Jenoptik: Exklusiv-Interview mit CEO Dr. Stefan Traeger

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CEO von Jenoptik, Dr. Stefan Traeger.

Als global agierender Technologie-Konzern ist Jenoptik in den drei auf Photonik basierenden Divisionen Light & Optics, Light & Production und Light & Safety aktiv. Die JENOPTIK AG mit Sitz in Jena übernimmt als Corporate Center die strategische Unternehmenssteuerung und bündelt darüber hinaus die Zentralfunktionen IT, Personal, Einkauf, Sicherheit, Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz sowie Gebäudemanagement.

Herr Traeger, der Markt wurde von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen?

S. Traeger: Unabhängig davon, ob sich die Finanzierungsbedingungen generell ändern, sehen wir Jenoptik für die Zukunft finanziell sehr gut aufgestellt.

Durch aktives Management konnten wir gesunde Bilanzrelationen und eine komfortable Liquiditätssituation auch in Zeiten der Corona-Pandemie sicherstellen. So gelang es uns sogar, im 1. Halbjahr 2020 den Free Cashflow signifikant zu verbessern. Zum 30. Juni 2020 verfügte der Jenoptik-Konzern zudem über ungenutzte Kreditlinien von rund 200 Mio. Euro. Wir verstärken uns auch durch Akquisitionen. So haben wir im Februar 2020 das spanische Unternehmen INTEROB erworben, die ersten Tranchen des Kaufpreises wurden bereits gezahlt. Die im Juli gemeldete Akquisition der TRIOPTICS GmbH werden wir zu günstigen Konditionen komplett über eine Brückenfinanzierung sicherstellen, ohne unsere strategische Liquiditätsreserve anzugreifen. Auch nach Abschluss dieser Übernahme werden wir über eine sehr gesunde Bilanz und eine solide Finanzlage verfügen. Unsere Fähigkeit, starke Cashflows zu generieren, wird sich nach unserer Einschätzung durch die Transaktion sogar weiter verbessern.

Eine sehr interessante Ansicht! Was hat sich denn in Ihrem Unternehmen durch die Corona-Pandemie verändert?

S. Traeger: Mit dem Ausbruch von Covid-19 haben sich für uns alle die Rahmenbedingungen weltweit deutlich verändert. Die Menschen, aber auch die Unternehmen sind stark gefordert, mit den richtigen Maßnahmen und einem angepassten Verhalten bestmöglich auf diese Veränderungen zu reagieren. Hier haben wir unsere Hausaufgaben erfolgreich gemacht. Aber wir erleben die Pandemie auch als Schubkraft für viele Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft. Sie wirkt zum Beispiel als Katalysator für unsere digitalen Prozesse. Die voranschreitende Digitalisierung treibt die Nachfrage in wichtigen optischen Märkten wie der Halbleiterausrüstung, wovon Jenoptik über unsere Division Light & Optics profitiert.

Corona wird nach meiner Einschätzung dauerhafte Spuren in unserem Alltag hinterlassen und unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflussen – die Art und Weise, wie wir künftig arbeiten, lernen und leben.

Den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie entgegen zu wirken, bleibt aber auch in den kommenden Monaten eine Herausforderung. Als Jenoptik-Vorstand hatten wir noch im 1. Quartal vorsorglich Maßnahmen beschlossen, um schnell und gut auf die neue Situation zu reagieren und neben dem Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch die finanzielle Kraft des Unternehmens zu stärken. So haben wir Maßnahmen zur Sicherung von Cashflow, Liquidität sowie Profitabilität ergriffen, um die operativen Geschäfte und die Lieferkette abzusichern und das Working Capital zu optimieren.

Mussten Sie auch Kurzarbeit einführen?  

S. Traeger: Kurzarbeit gab es im 2. Quartal nur in einigen deutschen Jenoptik-Gesellschaften. Jenoptik stockte das Kurzarbeitergeld in Deutschland auf 80 Prozent auf, um Mitarbeiter und deren Familien möglichst gut abzusichern. Zudem werden 2020 sowohl für tarifliche als auch außertarifliche Entgelte keine Erhöhungen stattfinden, und auch ich habe auf eine bereits zugesicherte Gehaltsanpassung verzichtet. Unseren Aktionären haben wir einen angepassten Dividendenvorschlag von 0,13 Euro je Aktie vorgelegt, der von der Hauptversammlung am 7. August angenommen wurde.

Im 1. Halbjahr 2020 hatte die Corona-Pandemie unterschiedliche Auswirkungen auf den Umsatzverlauf bei Jenoptik in den einzelnen Divisionen. Die Geschäfte mit öffentlichen Auftraggebern sowie mit der Halbleiterausrüstungsindustrie waren nicht bzw. kaum von der Pandemie betroffen und verzeichneten sogar Zuwächse. Die Division Light & Production wurde dagegen durch die Entwicklung in der Automobilindustrie deutlich negativ beeinflusst. Unterstützt durch die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Auswirkungen und in Anbetracht eines erwarteten stärkeren 2. Halbjahres gehen wir für das Gesamtjahr 2020 davon aus, einen Umsatz von 770 bis 790 Mio Euro zu erzielen – ohne Berücksichtigung der Effekte aus dem erwarteten Erwerb der TRIOPTICS GmbH. Die um Effekte aus den initiierten Struktur- und Portfoliomaßnahmen adjustierte EBITDA-Marge soll in einer Spanne von 14,5 bis 15,0 Prozent liegen.

