Gigaset: Exklusiv-Interview mit CFO Thomas Schuchardt

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Unser heutiger Interviewpartner ist der CFO von Gigaset, Thomas Schuchardt.

Gigaset produziert seit 1941 in Deutschland. Darüber hinaus ist dies das einzige Unternehmen, welches in Deutschland Kommunikationsprodukte fertigt. Ihre Produkte vertreibt die Gigaset auf der ganzen Welt. Gigaset ist außerdem seit Jahren Sponsor des FC Bayern München.

Herr Schuchardt, der Markt wird im Moment von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen? Können Sie mir diese Entwicklung aus Ihrer Sicht skizzieren?

Herr Schuchardt: Das ist richtig. Die Politik des billigen Geldes wird fortgesetzt. Sicherlich sind die getroffenen Maßnahmen notwendig. Es gilt eine tiefgreifende Wirtschaftskrise und die damit verbundenen negativen Konsequenten wie eine Rezession, Insolvenzen und Massenarbeitslosigkeit abzuwenden. Von daher hatten und haben die Regierungen in Europa und weltweit keine große Alternative. Entsprechend erwarte ich keine nachhaltigen Änderungen bei den Finanzierungsbedingungen.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was hat sich den bei Gigaset durch die Corona-Pandemie verändert?

Herr Schuchardt: Initial hat uns die Corona-Pandemie genau so kalt erwischt wie hunderttausende andere Betriebe in Deutschland, Europa und der Welt. Auf so ein Szenario ist kein Unternehmen wirklich vorbereitet. Es galt schnell die Situation zu beurteilen, mögliche Szenarien der weiteren Entwicklung abzuschätzen und so gut es, in dieser für uns alle unsicheren Zeit möglich ist Bewertungen zu treffen.  Gigaset hat einen hohen Privatkundenanteil. Der Lockdown hat europaweit tausende Vertriebsstellen zu Schließungen gezwungen. Bei knapp 36.000 PoS war es auch nicht möglich diesen Rückgang kurzfristig durch eCommerce zu kompensieren. Gleichzeitig haben die Grenzschließungen und das Aussetzen des internationalen Fracht- und Luftverkehrs zu großen Herausforderungen in der Logistik geführt. Glücklicherweise ist Gigaset durch die Produktion in Deutschland und sehr gute Handelsbeziehungen nicht ganz so stark wie andere Unternehmen von Lieferketten aus Asien betroffen. Wir konnten also die Produktion aufrechterhalten und unsere Kunden bedienen.

Bleiben wir direkt bei diesem Thema: Welche Maßnahmen mussten Sie dadurch treffen? Welche langfristigen Folgen können dadurch entstehen?

Herr Schuchardt: Wir haben dann sehr schnell das Motto „Cash is King“ ausgerufen, wie wahrscheinlich fast alle Unternehmen. Es gab bei weniger priorisierten Projekten einen Investitions-Stopp und auch in anderen Bereichen Einsparungsrunden. Auch Gigaset hat von den staatlichen Hilfen Gebrauch gemacht. Die Belegschaft befindet sich seit April in Kurzarbeit und auch Optionen wie Stundungen, etc. kamen zum Einsatz.

Inzwischen sehen wir eine Erholung der Situation und einen leichten Anstieg im Umsatz. Auf Jahressicht erwarten wir positive Nachholeffekte für Q3 und Q4. Das ist gut für uns, da Gigaset den Löwenanteil seiner Umsätze in Q4 im Rahmen des Weihnachtsgeschäfts realisiert. Das setzt aber natürlich voraus, dass es nicht zu einem erneuten Lockdown kommt. Das wäre für viele Unternehmen eine sehr herausfordernde Situation, die sich nur noch schwer steuern ließe.

Perspektivisch sehen wir eher positiv in die Zukunft. Die Corona-Pandemie wird wohl zu einer Beschleunigung der Digitalisierung führen. Prozesse, die sich bis 2030 vollzogen hätten, wurden nun mit Wucht nach 2020 vorgezogen. Als Telekommunikationsanbieter erwarten wir natürlich von diesen Prozessen zu profitieren. Während des Lockdowns gab es so etwas wie eine Renaissance des Festnetzes im Home-Office. Die Nutzung von Telefonen ist – trotz Smartphones und Videokonferenzen – um bis zu 52% gestiegen. Das ist ein tolles Signal für uns. Wenn das Home-Office zukünftig aber auch seitens der Arbeitgeber (siehe Siemens Home-Office Meldung) zu einem neuen, integralen Bestandteil der Arbeitswelt der Mitarbeiter wird, wollen wir als Gigaset diesen neuen Raum mit ausstatten und entsprechende Lösungen anbieten.

