Suche

EZB zementiert “japanische Zinsverhältnisse”

 
428
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Auf seiner Sitzung am 7. März 2019 hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen. Der Hauptrefinanzierungszins beträgt 0%, der Einlagenzins minus 0,4%, der Zins für die Spitzenrefinanzierung 0,25%.

EZB-Präsident Mario Draghi verkündete zudem, dass der Leitzins in 2019 nicht angehoben wird, möglicherweise sogar noch länger auf der Nullgrenze verbleibt. Zudem betonte er Indikatoren, die auf eine weitere Konjunkturabkühlung im Euroraum hindeuten.

Der EZB-Rat hat zudem beschlossen, dass den Euro-Banken von September 2019 bis März 2021 eine Serie von neuen langlaufenden Kredite („TLTROs-III“) mit einer Laufzeit von jeweils zwei Jahren angeboten wird.

[Anmerkung: Die EZB hatte bereits 2011 langlaufende Kredite an Euro-Banken mit dreijähriger Laufzeit („LTROs“) gewährt. In 2014 vergab sie weitere derartige Kredite („TLTROs-I“ und „TLTROs-II“) mit Laufzeiten von bis zu vier Jahren – zu Kreditzinsen zwischen –0,4 und 0%. Das Kreditvolumen der TLTROs-II beläuft sich derzeit auf etwa 739 Mrd. Euro. Mit derartigen Krediten ersetzt die EZB vor allem die Kapitalmarktfinanzierung der Banken.]

Wie ist die Entscheidung zu bewerten?

Sparern und Anlegern bürdet die EZB weiter (nach Abzug der laufenden Inflation) negative Realrenditen auf ihr Geldvermögen auf: Das Geldvermögen verliert seine Kaufkraft. (Allein die Deutschen halten 3,7 Billionen Euro in Form von Bankeinlagen, die vermutlich größtenteils einem negativen Realzins unterliegen.)

Die geldpolitische Hilfestellung der EZB gilt den verschuldeten Staaten. Ihnen verschafft sie die Möglichkeit, Kredite zu sehr niedrigen Zinsen aufzunehmen und fällige Kredite problemlos durch neue Kredite, die geringe Zinskosten haben, zu ersetzen.

Die Null- und Negativzinspolitik der EZB ist hingegen Gift für die Euro-Banken: Zinsmargen und Zinserträge schrumpfen. Zudem verschlechtert die Abflachung der Euro-Zinskurve, für die die EZB-Politik ebenfalls sorgt, die Gewinnmöglichkeiten für die Euro-Banken.

Die akuten und nach wie vor nicht gelösten Probleme bei vielen Euro-Banken zeigen sich in den stark gefallenen Bankaktienkursen und geringen Bewertungsmaßen (wie zum Beispiel Price-to-Book-Ratios).

„Japanische Zinsverhältnisse“

Es ist zwar hier nicht der richtige Platz, um eine detaillierte Erklärung auszubreiten: Aber es soll an dieser Stelle doch kurz darauf hingewiesen werden, dass die EZB dabei ist, „japanische Zinsverhältnisse“ im Euroraum zu zementieren.

Wie die nachstehende Graphik illustriert, hat die Bank von Japan durch ihre Geldpolitik die Kurz- und Langfristzinsen auf beziehungsweise unter die Nullgrenze gebracht. Ein solches Szenario ist auch im Euroraum unter der herrschenden EZB-Geldpolitik sehr wahrscheinlich.

Gold halten

Die Kaufkraft des Euro wird durch die EZB-Geldpolitik sehr wahrscheinlich weiter herabgesetzt werden, nach innen und nach außen. Eine Möglichkeit, den Geldvermögensverlusten zu entkommen, besteht im Halten von Gold. Langfristig gesehen kann die Kaufkraft des Goldes – anders als die Kaufkraft von Euro-Bankguthaben – nicht durch die EZB-Geldpolitik entwertet werden. Beispielsweise hat die Kaufkraft des Goldes, in Euro gerechnet, seit Einführung des Euro Anfang 1999 bis Februar 2019 um 207% zugenommen, die der verzinslichen Euro-Bankguthaben nur um 2% (vor Steuern).

Die Vergangenheit ist zwar kein Indiz dafür, wie die Zukunft aussehen wird. Allerdings spricht eine Reihe von Faktoren dafür, dass das Gold zu aktuellen Preisen nicht überteuert, sogar eher zu billig ist; und dass es, langfristig gesehen, die bessere Wahl ist gegenüber Euro-Bankguthaben.

0/5 (0 Reviews)

