die Welthandelsorganisation WTO hat sich zu diesen Äußerungen, jedenfalls im Kern, hinreißen lassen. Die ist als politischer Verband, aber auch als Lobbyvertretung gehalten, sich genau so nicht zu äußern. Es sei denn, sie wollte wirklich warnen.

Ganz neuer Ton

Die WTO schlug einen ganz neuen Ton an. Die Unsicherheit ist zu groß, so wurde deutlich. Die USA etwa sind verantwortlich, aber offenbar noch nicht einmal alleine. Die USA haben unter Trump allerlei Handelskriege angezettelt. Das kann der WTO nicht gefallen – und sie lässt es klar heraus. Die USA sind – auch wegen der Folgen der Handelskriege, die es schon gibt – als Lokomotive der Weltwirtschaft nicht mehr funktionsfähig.

Was die WTO nicht sagt: Ca. 25 % der Weltwirtschaft gehen auf das Konto der USA. Die US-Wirtschaft hängt wiederum zu gut 65 % am Verhalten und an den Käufen der Konsumenten. Mit anderen Worten: Die USA sind ein klassisches Importland und kaufen der Welt ihre Waren ab. Streiken die USA, wie aktuell unter Trump immer mal wieder geschehen, dann kränkelt die gesamte Weltwirtschaft.

Bei uns in Deutschland erwarten die renommierten Institute mittlerweile ein Wachstum von weniger als 1 %. Wenn alles gut geht. Denn was der Brexit bewirkt, ist in diesen Rechnungen nicht und vor allem nicht richtig enthalten. Da es niemand weiß. Wenn es zu einem weichen Brexit kommt und die Zollregeln sich nicht ändern, dann wird die Zukunft relativ gut berechenbar sein. Dann ändert sich auch im innereuropäischen Handel nicht zusätzlich viel.

Wenn es zum harten Brexit kommt, dann können die Briten wiederum ganz überraschend als Welthandelspartner auftreten und China, die USA sowie weitere Schwellenländer mit günstigsten Zollkonditionen locken. Das wäre fatal für die EU. Damit rechnet im klassischen Sinn nur niemand, oder niemand berechnet es.

Die Welt steht unmittelbar vor einer Rezession, also sogar fallenden Wirtschaftsraten. Im Gegensatz zu früheren Situationen ist jedoch niemand vorbereitet. Alle Staaten bzw. Staatenverbünde haben Rekordschulden, die über Steuereinnahmen bedient werden müssen. Zur Wirtschaftsstimulation kann keiner der Staaten bzw. Staatenverbünde mehr weitere Zinssenkungen, also umfangreichen Mehrkrediten einsetzen, das Instrument ist nicht mehr ausbaubar. Also gäbe es nur wenige Möglichkeiten, um die Wirtschaft noch ein letztes Mal anzukurbeln: Ein freier Handel, um wenigstens die Exportmärkte abzusichern. Genau das Gegenteil passiert. Es wird geschützt und gesperrt, wo es nur geht. Die EU gegen Großbritannien und umgekehrt, die USA gegen China und die EU, die EU gegen Russland.

Neben den allgemeinen Krisenherden, der Überschuldung und den immer wertloseren Papiergeldwährungen also braut sich eine Wachstumskrise zusammen. Weniger Arbeit, niedrigere Einkommen und geringere Steuereinnahmen. Die Blase platzt.

Mit freundlichen Grüßen

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