Die EZB und die ungeliebte Einlagensicherung: Weg mit dem Plunder!

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Lieber Investor,

für Bankkunden ist sie ein wichtiges, vertrauensbildendes Element, für einige sogar das Zünglein an der Waage, das den Ausschlag für oder gegen ein Institut gibt: die Einlagensicherung. Aus Sicht der Europäischen Zentralbank ist der Einlagenschutz nur noch lästig und eigentlich auch vollkommen überflüssig. Deshalb schlägt sie sein baldiges Ende vor.

Wenn die bestehenden Sicherungen für die Spareinlagen der Kunden abgeschafft werden sollen, gibt es dafür im Grunde nur zwei Gründe. Entweder ist die Lage der Banken wirklich so gut, dass es keiner Einlagensicherung mehr bedarf oder die Lage ist bereits so verfahren, dass man die Einlagen im Krisenfall gar nicht effektiv schützen kann. In diesem Fall muss man die vorhandenen Einlagensicherungsfonds auflösen, wenn man keine Versprechen mehr abgeben will, die man ohnehin nicht zu halten in der Lage ist.

Dass die Banken über jeden Zweifel erhaben sind, werden vermutlich nicht einmal die größten Optimisten und überzeugtesten Banker behaupten. Es geht den Banken heute besser als vor dem Beginn der Finanzkrise, aber wirklich gut geht es ihnen immer noch nicht und längst nicht alle Institute sind über den Berg. Für eine Abschaffung der Einlagensicherung besteht damit kein unmittelbarer Anlass.

Wenn die EZB dennoch Schritte in diese Richtung macht, sollte das jeden Bankkunden aufhorchen lassen. Entweder ist die Bankenwelt doch nicht so rosig, wie man sie uns immer wieder darstellen will oder es ist eine Krise im Anmarsch, die so gewaltig ist, dass sie auch die rosigste Bankenwelt zum Einsturz bringen kann. Vielleicht ist auch beides der Fall. Dann wird sich die Europäische Zentralbank erst recht hüten, uns reinen Wein einzuschenken, denn dieses offene Bekenntnis könnte unser marodes Papiergeldsystem sofort zum Einsturz bringen.

Die Alternative ist an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten

Natürlich ist der EZB bewusst, dass sie einen Aufruhr unter den Bankkunden riskiert, wenn die Einlagensicherung einfach ersatzlos gestrichen wird. Deshalb schlägt sie folgendes Prozedere vor: Gedeckte Einlagen und Forderungen im Rahmen von Entschädigungssystemen für Anleger sollten durch begrenzte Ermessensausnahmen ersetzt werden. Diese müssen von der zuständigen Behörde gewährt werden, um eine gewisse Flexibilität zu behalten.

Während einer Übergangszeit sollen die Einleger nach einem entsprechenden Antrag innerhalb von fünf Arbeitstagen Zugang zu einem angemessenen Betrag ihrer gedeckten Einlagen haben, um ihre Lebenshaltungskosten bestreiten zu können. Eine wirklich großzügige und ermutigende Aussicht! Wer an sein eigenes Geld will, muss einen Antrag stellen.

Enthalten ist diese Anregung in einem am 8. November 2017 von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Arbeitspapier mit Titel „Überarbeitungen des Krisenbewältigungsrahmens der Union“. Übersetzt man dieses Juristendeutsch in eine Sprache, die auch der normale Bankkunde versteht, kommt Folgendes heraus: Bislang waren Spareinlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro je Sparer geschützt. An dieses Geld kam man als Sparer nicht unbedingt sofort heran, aber es war geschützt, mochte da kommen, was wollte.

In Zukunft soll das Prozedere ein anderes sein: Die Wartezeit wird erheblich verkürzt. Sie müssen nur fünf Arbeitstage warten, bis eine „zuständige Behörde“ feststellt, wie viel von ihrem eigenen Geld die „angemessene Summe“ ist, die Sie zum Überleben und Bezahlen ihrer Rechnungen benötigen. Der Rest des Geldes verbleibt als Teil der Konkursmasse innerhalb der strauchelnden Bank und ist bei einem sogenannten Bail-in vermutlich weg.

Der schwache Rang der Kundengelder soll schamlos ausgenutzt werden

In der letzten Bankenkrise wurden die schwankenden Institute noch per Bail-out durch den Steuerzahler gerettet. Diese Rettung von außen kostete die Staaten Geld, das sie nicht haben. Deshalb kam man auf die Idee, den Steuerzahler durch den Bankkunden und den Bail-out durch den Bail-in zu ersetzen. Will heißen: In Zukunft haften sie nicht mehr in Ihrer Rolle als Steuerzahler, sondern nur noch als Bankkunde, wenn Sie den Fehler gemacht haben, beim falschen Institut ein Konto zu unterhalten.

