Hörhan, Gerald: Investment Punk – Warum ihr schuftet, aber wir reich werden, 192 Seiten, 9,99 Euro, Ullstein Taschenbuch 2011.

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Er gehört zur meistgehassten Berufsgruppe der Gegenwart. Gerald Hörhan, Harvard-Student, McKinsey Mitarbeiter, Investmentbanker bei JP Morgan und heute Miteigentümer von Pallas Capital hat das Potenzial zum Prototyp des kapitalistischen Erbsünders. Die millionenschwere 34jährige Heuschrecke mit Faible für schnelle Autos und schöne Frauen, vor allem aber mit ausgeprägtem Sinn für noch mehr Geld ist geradezu die fleischgewordene Projektionsfläche finanzkrisengebeutelter Erregungsabfuhr.

Doch der personifizierte Turbokapitalist vollzieht eine einzigartige kopernikanische Wende im medial tradierten Schuld- und Sühneritual: Die Verantwortung für die Finanzkrise trägt einzig und allein der Mittelstand. Das statusgerechte Hamsterrad aus Auto, Anwesen, Angestelltenjob und Altersvorsorge als sinnstiftende Konstante und Folge einer kolonnenhaft normierten Schul- Universitäts- und Arbeitslaufbahn ist die blutende Wunde im Epizentrum eines immer schwächer pulsierenden Bürgertums. Das Auto geleast, das Anwesen Spitz auf Knopf finanziert, der Angestelltenjob bis zur Rente fortgeschrieben und die Altersvorsorge dem Trend angepasst angelegt – mehr konformistisch gleichgeschaltetes Finanzanalphabetentum geht nicht.

Und doch ist es dieser Konformismus, der Blasen erzeugt und platzen lässt, die „Mitte“ ärmer und Leute wie Hörhan reicher macht. Arrogant und genüsslich beschreibt er seinen Weg nach oben, brutal und schonungslos lässt er die bürgerliche Idylle zerplatzen. Eine Idylle, die er in Deutschland ohnehin allein den geschichtlich einmaligen Rahmenbedingungen aus völliger Kriegszerstörung sowie Wiederaufbau nebst Sozialgesetzgebung anlastet, eine historische Anomalie die, forciert durch den steuerlichen Melkprozess auf Normalmaß, das heißt eine Minderheit, zurechtgestutzt wird. Sein Pamphlet liefert keine Anleitung zum reich werden, sondern versucht eine generationsübergreifende Lebenslüge zu demaskieren. Wenn das stimmt, dann liegt das Heil der Mittelschicht in der Revision ihres Arbeits- und Lebensmodells.

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Luis Pazos wurde 1974 im Rheinland geboren und lebt in Südniedersachsen. Der Manager, Buchautor und Finanzblogger handelt seit 1994 ein breites Spektrum von Wertpapieren an den weltweiten Börsenplätzen. Sein Spezialgebiet sind passive Einkommensstrategien mit Hochdividendenwerten. Mit „Bargeld statt Buchgewinn“, erschienen im FinanzBuch Verlag, hat er ein Standardwerk zum Thema verfasst. Erfahrungen und Fachwissen teilt Luis Pazos regelmäßig mit allen Lesern seines Finanzblogs – in dieser Form ein einzigartiges Angebot im deutschsprachigen Raum. Neugierig geworden? Dann tragen Sie sich kostenlos und unverbindlich für den zehnteiligen Einführungskurs ein, die Angabe einer E-Mail-Adresse genügt: https://nurbaresistwahres.de/gratiskurs




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