EZB-Geldpolitik auf den Spuren der Reichsbank

432
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Auf der heutigen Sitzung hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu halten; das war keine Überraschung. Der Hauptrefinanzierungszins bleibt bei 0%, der Einlagenzins bei minus 0,5%.

Zudem wurde beschlossen, dass Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) um 600 Mrd. Euro aufzustocken – erst am 18. März 2020 war es mit einem Volumen von 750 Mrd. Euro verkündet worden. Damit hat das Kaufprogramm nun ein Gesamtvolumen von 1.350 Mrd. Euro. Gleichzeitig wurde seine Laufzeit bis zum Juni 2021 verlängert.

Allein das PEPP-Programm entspricht damit einem Betrag, der etwa 10 Prozent der Euro-Geldmenge M3 ausmacht. Hinzu kommen die laufenden Anleihekäufe in Höhe von derzeit 140 Mrd. Euro, die – auf zwölf Monate hochgerechnet – ebenfalls etwa 10 Prozent der Euro-Geldmenge M3 entsprechen. Eine gewaltige monetäre Expansion!

Im Kern heißt das: Die EZB-Geldpolitik finanziert die Neuverschuldung der Euro-Staaten mit der elektronischen Notenpresse.

Man mag geneigt sein zusagen, dass in der aktuellen Krisenlage der „Zweck die Mittel“ heiligt. Doch das ist bekanntlich ein gefährlicher, unzivilisierter Grundsatz: Denn nach ihm wäre auch gerechtfertigt, die Kaufkraft des Euro zu ruinieren, um die Staatskassen liquide zu halten.

Besonders problematisch ist bei all dem, dass jede Begrenzung für die Staatsverschuldung aufgehoben ist: Bereits am 23. März 2020 haben die EU-Finanzminister den Stabilitätspakt, der bisher der Neuverschuldung (zumindest auf dem Papier) Einhalt geboten hat, außer Kraft gesetzt.

Jedes Euro-Land hat nun einen besonderen Anreiz, viele neue Schulden zu machen, zumal die EZB ja auch die Kreditzinsen auf beziehungsweise unter die Nulllinie gesetzt hat.

Und noch etwas: Erst am 5. Mai 2020 hatte das deutsche Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass das Staatsanleiheaufkaufprogramm „PSPP“ (Public Sector Purchase Programme) die Grenzen des geldpolitischen Mandats der EZB überschreite und deshalb als „Ultra-vires“-Maßnahme qualifiziert.

Die Verfassungsrichter hatten nur deshalb keine monetäre Haushaltsfinanzierung festgestellt, weil das PSPP z. B. eine Obergrenze von 33 % je Wertpapierkennnummer eingehalten halt, und Ankäufe nach dem Kapitalschlüssel der nationalen Zentralbanken getätigt wurden. Man kann aber bezweifeln, dass das PEPP derartige Anforderungen erfüllen wird … .

Dass die EZB-Geldpolitik zusehends regellos und willkürlich und durch die Wahlbürger zusehends unkontrollierbar geworden ist, steht außer Frage.

Die EZB-Geldpolitik, die die Staatsschulden finanziert, erinnert verdächtig an die Deutsche Reichsbank. Sie hatte auch nach Ende des Ersten Weltkrieges in ganz großem Stil Staatsschulden aufgekauft und mit neuem Geld bezahlt. Das führte erst zu Hochinflation, dann zu Hyperinflation, die die Kaufkraft der Mark völlig zerstörte.

Für den Anleger

Wie dem auch sei: Das Ausweiten der Geldmengen wird kolossale Umverteilungen von Einkommen und Vermögen nach sich ziehen, von der einige profitieren und viele benachteiligt werden.

Es ist damit zu rechnen, dass die Kaufkraft des Euro herabgesetzt wird, weil die steigende Geldmenge sich in steigenden Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen zutage treten wird.

Anleger sind gut beraten, weiterhin auf Gold (und auch auf Silber) zu setzen und nicht dem Euro zu vertrauen. Die Kaufkraft der Edelmetalle kann durch die Geldpolitik nicht ruiniert werden, und sie tragen, anders als Bankguthaben, auch kein Zahlungsausfallrisiko. Die aktuellen Preise sind aus unserer Sicht nicht zu teuer.

Forum

Bewertung
Antw.
Thema
letzte Antw.
106
66.402
02. Aug
1
21
22. Apr
14
43
15. Apr
0 Beiträge
die Daten sind nur auf ihrem Gerät ... LOL
0 Beiträge
wackelt; gibt es keine Bonis zu Weihnachten. FB = Short übers Wochenende mit erträglichem GSL
0 Beiträge
wie man nun festgesetllt hat gefährdet es die Globale Sicherheit - Facebook sammelt massiv Daten von

Aktuelle Video-Analyse


Neueste News

Uhrzeit
Artikel
Autor



Disclaimer

Die auf finanztrends.info angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.info veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. Finanztrends.info hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.info an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.info und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)