Verstehe, letztendlich muss man unterm Strich Liquide bleiben. Zum Glück haben Sie unter erschwerten Bedingungen, wichtige Entscheidungen treffen können. Darüber hinaus finde ich es wirklich Wahnsinn, dass die Handynutzung um bis zu 52% gestiegen ist. Wenn man nun auf die Wettbewerber der Branche blick: Was unterscheidet Gigaset von der Konkurrenz?

Herr Schuchardt: Gigaset ist ein deutsches Traditionsunternehmen. Wir produzieren seit jeher im Herzen Europas. Was auf den ersten Blick ein wenig altbacken wirken mag, gereicht uns heute zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Wettbewerb. Ich möchte hier vor allem auf die folgenden Punkte eingehen:

  1. Qualität, Wertschöpfung, Innovation: Bei Gigaset laufen alle Prozesse an einem Standort zusammen. In unserem Werk in Bocholt sind Forschung und Entwicklung ebenso präsent wie die Fertigung, das Design-Management oder die Software-Entwicklung. Durch die kurzen Wege und eingespielten Prozesse kann sich Gigaset sehr kurzfristig immer wieder neu erfinden und weiterentwickeln. Für unsere Kunden bedeutet das, dass wir Ihnen eine einzigartige Qualität in den Produkten bieten können. Wir haben eine enorme Wertschöpfungstiefe in Deutschland und stellen so den Arbeitsplatzerhalt von hunderten Mitarbeitern sicher. Nicht zuletzt stehen wir – auch heute noch – für ungebremste Innovation. Dafür wurden wir in diesem und letzten Jahr mehrfach ausgezeichnet (Höchste Innovationskraft, Kundenliebling, bester Service, etc.)
  2. Nachhaltigkeit / Umweltbewusstsein: Made in Germany führt konsequenterweise zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Unsere grüne Agenda ist uns sehr wichtig. Wir wollen unsere CO2-Emissionen weiter verbessern und so auf eines der größten Bedürfnisse der Kunden reagieren. Unsere Produkte sind langlebig, die Erzeugung findet mit grünem Strom statt, die Verpackung ist aus Recycling-Materialien und durch unseren umfassenden Reparatur-Service folgen wir der Devise reparieren statt wegwerfen.
  3. Geschwindigkeit: Im Herzen Europas zu produzieren bedeutet auch kurze Lieferwege innerhalb Europas zu haben und so dem just in time Modell vieler Kunden zu entsprechen. Wir liefern in Deutschland binnen 24 Stunden, in Europa binnen 48.
  4. Flexibilität / Individualisierung: Das vielleicht wichtigste Thema für Gigaset und der größte Unterscheidungsfaktor zum Wettbewerb ist der der Grad an Flexibilität und Individualität, die wir – z.B. gerade bei Smartphones – unseren Kunden bieten können. Wir sind in der Lage – anders als die Hersteller aus Asien – in kleinen und kleinsten Losgrößen Anpassungen von Design, Hardware bis Software vorzunehmen und so Kunden vom KMU bis Enterprise-Bereich ein komplett individuelles Produkt, passend zu ihren Anforderungen, zu liefern. Auch sind wir der einzige Hersteller, der die komplette Verzahnung von privaten, beruflichen und mobilen Lösungen in einem Portfolio anbietet.

Vielen Dank für die ausführliche Auflistung! Blicken wir nun in die Zukunft. Wo sehen Sie Gigaset in 5 Jahren?

Herr Schuchardt: Gigaset hat herausfordernde Zeiten hinter sich. Aber im Rahmen unserer strategisch-operativen Neuausrichtung, die wir 2016 eingeleitet haben, konnten wir uns neu fokussieren und schauen jetzt auf vier Jahre in Folge positive Ergebnisse zurück. Für 2020 und die Zukunft waren wir mit einer klaren Zielrichtung unterwegs, die dann leider durch die Corona-Pandemie unterbrochen wurde. Entsprechend wird Gigaset in fünf Jahren, größer, stärker und noch erfolgreicher sein als heute. Ich habe das ja bereits weiter oben beschrieben. Die Digitalisierung wird viele Veränderungen beschleunigen und der Telekommunikationssektor sollte davon profitieren. Zudem war Gigaset Ende 2019 sehr gut unterwegs und bereit den nächsten größeren Schritt zu machen. Das wurde nun – bedingt durch die Corona-Pandemie – ein wenig verzögert, aber die Ziele bleiben bestehen. Das Gigaset ECO-System ist weiter auf unserer Agenda und damit die Entwicklung zum ganzheitlichen Lösungsanbieter für Privat und Beruf.

