Konsequenzen des Wirecard-Falls für Ihr Depot

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Lieber Leser,

in der vergangenen Woche war der Fall „Wirecard“ in aller Munde. Es ist sicher der spektakulärste Vorgang an den zumindest deutschen Börsen. Wenn Sie sich – auch – als Fonds-Investor verstehen, dann hat der Vorgang gleich mehrere Dimensionen. Sehen wir uns die Konsequenzen und den Vorgang selbst an.

Wirecard: Pleite – das erste deutsche Dax-Unternehmen

Faktisch ist Wirecard annähernd am Ende. Das Unternehmen musste am Donnerstag Insolvenz anmelden. Es versteht sich selbst als Opfer eines groß angelegten Betruges auf den Philippinen. Treuhandkonten, die dort zur Abwicklung der Geschäfte eröffnet worden sind, haben nicht, wie einst bilanziert, ein Vermögen von 1,9 Milliarden Euro ausgewiesen. Es ist, wie es der dortige Anwalt sagte, Geld für praktisch ein „iPhone“ auf dem Konto.

Die erste Konsequenz war verheerend: Wirecard bekam das Testat des Wirtschaftsprüfers EY nicht. Dieses Testat ist wiederum Voraussetzung dafür, um einen ordnungsgemäßen Jahresabschluss zu präsentieren, den das Dax-Unternehmen deshalb nicht vorlegen konnte. Der ganze Vorgang kam erst am Tag der Präsentation des ohnehin verspätet vorzulegenden Jahresabschlusses an das Licht der Öffentlichkeit. Deshalb musste Wirecard erneut – auf unbestimmte Zeit – verschieben.

Die Kursentwicklung hätte nicht dramatischer sein können. Bis zum heutigen Tag verlor Wirecard in wenigen Handelsstunden mehr als 90 %. Die Aktie erhielt von einem Bankanalysten das neue Kursziel von 1 Euro. Niemand hatte für möglich gehalten, dass es so schnell tatsächlich in exakt diese Richtung gehen könnte.

Wirecard: Der Fall der Fondsmanager

Wirecard hat damit ein weiteres Problem: Die beteiligten Banken hätten ihre Kreditlinien auflösen dürfen, nachdem der Jahresabschluss zu spät vorgelegt wurde. Am Freitag war die Deadline für die Auflösung der Kreditlinie. Dies führte zu Gesprächen zwischen den Banken und offensichtlich dem nun neu eingesetzten Vorstand. Noch hielten die Banken für nun wenige Tage die Füße still – und gewähren einen Aufschub.

Kein Wunder: Wenn die Banken die Kreditlinien aufkündigen, hat Wirecard mit hoher Sicherheit unmittelbar größte operative Schwierigkeiten und dürfte – möglicherweise, diese Einschränkung muss ich aus rechtlicher Sicht formulieren – zahlungsunfähig sein. Nun stellt sich allerdings die Frage, ob die Banken dieses nun ohnehin schon große Übel nicht akzeptieren möchten und den Fall beenden werden. Es wird nur noch wenige Tage dauern, bis darüber befunden wird. Meine Prognose ist relativ ungünstig.

Die Fonds hatten sich teilweise bis zum Schluss treu gezeigt. Die ganze Fondsgesellschaft DWS etwa hat ein in diesem Sinne unrühmliches Kapitel mitgestaltet.

Quelle: Welt

Sie sehen hier nur die größten Fonds. So etwa von der DWS den „DWS Deutschland“, der 3.970 Milliarden Euro in diese Position investiert hatte. Zudem sehen Sie den „DWS Invest German Equities“, der noch 270 Millionen Euro investiert hatte. Die größten Positionen anderer Fonds kamen von „Alken“. Hier wurde der Fonds „Alken European Opportunities“ sogar so weit mit Wirecard-Anteilen vollgepumpt, dass die Maximalgröße von 10 % am Fondsanteil erreicht worden ist. Die Situation spitzt sich für diese Fonds zu (wobei einige Positionen abgebaut sind), insofern sich die Fondsmanager nun erklären müssen.

Denn Wirecard stand schon vorher im Verdacht: Ende April hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine Sonderprüfung abgeschlossen, die sich mit einer früheren Bilanz beschäftigte.

Diese Sonderprüfung allerdings enthielt zu den entscheidenden Fragen, dies waren Umsätze, deren Existenz in Abrede gestellt worden waren, keine Aussage. KPMG wies daraufhin, dass der Drittpartner keine Daten zur Verfügung stellte oder zur Verfügung stellen wollte.

Damit wiederum zeigte sich der Markt schon Ende April nicht einverstanden – der Kurs fiel zeitweise von über 100 Euro auf nur noch knapp über 80 Euro. Genau diese Zeit betrifft auch ein Ermittlungsverfahren gegen den Vorstand der Wirecard. Der Vorstand könnte vorher bereits Bescheid gewusst haben, so die Vermutung. DAnn hätte er a) börsenrechtliche Pflichten zur Information verletzt und b) zumindest die Gelegenheit gehabt, selbst Positionen abzubauen oder andere mit diesen Informationen zu versorgen.

Spätestens dann, wenn nicht schon zu Zeiten der Berichte von „FT“ oder „Handelsblatt“ seit mehr als 12 Monaten, hätten Fondsmanager also nachfragen können oder nachfrage müssen. Diese Fragen bleiben bei diesen Fonds offen.

Zudem hätte auch der Staat eingreifen können oder müssen. Das BaFin, Bundesamt für Finanzdienstleistungen, steht diesbezüglich derzeit in der Kritik. Möglicherweise werden die Fonds versuchen, auch den Staat haftbar zu machen. Meine subjektive Einschätzung: Dies wird nicht gelingen. Denn der Staat haftet nicht für die Entscheidungen der letztlich Vermögen verwaltenden Fonds.

Dax-ETF: Kaufen

Allerdings ist Wirecard auch im Dax vertreten – noch. Bis September – dann wird das Unternehmen den Index sicher verlassen müssen. Das Gewicht im Dax ist jedoch verschwindend gering – der Kurs sorgt dafür, dass dies unbedeutend ist. Sie können damit jeden Dax-ETF zumindest mit Bezug auf Wirecard noch halten oder kaufen.

In der kommenden Woche stelle ich Ihnen weitere Lösungen dazu vor.

Mit freundlichen Grüßen,

Quelle: Welt

 

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bitte keine Dinge vertauschen. Aus dem KPMG Bericht, der ersten WDI Adhc vom 18.6. und diversen A
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Wenn ein Verdacht besteht, dann muss der Prüfer auch dem Verdacht nachgehen und kann sich nicht auf
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EY sagte ja man habe ihnen Dokumente vorgelegt. Diese waren aufwendig gefälscht. gefälschte Bankbe
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