Die Börse als Geldautomat: So bereichern sich die Topmanger auf Kosten der Anleger

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Liebe Leser,

ob teure Übernahmen wie die von Monsanto durch Bayer einen Mehrwert für die Aktionäre der übernehmenden Firma schaffen, ist eine schon oft diskutierte Frage. Ebenso kritisch sind viele Aktienrückkäufe zu sehen. Vor allem jene, die nicht aus dem Gewinn, sondern mit neu aufgenommenen Krediten finanziert werden.

Sie dienen mehr dem Topmanagement, dessen Vergütung sich zu einem großen Teil auch am Aktienkurs orientiert, und den Verkäufern der Aktie als jenen Aktionären, die langfristig investiert sind und dem Unternehmen auch in schwierigeren Zeiten die Treue halten.

Eine Dividende würde alle Aktionäre gleichermaßen begünstigen. Von den Rückkäufen profitieren neben den Managern, die einen zusätzlichen Bonus erhalten, wenn der Aktienkurs am Stichtag über einem bestimmten Schwellenwert notiert, vor allem die Verkäufer. Sie erzielen einen realen Gewinn. Allen anderen bleibt ein Buchgewinn.

Dieser ist zwar auch sehr schön anzusehen. Er kann sich aber leicht wieder in Luft auflösen, etwa wenn das allgemeine Kaufinteresse nachlässt. Bei vielen Unternehmen in den USA ist dieses Phänomen immer wieder zu beobachten. Wenn die Unternehmen in der Lock-up-Periode keine eigenen Aktien kaufen dürfen, weil die Quartalszahlen anstehen, neigt die Wall Street immer wieder zur Schwäche.

Eine große Umverteilungsmaschinerie

Die Kritikpunkte sind nicht neu. Neu ist jedoch der immer lauter werdende Vorwurf, die Börse sei schon lange kein Ort mehr, an dem Risikokapital von den Unternehmen aufgenommen werden könne, sondern inzwischen gehe es den Akteuren an den Finanzmärkten vielmehr darum, Geld aus den börsennotierten Unternehmen abzuziehen und dieses zum Schaden des Unternehmens und seiner Mitarbeiter in die eigenen Taschen umzuleiten.

Allein schon die Ankündigung des Vorstands, dass das Unternehmen in Zukunft einen Teil seiner Aktien zurückkaufen wird, führt zumeist schon zu Kursgewinnen, denn dem normalen Anleger muss es so erscheinen, als halte der Vorstand die eigenen Aktien für unterbewertet und damit kaufenswert.

Dem ist nicht immer so. Vor allem, wenn durch die Rückkäufe optisch ein höherer Gewinn je Aktie ausgewiesen wird. Anleger, die genauer hinsehen, reiben sich immer wieder verwundert die Augen: Der Gewinn pro Aktie steigt, aber die Umsätze sind sogar rückläufig.

Dass die Firmen nicht mehr wachsen und möglicherweise Umsatz und Marktanteile verlieren, wird durch den bilanziellen Trick, den verbleibenden Gewinn auf immer weniger Aktien zu verteilen, geschickt kaschiert.

Nur eine große Mogelpackung?

Viele Aktienrückkäufe zeugen deshalb nicht unbedingt von gutgehenden Geschäften, sondern eher von einer anhaltenden Phantasielosigkeit des Managements. Sie wissen mit dem eingenommenen Geld nichts besseres anzufangen, als an der Börse zu höheren Kursen die eigenen Aktien zurückzukaufen.

Problematisch ist auch, dass die für die Aktienrückkäufe investierten Mittel an anderer Stelle fehlen. In jedem Unternehmen sind die finanziellen Mittel begrenzt und jeder Euro oder US-Dollar kann nur einmal ausgegeben werden. Gerade in Krisenzeiten können die vorangegangenen Aktienrückkäufe negativ wirken, weil das Geld nun fehlt und für andere Maßnahmen oder Investitionen in neue Geschäftsfelder und Produktideen nicht mehr zur Verfügung steht.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat herausgefunden, dass die Spitzenmanager die Ankündigung eines Aktienrückkaufs üblicherweise nutzen, um im großen Stil Kasse zu machen. Bei rund der Hälfte aller untersuchten Fälle hat mindestens eine Führungskraft ihre Aktien kurz nach der Ankündigung eines Buyback-Programms verkauft.

Wenn ein Unternehmen ankündigt, eigene Aktien aufkaufen zu wollen und die eigenen Führungskräfte unmittelbar danach beginnen, im großen Stil eigene Aktien zu verkaufen, dann sagt dies über die wirtschaftliche Stärke der Firma und das ethische Bewusstsein der leitenden Manager eigentlich schon alles.

Die Dimensionen sind gigantisch

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass ein großer Teil der Kursgewinne des Dow Jones und des S&P500 in den letzten Jahren nur noch auf die Aktienrückkaufprogramme zurückzuführen ist, dann wird auch deutlich, dass es bei diesen Vorwürfen nicht um Peanuts, sondern um gewaltige Summen geht, die langfristig den Unternehmen und den sie tragenden Volkswirtschaften entzogen werden.

An den US-Börsen wurden seit 2014 netto für mehr 2.300 Milliarden US-Dollar Aktien vom Markt genommen. Im Durchschnitt wurden Jahr für Jahr neue Aktien im Wert von 400 Milliarden US-Dollar emittiert, während gleichzeitig der alte Aktienbestand um 870 Milliarden US-Dollar reduziert wurde.

Wenn dauerhaft mehr Aktien verschwinden als emittiert werden, gleichzeitig aber weder die Löhne der einfachen Mitarbeiter noch die Dividenden der treuen Aktionäre erhöht werden, wird an Ästen gesägt, auf denen viele sitzen. Ihre Existenzen sind ebenfalls bedroht, nicht nur die des seine Aktien zurückkaufenden Unternehmens.



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