Können Sie hier nochmals auf mögliche Unternehmerische Ziele und Umsatzentwicklungen eingehen?

Herr Schuchardt: In diesem Kontext der dynamischen Entwicklungen muss man sich auf einem limitierten Markt – ich denke da vor allem an unsere Bereiche Phones und Professional – die Frage stellen, ob organisches Wachstum allein reicht. Unser Ziel ist es den Geschäftsbereich Phones weiterhin erfolgreich stabil zu halten und weniger stark zu schrumpfen als Wettbewerb und Markt. In den Bereichen Smartphones, Smart Home und Professional sind wir auf einem konstanten Wachstumskurs. Mittelfristiges Ziel ist, dass die Zukunftsfelder umsatzseitig das bisherige Kerngeschäft Phones ablösen.

Corona-bedingt mussten wir im ersten Quartal Umsatzeinbußen hinnehmen. Wir wollen jetzt die Quartale 3 und 4 bestmöglich nutzen. In Summe kann ich jedoch zu Umsatz- und Gewinnentwicklung auf Jahressicht aktuell keine verlässliche Aussage treffen. Die externen Faktoren, die wir nicht selbst beeinflussen können sind einfach zu groß.

Sind noch weitere Partnerschaften oder Kooperationen geplant?

Herr Schuchardt: Partnerschaftlich arbeiten wir bereits mit vielen Unternehmen zusammen. Hier vor allem im Kontext Smart Home. Google, Philips oder Amazon sind hier unsere Partner. Ich bin der festen Überzeugung, dass Partnerschaften wichtig für den unternehmerischen Erfolg sind, entsprechend werden wir uns auch weiterhin produktseitig gegenüber Dritten öffnen.

Der Meinung bin ich auch. Da sind Sie allerdings bereits mit namenhaften Unternehmen Partnerschaften eingegangen. Zum Abschluss würde ich Sie nun noch gerne Fragen: Aus welchen Gründen sollten Anleger nun letztendlich in Gigaset investieren?

Herr Schuchardt: Ich sehe Gigaset als deutlich unterbewertetes Papier. Das hat viele Gründe und bei den Punkten, die wir selbst anpacken können, werden wir handeln. In der Vergangenheit sind wir zu passiv aufgetreten und haben nicht intensiv genug den Kapitalmarkt adressiert. Das wollen wir zukünftig ändern. Ich sehe den inneren Wert der Aktie deutlich höher als er heute ist. Allein wenn ich an Themen denke wie den Wert unserer Marke Gigaset, dann ist dieser schon höher als unsere Marktkapitalisierung.

Ich glaube, dass Gigaset wieder mehr durch Analysten gecovered werden muss, damit so eine neutrale Sicht auf das Unternehmen entsteht und Anleger und Investoren wieder bereit sind, sich wirklich mit dem Potential der Firma auseinander zu setzen. So werden wir oftmals schnell ad acta gelegt, weil Gigaset nach wie vor allem mit dem Thema Schnurlostelefone in Verbindung gebracht wird. Die Tatsache, dass wir einer der Marktführer bei Smart Home sind, inzwischen zu den Top-10 Herstellern bei Smartphones gehören und weltweit der einzige Hersteller von Telekommunikationslösungen in Deutschland sind wird nicht wirklich wahrgenommen? Dass wir Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit schon heute auf unserer Agenda haben ebenso?

Ich sehe deutliches Potential und damit auch einen deutlichen Buy für Gigaset, richtigerweise mit einem längerfristigen Anlageinteresse und nicht als kurzfristige Gewinnmitnahme im Penny-Stock-Bereich denn wir haben strategisch noch eine Menge vor!

Vielen Dank für das ausführliche Interview, Herr Schuchardt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie alle Ziele die Sie sich gesetzt haben, erreichen und realisieren können. Weiterhin alles Gute für Sie und Ihre Mitarbeiter!

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enimen23  Weil die 17. Jul
Dinger kaum Absatz finden. Ich habe auch eins, bin auch zufrieden. Aber guck in die Läden, da liegen
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schockops  GS185 16. Jul
Mein Smartphone Gigaset GS185 ist absolut super in allen Belangen. Warum ist Gigaset an der Börse so
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Bei überschreiten der Schwelle von 75% ist da nicht eine Abgabe eines Übernahmeangebots dann wieder
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