Zusammenfassend kann ich sagen: Durch unser konsequentes Gegensteuern sowie eine kontinuierliche enge Abstimmung und konstruktive Gespräche mit allen Stakeholdern sehen wir uns in der aktuellen Corona-Krise nach wie vor gut aufgestellt, um gestärkt daraus hervorzugehen. Wir sind davon überzeugt, dass Jenoptik die Kraft hat, auf den Wachstumspfad zurückzukehren sobald die globale Wirtschaft wieder anspringt.

Das wäre definitiv wünschenswert. Darüber hinaus merke ich, dass Sie unter den gegebenen Umständen, einige Maßnahmen treffen mussten. Gibt es weiterführende Unterschiede, in denen sich Jenoptik von den Wettbewerbern der Branche unterscheidet?

S. Traeger: Jenoptik ist ein international führender Photonik-Konzern und Lieferant von hochwertigen und innovativen Investitionsgütern. Damit sind wir vorrangig Technologiepartner von Industrieunternehmen. In unserer Division Light & Safety und bei VINCORION liefern wir zudem an öffentliche Auftraggeber, zum Teil indirekt über Systemintegratoren. Zu den Schlüsselmärkten zählen vor allem Halbleiterausrüstung, Medizintechnik, Automotive und Maschinenbau, Verkehr, Luftfahrt sowie Sicherheits- und Wehrtechnik. Mit dem Produktportfolio konkurriert Jenoptik mit zahlreichen international agierenden Unternehmen, die sich aber nicht selten auf nur einen bzw. wenige der genannten Produktbereiche und Märkte spezialisiert haben.

In unserer breiteren Aufstellung sehen wir gerade in der aktuellen Krise durchaus einen Vorteil, da wir nicht so stark von einzelnen Märkten abhängig sind. Wir verfügen über ein gut ausbalanciertes Angebotsportfolio, das Stabilität verleiht und hilft, Schwankungen besser ausgleichen. Essenziell für uns sind auch Forschung und Entwicklung. Unsere innovativen Lösungen ermöglichen technologisch führende Produkte und tragen dazu bei, dass unsere Kunden effizienter arbeiten können. Künftig wollen wir uns noch stärker auf unsere Kernkompetenzen in den Bereichen Optik und Photonik konzentrieren.

Nun haben wir bereits über die aktuelle Unternehmenssituation gesprochen, nun würde mich interessieren, wo Sie Ihr Unternehmen in 5 Jahren sehen?

S. Traeger: Der Vorstand wird alles in seiner Kraft Stehende unternehmen, damit sich Jenoptik auch in den kommenden Jahren erfolgreich entwickelt. Dafür stellen wir heute schon die strategischen Weichen. Den Startschuss haben wir vor ungefähr 2,5 Jahren mit unserer neuen „Strategie 2022“ unter dem Motto „More Light“ gesetzt. Wir wollen Jenoptik von einem diversifizierten Industriekonglomerat hin zu einem klar auf Photonik und Optik fokussierten Technologiekonzern transformieren. Das geht einher mit einer breiteren Internationalisierung und mehr Innovation. Für unsere Kunden wollen wir bestmögliche technologische Lösungen liefern. Jenoptik wird in Zukunft aber auch nachhaltiger werden.

Das heißt konkret, wir im Jenoptik-Management orientieren uns künftig auch an nichtfinanziellen Zielen, unsere Produkte schonen wichtige Ressourcen, unsere Prozesse werden energiesparender, wir beziehen größtenteils Ökostrom und in unserer Lieferkette achten wir auf die Einhaltung von Menschenrechts-Standards. Wir wollen in den kommenden Jahren weiter organisch und anorganisch wachsen und die Profitabilität des Konzerns nachhaltig verbessern. Dazu beitragen sollen die Ausweitung des internationalen Geschäfts und daraus resultierende Skaleneffekte, höhere Margen aus einem optimierten Produktmix sowie einem zunehmenden Servicegeschäft, aber auch Kostendisziplin. Durch die nach wie vor gute Vermögenslage und eine tragfähige Finanzierungsstruktur verfügt Jenoptik über ausreichend Handlungsspielraum, um sowohl das organische als auch das anorganische Wachstum zu finanzieren. Akquisitionen zur Stärkung des photonischen Geschäfts werden wir auch weiterhin intensiv prüfen.

Vielen Dank für diese Ausführung. Zum Abschluss habe ich noch eine Frage an Sie Herr Traeger. Aus welchen Gründen sollten Anleger in Ihr Unternehmen investieren?

S. Traeger: Wir sind einer der führenden internationalen Anbieter im wachsenden Photonik-Markt und wollen uns als Technologiekonzern mit einem klaren Fokus auf Optik und Photonik aufstellen. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden technologisch führende Produkte, die zu mehr Effizienz, Sicherheit und Digitalisierung in Produktionsprozessen unserer Kunden beitragen. Gleichzeitig tragen diese Produkte zu mehr Energieeffizienz und einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen bei. Außerdem ergeben sich für Jenoptik durch Innovation und Internationalisierung interessante Wachstumsmöglichkeiten. Alles in allem sind wir Finanziell stabil und langfristig gut aufgestellt. Wir wollen umsatzseitig zulegen und unsere Profitabilität nachhaltig verbessern.

Vielen Dank für die detaillierten Einblicke in Ihr Unternehmen, Herr Traeger. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

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s ariva news ....Warburg Research liegt meist gut in seinen Analysen
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Dölauer  Kursziel 09. Apr
20 Euro kann ich mir vorstellen, aber 29 wie heute nach einer Kaufempfehlung eher nicht.
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buzzler  Absturz 29. Feb
Corona hat auch hier kräftig zugeschlagen. Der Bezug dazu ist aber mir nicht ersichtlich. Die Zah
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