Wenn wir als Sparer unser Geld zur Bank tragen und es dort auf ein Konto einzahlen, geben wir der Bank faktisch einen Kredit. Weil jeder Kredit immer mit einem gewissen Ausfallrisiko behaftet ist, ist im Konkursfall entscheidend in welchem Absicherungsrang die einzelnen Kredite zu einander stehen. Wir kennen dieses Verfahren aus anderen Insolvenzen.

In der Konkursmasse selbst ist meist nur noch ein Teil dessen vorhanden, was den einzelnen Gläubigern geschuldet wird. Bei der Verteilung dieser „Masse“ ist der Rang des Kredits entscheidend. Zuerst werden die erstrangigen Schulden bedient, dann die zweitrangigen und den Letzten beißen wie immer die Hunde, weil von der „Masse“ nichts mehr übrig ist.

Genau hier lauert in Zukunft die Gefahr für alle Sparer, besonders die Kleinsparer: Wenn ein großer institutioneller Anleger einer Bank einen Millionenkredit gibt, lässt er sich im Gegenzug dafür gewisse Sicherheiten überschreiben, zum Beispiel Immobilien oder Wertpapiere aus dem Vermögen der Bank.

Die Auswahl der eigenen Bank wird immer entscheidender

Wenn zwei oder drei Millionen Sparer einige wenig Euros auf ihren Konten stehen haben, ist die Kreditsumme leicht genauso groß oder vielleicht noch größer. Aber besichert sind diese Kleinkredite nicht. Kommt es zum Schwur, sprich muss die Bank Insolvenz anmelden, dürfen sich die Sparer in der Reihe ganz hinten anstellen und mit hoher Wahrscheinlichkeit den obligatorischen Blick in die Röhre genießen.

Die jüngsten Änderungsvorschläge der EZB weisen wie die bereits zuvor geäußerten Pläne in die gleiche Richtung. Im Fall einer neuen Bankenkrise sollen die Institute mit aller Macht geschützt werden, nicht die Sparer. Für diese entscheidet im Zweifelsfall eine „zuständige Behörde“ wie viel von ihrem eigenen Geld ihnen noch zusteht.

Die EZB will mit ihren Maßnahmen Bankruns verhindern. Möglicherweise bewirken die Maßnahmen jedoch das Gegenteil, denn wenn Institute in eine Schieflage geraten und den Bankkunden das Vertrauen fehlt, dass sie ihr Geld wiedersehen werden, werden sie alle Hebel in Bewegung setzen, um es zu schützen. Geldautomaten und Schalter werden dann gestürmt und wer kann, überweist sein Geld schnell noch zu einer anderen Bank oder kauft Aktien, die anschließend im Sondereigentum verbleiben.

Damit klingt bereits an, wie man sich als Sparer vor diesen Risiken schützen kann. Die Auswahl der Bank will gut überlegt sein. Statt Zinssätze miteinander zu vergleichen und schöne Prospekte zu lesen, sollte man sich lieber in die Tiefen der Bankbilanz versenken und dort studieren, mit welchen Risiken das Institut behaftet ist.

Vertrauen ist gut, Sachwerte sind besser!

Weil auch diese Vorsicht nur ein relativer Schutz ist, führt an einer breiten Streuung der Sparanlagen in Zukunft kein Weg mehr vorbei. Dabei sollte man nicht nur an unterschiedliche Institute, sondern auch an unterschiedliche Länder denken. Ganz ohne Bank auskommen wollen, wird wohl niemand, es sei denn, man hat die Absicht, die Stromrechnung Monat für Monat beim Versorger persönlich mit Bargeld zu bezahlen.

Bei allen Anlagen, die über den normalen Girokontoverkehr hinausgehen, ist jedoch sehr genau zu überlegen, welches Risiko man bei welchem Institut eingehen will. Wer wenig Risiko will, legt sein Geld in Sachwerte an. Immobilien sind für kleines Geld meist zu groß. Aber Aktien sind durchaus eine gangbare Alternative. Zertifikate nicht, denn sie sind schlecht gesicherte Schuldverschreibungen der Bank also im Konkursfall ebenso schlecht geschützt wie Spareinlagen bei diesem Emittenten.

Wer sein Geld außerhalb des strauchelnden Finanzsystems wissen will, der investiert es in Gold und Silber. Die Edelmetalle bringen zwar bekanntlich keine Zinsen, aber das tun normale Sparkonten im Moment auch nicht. Aber anders als die gewöhnlichen Sparbücher und Tagesgeldkonten sind Gold und Silber jedoch eine hervorragende finanzielle Versicherung gegen Bail-Ins, politisches Missmanagement und nicht zu unterschätzen auch gegen regulierungswütige Regierungsstellen.

Es ist traurig, aber das neue Arbeitspapier der EZB zeigt einmal mehr, dass es mit jedem Jahr wichtiger wird, sich als Anleger vor solchen Risiken zu schützen.

Ein Beitrag von Dr. Bernd Heim


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