Neueste News

Uhrzeit Artikel Autor
21:02
Lufthansa-Aktie: Sollte man jetzt zugreifen?+Mitte Juni musste die Lufthansa-Aktie einen weiteren schweren Rückschlag verkraften. Auslöser war eine Gewinnwarnung, die der Luftfahrtkonzern aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch Billigairlines und sinkender Ticketpreise vornehmen musste. Die Anleger quittierten die News mit deutlichen Abschlägen und ließen den Kurs auf ein neues 2-Jahres-Tief bei 14,33 Euro fallen. Seitdem konnte sich die Aktie wieder einigermaßen stabilisieren, aber noch nicht entscheidend [...]
Weiterlesen...
Alexander Hirschler
20:58
Deutsche Telekom-Aktie: Die Verluste gehen weiter –...+Die Aktie der Deutschen Telekom ist in den vergangenen Tagen wieder etwas stärker unter Druck geraten. Der Dienstag war bereits der fünfte Tag in Folge, an dem Aktie Verluste hinnehmen musste. Diese halten sich zwar in Grenzen, haben den Kurs nun aber wieder bis auf 15,00 Euro zurückfallen lassen. Dadurch hat sich auch das Chartbild eingetrübt. Der Kurs hat die [...]
Weiterlesen...
Alexander Hirschler
20:51
Tesla-Aktie: Wie geht es nun weiter?+Bei der Tesla-Aktie bestimmen die Bullen weiterhin das Geschehen. Anfang Juli war ihnen nach einigen gescheiterten Versuchen endlich der Ausbruch aus dem mittelfristigen Abwärtstrend gelungen. Inzwischen hat sich die Aktie bis auf 250 US-Dollar nach oben gearbeitet und damit einen komfortablen Abstand zum Abwärtstrend hergestellt. Das Chartbild ist nun wieder bullisch einzuschätzen. Der Kurs verläuft oberhalb der 50-Tagelinie (EMA50) und [...]
Weiterlesen...
Alexander Hirschler
20:28
SLI-Index legt am Dienstag leicht um +0.2 Prozent zu.+Am heutigen Dienstag haben die wichtigsten Aktien der Schweiz leicht an Wert gewonnen: Gegen 17:45 Uhr MESZ wurde der SLI (CH0030252883) bei 1.515,32 Punkten registriert, knapp +0,2 Prozent höher als zur Schlussnotierung am Montag (1.512,3 Punkte). Insbesondere für LafargeHolcim, Credit Suisse und Kuehne + Nagel wurden während des heutigen Handelstages teilweise starke Kursaufschläge registriert; dagegen verloren die Aktien von Alcon [...]
Weiterlesen...
Stockpulse
20:00
Börsengänge im 2. Quartal 2019: Der Überblick+Ihre Aktien-Auswahl wird größer! Nach einem sehr schwachen Jahresauftakt hat sich der weltweite Markt für Börsengänge (IPOs) im 2. Quartal des laufenden Jahres deutlich erholt. Das stellten die Berater von Ernst & Young (EY) in einer kürzlich veröffentlichten Studie fest. In den ersten 3 Monaten dieses Jahres gab es weltweit gerade einmal 205 Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von 15 Mrd. [...]
Weiterlesen...
GeVestor Verlag
19:20
ATX-Index fällt am Dienstag leicht um -0.5 Prozent.+Am heutigen Dienstag haben die Aktien des österreichischen ATX leicht an Wert verloren: Gegen 17:41 Uhr MESZ wurde der ATX (AT0000999982) bei 2.985 Punkten registriert, knapp -0,5 Prozent niedriger als zur Schlussnotierung vom letzten Handelstag am Montag (3.000 Punkte). Der DAX notiert heute mit +0,23 Prozent besser als der ATX. Auch der EURO STOXX 50 weist mit +0,46 Prozent eine [...]
Weiterlesen...
Stockpulse
19:00
Gespräche abgebrochen: Symantec-Übernahme durch Bro...+Manchmal kommt es anders als die Investoren erwarten! Diese Redewendung beschreibt die aktuelle Entwicklung in den Übernahmeverhandlungen zwischen Broadcom und Symantec mehr als treffend. Denn gestern wurden die Übernahmegespräche laut Insiderinformationen nach 11 Stunden ergebnislos abgebrochen. Erst Anfang des Monats setzten viele Investoren darauf, dass der US-Chiphersteller Broadcom das Software-Unternehmen Symantec aus dem Silicon Valley übernimmt. Am 7. Juli wurde [...]
Weiterlesen...
GeVestor Verlag
19:00
Wirecard Aktie: Da lohnt sich doch ein zweiter Blick!+Smarte Handys, smarte Fernseher, smarte Autos, smarte Uhren, smarte Brillen, smarte Haushaltsgeräte, smarte Industrie, smarte Stadt: Es gibt kaum einen Lebensbereich, der nicht von der allumfassenden Vernetzung betroffen ist. Jetzt hat ein bekannter deutscher Zahlungsabwickler ein weiteres analoges Objekt im Blick, das mithilfe digitaler Technologie nun auch „klüger“ werden soll. Konkret geht es um einen smarten Spiegel, der das Einkaufserlebnis [...]
Weiterlesen...
Marco Schnepf
19:00
Daimler Aktie: Gut zu hören!+Für Fahrradfahrer oder Fußgänger ist es ein deutliches Signal: Hört man von hinten ein sich näherndes Motorgeräusch ist Obacht geboten. Gerade beim Abbiegen oder der Fahrbahnüberquerung kann dieses akustische Signal mitunter Leben retten. Doch was ist eigentlich mit den Elektroautos? Diese sind vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten kaum zu hören und stellen deshalb eine plötzliche Gefahr für schwächere Verkehrsteilnehmer dar. [...]
Weiterlesen...
Marco Schnepf
19:00
Deutsche Bank Aktie: Der Rotstift kommt auch hier z...+Die Deutsche Bank will schlanker werden und forciert massive Stellenkürzungen auch in den USA, wo man gegenüber den großen US-Bankhäusern immer mehr ins Hintertreffen geraten war. Zusätzlich will das strauchelnde Institut auch die Präsenz am wichtigsten Handelsplatz der Welt neu ordnen, wie die Zeitung „New York Post“ (NYP) kürzlich berichtete. Demnach verlagert die Deutsche Bank ihren New Yorker Hauptsitz von [...]
Weiterlesen...
Marco Schnepf


Disclaimer

Die auf finanztrends.info angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.info veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. Finanztrends.info hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.info an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.info und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)