Suche

Geh’n Sie mit der Konjunktur!

663
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Nichts ist klar, nichts ist sicher. Nur das ist inzwischen sicher. Deshalb sollten Sie sich genau überlegen, geschätzte Anleger, ob Sie in diesen Tagen wieder aktiv werden wollen. Die zweite Maiwoche hat deutlich gemacht, was ich schon vorher erwartet hatte: Corona liefert uns weiterhin dicke Fragezeichen. Und obwohl die infektionsbedingten Beschränkungen für einen Großteil der Firmen und den Alltag der Menschen international gelockert werden, ist die weitere Wirtschaftsentwicklung mehr denn je ungewiss. Die Prognosen der Vordenker werden erneut nach unten korrigiert – wahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Das zeigen die neuen statistischen Zahlen und Analysen. Demnach bewegt sich die Expertendiskussion, ob ein „V“- oder ein „U“-Verlauf der Konjunktur anzunehmen sei, im Bereich der Spekulation. Das wiederum kann man auf die Börse übertragen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

Eine allgemeine Empfehlung hat uns Anfang der 1960er Jahre der populäre Schweizer Musiker, Sänger und Bandleader Hazy Osterwald (eigentlich Rolf Erich Osterwalder) geliefert. Zu seinen bekanntesten Stücken gehören der „Kriminal-Tango“ und der „Konjunktur-Cha-Cha“, dessen Songtext immer wieder an uns appelliert: „Geh’n Sie mit der Konjunktur!“ Nur: Mit welcher Konjunktur, müsste man als Anleger heutzutage fragen.

Die offiziellen Zahlen fürs erste Quartal haben die Märkte nicht überrascht und hinterließen am Wochenende keine tiefen Spuren in den Kursen. Bei allen Unterschieden in der Beurteilung des wirtschaftlichen Geschehens gehen die Ansichten der Fachwelt in wichtigen Punkten inzwischen nicht mehr weit auseinander (was nicht bedeutet, dass es auch so kommt). Die Aktienmärkte haben mit der kraftvollen Erholung nach dem Crash viel vorweggenommen, vielleicht zu viel. Die Lage bleibt angespannt, auch wenn mehr Ruhe am Markt eingekehrt ist., Nach den bereits schwachen Wirtschaftsdaten fürs erste Vierteljahr droht ein noch erheblich schwächeres zweites Quartal. Dessen bin ich mir so gut wie sicher. Und die Börse? Die Anleger müssen zumindest mit hoher Volatilität rechnen – ein weiterer Kursrutsch droht, vor allem wenn es Rückschläge in der Pandemiebekämpfung geben sollte.

Die Wissenschaftler des Ifo-Instituts haben es auf den Punkt gebracht: Der Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2020 zeigt bei weitem noch nicht das wahre Ausmaß der Krise. Die vom Staat verhängten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie drosselten die Produktion von Waren und Dienstleitungen nur im Verlauf des Monats März und damit am Ende des ersten Quartals. Ein Großteil der Auswirkungen wird erst im April zu Buche schlagen. Nach Berechnung von Analysten fielen die Gewinne der Dax-Konzerne im ersten Quartal um 40% und im EuroStoxx 50 um 30%, während sich der US-Markt (S&P 500 -13%, Nasdaq100 +3%) gut hielt. Die Divergenz zwischen einzelnen Titel ist hoch. Das laufende Quartal dürfte schlimmer ausfallen als das erste. Für 2020 wird mit einem Gewinneinbruch von über 50% im Dax gerechnet, was zu Kürzungen der Dividenden um gut ein Drittel führen könnte. Dank schneller und umfangreicher Reaktionen der Notenbanken und der Politik sind die Aktienkurse nicht stärker eingebrochen. Die auf absehbare Zukunft extreme Liquiditätsversorgung der Märkte durch unsere Währungshüter bleibt eine Stütze für die Börsen.

Wenn Akteure und Marktbeobachter eine extreme Prognoseunsicherheit beklagen, dann gilt dies insbesondere für die Versuche, absehbare Trends in konkrete Zahlen zu fassen. Infolgedessen muss man repräsentative Umfragen stärker beachten. Beispiel: Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die Investitionspläne von Industrieunternehmen. Außerdem planen viele Betriebe einen Personalabbau. Das hat jetzt eine Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ergeben. Fast jeder zweiter Betrieb beabsichtigt, Investitionen auf Eis zu legen oder streicht Budgets zusammen. Bei Großunternehmen ab 1.000 Mitarbeitern sind es sogar zwei Drittel. Erschreckende Zahlen.

Und trotzdem bleiben nicht wenige internationale Anlagestrategen bei ihrer zuversichtlichen Grundhaltung, wonach ab dem zweiten Halbjahr und dann verstärkt 2021 eine kraftvolle Konjunkturerholung erwartet werden kann – vorausgesetzt, es kommt zu keiner zweiten oder dritten Welle der Pandemie. Ich kann diesen Optimismus noch nicht unterstreichen. Wenn alles – wirklich alles – gutgeht, können auch die Börsen in ein paar Monaten aufatmen. Nachhaltig. Allein, mir fehlt noch der Glaube daran.

Was also tun? Wer ähnlich vorsichtig denkt, dem würde ich kurz- bis mittelfristige Investments momentan nicht empfehlen – Trading und spekulatives Stockpicking ausgenommen. Dem nicht besonders mutigen Anleger sei deshalb vorgeschlagen, vorerst nichts zu tun. Ich rate vielmehr zur Aufstockung der Liquiditätsposition. Cash anzuhäufen, ermöglicht später (bei einer nachhaltigen Verbesserung der Marktlage) kraftvoll einzusteigen. Sie wissen ja, liebe Leser, dass ich mit Cash nicht nur Bargeld oder Festgeldkonten meine, sondern auch an eine größere Gewichtung des physischen Goldes im Portfolio denke (kleine Barren und Münzen) – nicht nur die meist empfohlenen 5 bis 10% Anteil. Darüber hinaus sollten Sie Pandemie und Rezession nutzen, um Ihre (Alters-)Vorsorge zu überprüfen. Selbst wenn entsprechende langfristige Sparpläne mit Aktien, Gold und Investmentfonds (einschließlich ETFs) schon bestehen, macht es Sinn, die darauf eingezahlten Beträge zu erhöhen.

Bleiben Sie gesund – und machen Sie’s gut! Herzlich, Ihr Börsen-Dino!




Neueste News





Disclaimer

Die auf finanztrends.info angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.info veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. Finanztrends.info hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.info an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.info und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)