Je länger Ihr anlegt, umso wichtiger wird die Aktie

618

Angst und Gier sind die schlechtesten Ratgeber der Anleger. Das hat sich sicher längst herumgesprochen. Diese Mahnung bezieht sich meist auf einen kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont. Ich plädiere so oft wie möglich für eine langfristige Strategie. In einer Diskussion mit Privatanlegern war jetzt zu spüren, dass die aktuelle Unsicherheit nicht nur kurzfristiger Natur ist (wegen der bekannten Angstfaktoren), sondern sich auch und gerade auf die kommenden Jahre erstreckt. Deshalb heute eine Fortsetzung meiner Kolumne von vor einer Woche. Ich will insbesondere den noch unentschiedenen Privatanlegern verdeutlichen, dass gerade bei ausgesprochen langfristigen Investments die Aktie favorisiert werden sollte, denn sie ist so attraktiv, dass es keiner kurzfristigen Gier bedarf. Und je länger man sich engagieren möchte, umso eher längst sich Angst vor Verlusten verdrängen.

In den vergangenen Tagen haben sich intelligente Strategen namhafter Häuser gerade mit den langfristigen Sorgen ihrer Kunden befasst. Herausgekommen sind durchweg Mut machende Analysen, die durch Statistiken und Charts eindrucksvoll bestätigt werden.

Experten von Grüner Fisher Investments werden konkret und nehmen aktuell diskutierte Szenarien unter die Lupe. Als Journalist kann ich nur zustimmen, wenn unterschiedliche Gewichtungen von positiven und negativen Nachrichten beobachtet werden. Die Mehrheit der Anleger konzentriert sich nämlich auf mögliche Negativszenarien. Positive Einflussfaktoren werden dagegen kleingeredet. Diese Stimmungslage ist typisch für die frühe Phase eines Bullenmarkts und in den aktuellen Schlagzeilen gibt es mehrere Beispiele für den „Pessimismus des Unglaubens“ zu entdecken.

Beispiel: Verschuldung. Für kritische Marktbeobachter ist die ansteigende Staatsverschuldung nichts Neues und längst ein Dauerthema. Negative Schlagzeilen sind einfach zu finden. Gigantische nationale Zahlen einschließlich der europäischen Verpflichtungen stehen im Raum. Aber erst auf den zweiten Blick wird ersichtlich: Das Finanzministerium hat für den Schuldendienst 9,6 Milliarden Euro im Haushaltsplan 2020 vorgemerkt, ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den rund 12 Milliarden Euro des Vorjahres. Durch die EZB-Kaufprogramme und der weltweiten Nachfrage nach „sicheren“ Anleihen erwartet die Bundesregierung mittlerweile nur noch eine Zahlungsverpflichtung von etwa 5 bis 6 Milliarden Euro für 2021. Für die Schuldentragfähigkeit ist die Höhe des Schuldendiensts entscheidend!

Beispiel: Die zweite Welle. Covid-19 hält die Welt weiterhin in Atem. Die Infektionszahlen steigen an, verschiedene Regionen haben erneut einschränkende Maßnahmen ergriffen. Das Schreckensbild einer Wiederholung der Marktverwerfungen im ersten Quartal 2020 nimmt konkrete Formen an. In den Schlagzeilen wird allerdings nicht thematisiert, dass die Erwartungshaltung der Anleger mittlerweile ganz anders positioniert ist. Während die komplette Stilllegung eine wahre Schockwirkung für die Märkte hervorrufen konnte, spricht dieses Mal jeder über eine mögliche zweite Welle – das negative Überraschungspotenzial ist somit eingegrenzt. Zudem sind die Signale seitens der Politik deutlich, dass man mit allen Mitteln das Szenario eines kompletten wirtschaftlichen Lockdowns verhindern will. Das sind beileibe keine positiven Meldungen im eigentlichen Sinne, aber genau darum geht es an den Aktienmärkten: Ein positiver Einflussfaktor kann sich auch daraus entwickeln, dass die Realität nicht so furchtbar wird wie angenommen.

Beispiel: Inflation. Die Sorge um eine ansteigende Inflation mit einer Hyperinflation als gefährlicher Endstufe ist grundsätzlich berechtigt. Das unentdeckte Positive dabei ist allerdings, dass dieses Thema noch kein unmittelbares Problem darstellt. Denn die wichtige Frage ist, was passiert eigentlich mit dem Geld, das zur Verfügung steht? Aktuell ist zu beobachten, dass die Sparquoten ansteigen und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sehr gering ist. Eine gewisse Inflationsrate ist grundsätzlich in Ordnung – und wohlgemerkt das erklärte Ziel der Zentralbanken. Aber um ein wirklich gefährlich hohes Inflationsniveau zu erreichen, sind die Voraussetzungen einfach noch nicht gegeben. Manchmal ist es eben auch ein positiver Einflussfaktor, wenn es einfach noch zu früh ist, um sich mit einem negativen Thema auseinanderzusetzen.

Ich möchte ein Argument für die langfristige Aktienanlage hinzufügen, das jeder kennt und ganz einfach ist – so einfach, dass sich niemand damit beschäftigt: die Mobilität der Aktie. In Aktien zu investieren – ob direkt oder über Instrumente wie Fonds oder Zertifikate – erfordert und liefert Flexibilität zugleich. Dabei sollte sich jeder Anleger bewusst sein, wie beweglich (mobil) er durch börsennotierte Wertpapiere bleibt – im Gegensatz zu Immobilien. Was immer auch an Unerwartetem geschehen mag, man kann jederzeit aus Aktien problemlos aussteigen.

Meine wichtigste aktuelle Empfehlung ist aber: Bleiben Sie gesund – und machen Sie’s gut!

Herzlich, Ihr Börsen-Dino!



Neueste News

Uhrzeit
Artikel
Autor



Disclaimer

Die auf finanztrends.info angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.info veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. Finanztrends.info hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.info an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.info und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)