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Euro-Zone vor dem Aus?

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Liebe Leser,

die schlechten Nachrichten reißen einfach nicht ab. Nun warnt ein Starökonom aus den USA praktisch vor einem Aus der Euro-Zone. Dies wiederum wäre der Startschuss für eine Währungsreform, die uns alle auf einen Schlag ärmer machen würde.

Nouriel Roubini warnt

Dabei warnt der sogenannte Starökonom Nouriel Roubini, der allerdings in vielen Fällen zur Schwarzmalerei neigte – auch für die Aktienmärkte. Dennoch nehme ich seine Warnungen her sehr ernst: Er meint, der 500-Milliarden-Euro-Rettungsfonds oder „Wiederaufbaufonds“, wie Angela Merkel ihn lieber nennt, den Deutschland und Frankreich vereinbart haben, falle viel zu niedrig aus. Italien, Spanien und Griechenland jedenfalls hätten sich davon mehr erhofft. Seine Warnung: Das, was noch fehlt, könnte vielleicht durch andere Beihilfen noch ausgeglichen werden. Dies allerdings wäre wiederum ein Schlag ins Gesicht der zumindest etwas maßvolleren Regierungen in der EU.

Roubini geht davon aus, dass die Wirtschaftskrise durch das Corona-Virus in der Euro-Zone sogar eine Existenzbedrohung sei. „Die Gefahr geht von Italien aus“, so der Ökonom. Denn Italien, das also wegen der zu geringen gemeinsamen Lösung über den EU-Haushalt schon klagt, wird aktuell seiner Einschätzung nach mit ungefähr 170 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) verschuldet sein. Das wiederum sei das Todesurteil: 2021 sei Italien als Staat praktisch zahlungsunfähig.

Wir haben uns zwar alle an die Katastrophenmeldungen gewöhnt, dies jedoch dürfte eine der dramatischeren Einschätzungen sein. Denn die Konsequenzen sind hart: Italien ist innerhalb der Euro-Zone ein sehr viel bedeutenderes Land – wirtschaftlich betrachtet – als Griechenland, das ebenfalls mehrfach vor der Pleite stand. Italien wird seine Schulden nicht annähernd zurückzahlen können. Deshalb müsse, hier setzt wiederum Roubini ein, der Wert des Euro deutlich fallen, damit die Schulden sich auf natürlichem Wege über die Kaufkraft relativieren. Gelinge dies nicht, müsste Italien die Euro-Zone verlassen.

Ist das nur eine leere Drohung? Nein. Setzen wir den noch ungünstigeren Fall aus, dass die EZB die Schulden einfach übernimmt oder den Anteil innerhalb der Euro-Zone beispielsweise teilweise streicht (Schuldenschnitt), könnte Italien am Markt kaum noch Anleihen aufnehmen – das Land müsste sich selbst als bankrott erklären. Das bedeutet: Die Italiener müssten im Grunde die Euro-Zone verlassen, um wieder wie ehedem über eine schwache Lira die Schulden indirekt zu senken. Die Exportfähigkeit des Landes würde sprunghaft steigen. Tatsächlich ist dies rechtlich möglich: Im ersten Schritt würde Italien formal die EU verlassen und würde unmittelbar aus dem Euro-Verbund ausscheiden. Eine logische Sekunde später könnte zumindest die EU Italien wieder aufnehmen. Das Ergebnis wäre verheerend – für den Euro. Das Misstrauen wäre gigantisch. Zudem würden andere Länder versuchen, es Italien gleich zu machen, um die eigene Landes-Währung ebenfalls zur Exporthilfe machen zu können.

Welches Szenario 2021 auch eintritt: Italien kann das Ende des Euros in der aktuellen Form bedeuten. Schützen Sie sich – wer zu viel Geld auf dem Konto hat, würde dann bestraft.




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