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Eine heile Welt, die längst keine mehr ist

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Liebe Leser,

in der für US-Präsident Donald Trump typischen „bescheidenen“ Art wurde bereits vor einem Jahr im Anschluss an den G20-Gipfel verkündet, dass der Handelsstreit gelöst wäre und China sich zu einem Deal genötigt sähe, wenn nicht aus Einsicht, dann eben aufgrund des amerikanischen Drucks.

Die internationalen Aktienmärkte quittierten die damaligen Twittermeldungen mit Erleichterung und kräftigen Kurssprüngen. Die anfängliche Erleichterung wandelte sich schon am Folgetag in Ernüchterung, als die Anleger erkennen mussten, dass Donald Trump nur heiße Luft verbreitet hatte.

Das folgende Kursdesaster war nur der Anfang einer ganzen Reihe von Tiefschlägen, welche die Anleger in den kommenden Wochen und Monaten verkraften mussten. Die Folge waren Kurse, die bis zum Jahresende nur noch den Weg in die Tiefe zu kennen schienen.

Unterstützt wurde die Panik an den Märkten damals noch von den steigenden Zinsen. Die Anleger erkannten zudem, dass die Auswirkungen des Handelskrieges bereits spürbar waren, während sich die Wirkungen der US-Steuerreform als nicht sonderlich nachhaltig erwiesen. Sie erzeugten einen Boom, dem leider keine lange Dauer beschieden war.

Das Pendel ist ins andere Extrem ausgeschlagen

Heute ist die Angst von damals verflogen. Die Anleger glauben wieder an die Macht der sinkenden Zinsen und auch das leidige Thema Handelskrieg wird mit einer Nachlässigkeit behandelt, die aufhorchen lassen sollte, denn gelöst ist das Problem auch heute noch nicht.

Ein Anleger, der nur auf die Höhe der Börsenkurse schaut, muss jedoch den Eindruck gewinnen, der Handelskrieg und viele andere Probleme seien gelöst, denn nicht nur in den USA notieren die wichtigsten Indizes wieder nah an ihren Hochs. Vom fatalen vierten Quartal des Jahres 2018 erzählen, wenn überhaupt, nur noch die Charts.

Frühindikatoren wie die diversen Einkaufsmanagerindizes deuten zwar bereits seit Monaten auf eine Abschwächung der Konjunktur und stärkeren Gegenwind hin, doch die Aktienmärkte scheint es nicht zu stören. Sie steigen als sei die Börse plötzlich zu einer Einbahnstraße mutiert.

Das Ignorieren von Warnsignalen war aber noch nie eine Eigenschaft, die langfristig zu Glück und Reichtum geführt hat. Dabei sind es momentan im Wesentlichen nur zwei alte Taschenspielertricks, mit denen die Kurse künstlich hochgehalten und auf neue Hochs gezaubert werden.

Was die Analysten nicht regeln, richten die Aktienrückkäufe

Es ist bekannt, dass an der Börse primär Erwartungen gehandelt werden. Wenn man diese von Seiten der Analysten nur niedrig genug hängt, wird auch aus dem schlechtesten Quartalsbericht am Ende eine freudige Überraschung, die auf dem Parkett mit steigenden Kursen gefeiert werden kann.

Dieses altbekannte Muster wurde in der laufenden Berichtssaison erneut mit Erfolg zur Anwendung gebracht. Der Blick auf die Kurse sagt damit weit mehr über die Mentalität und Weitsicht der Anleger aus als über den wahren Zustand der Unternehmen. Wer als Anleger um diesen Zusammenhang weiß, wird die Party deutlich kritischer sehen.

Unterstützung erfährt der Analystentrick durch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen. Sie sind schon seit Jahren ein wesentlicher Grund dafür, dass die Kurse überhaupt noch steigen. Von diesem Raketentreibsatz wird auch jetzt wieder fleißig Gebrauch gemacht.

Donald Trumps Steuerreform hat vielen US-Unternehmen einen warmen Geldregen beschert. Investiert wird dieses Geld aber jetzt nicht in neue Produktionsstätten und Arbeitsplätze, sondern in den Rückkauf eigener Aktien. Dieser sorgt durch die fallende Anzahl der Aktien zwangsläufig dafür, dass der Gewinn pro Aktie auch dann steigt, wenn das Unternehmen keinen einzigen Cent mehr erwirtschaftet hat.

Schöne, heile Welt

Soll man es begrüßen, wenn Unternehmen nicht mehr die eigene Weiterentwicklung, sondern nur noch den Rückkauf eigener Aktien fördern? Soll man darauf spekulieren, dass diese Strategie zudem nachhaltig sein wird?

Diese Fragen werden an den Märkten derzeit nicht gestellt. Ernsthaft beantworten muss sie sich jeder Anleger aber dennoch. Wer glaubt, diesen Aufwand nicht betreiben zu müssen, den bestraft am Ende die Börse.

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