Die Altersvorsorge mit Aktien selbst in die Hand nehmen

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Um unsere Altersvorsorge endlich zukunfts- und demografiefest aufzustellen, müssen wir Aktien nutzen. Eine breitgestreute, langfristige Aktienanlage erwirtschaftet attraktive Erträge. Aktien müssen daher ein fester Baustein unserer Altersvorsorge werden. Dieser (seit vielen Jahren!) wiederholt bekräftigten Forderung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) wird kein Wirtschafts- und Finanzfachmann ernsthaft widersprechen. Nur unsere Politiker – großenteils börsenfeindlich eingestellt – diskutieren andere Wege der Rentenreform. Dabei wäre gerade jetzt das betont langfristige Aktieninvestment für die eigene Vorsorge angesagt. Ich befürchte, dass der Staat die erhoffte Unterstützung auch in absehbarer Zukunft nicht liefern wird. Deshalb sollten die privaten individuellen Initiativen – insbesondere durch Aktiensparpläne – forciert werden.

Dass Vermögensbildung als Teil der Krisen-Prävention angesehen werden kann, hat jetzt Aktienförderer Dr. Hans-Jörg Naumer, prominenter Anlagestratege von Allianz Global Investors m(AllianzGI), ausführlich dargelegt. Wegfallende Einkommen während der Corona-Krise und Unsicherheit wie es weiter geht – was hat das mit Vermögensbildung zu tun? So einiges. Denn Inklusion und Teilhabe hängen auch mit Kapitalaufbau zusammen. Und das gilt nicht nur für Wohlhabende. Auch unabhängig von Corona: Es dürfte nicht die letzte Pandemie gewesen sein, welche die Erde heimsucht. Eine gezielte Politik zur Vermögensbildung kann dazu beitragen, gestärkt aus einer Krise hervorzugehen. Last, not least bedeutet mehr Vermögensbildung auch ganz praktisch mehr Inklusion.

Auch fiskalisch wird die Welt eine andere sein – nach der Corona-Krise. Die unmittelbar und mittelbar fiskalisch wirksamen Gegenmaßnahmen belaufen sich auf viele Milliarden. Dabei ist nicht absehbar, was noch an zusätzlichen Konjunkturpaketen notwendig werden wird. Der Kapitalnotstand des Staates, der sich zwangsläufig in höheren Schulden und ggf. auch höheren Steuern ausdrücken wird, trifft auf den Anlagenotstand der Bürger. Denn eines zeichnet sich schon jetzt ab: War das Anlagespektrum der (Staats-)Anleihen schon vor Ausbruch der Corona-Krise von extremen Niedrig-/Negativrenditen gekennzeichnet, so dürfte dieses Renditeumfeld nach der Krise noch länger andauern. Gemessen am ICE Bank of America Merrill Lynch-Index für die Anleihenmärkte weisen knapp 20 % des weltweiten Marktes für Staatsanleihen eine negative Rendite aus. Knapp 60 % liegen unter 1 Prozent. Per Ende Mai 2020 verzeichnen 90 % aller deutschen Staatsanleihen eine Negativrendite. Von Wertzuwachs und Kaufkrafterhalt kann da nicht die Rede sein. Also kein Vermögensaufbau.

Das DAI kommt in seinen Statistiken zu dem Ergebnis, dass in Deutschland nur ca. jeder zehnte Bürger Aktien oder Aktienfonds besitzt. Auch die Mitarbeiterkapitalbeteiligung ist nur schwach ausgeprägt. Der Bundesverband für Mitarbeiterbeteiligung schätzt die Quote aller Unternehmen in Deutschland, die solche Programme anbieten, auf etwa 2 % – darunter ca. 3.500 mittelständische Unternehmen mit etwa 1,2 Millionen Mitarbeitern, die daran teilnehmen. Dabei wird Kapitaleinkommen als Ergänzung zum Alters-, aber auch zum Arbeitseinkommen immer wichtiger. Die Teilhabe am Produktivkapital wäre auch ein wichtiger Beitrag zur Verringerung der Ungleichheit.

Um mehr Menschen die Vermögensbildung durch Kapitalbeteiligung zu ermöglichen, müssen bestehende Durchführungswege verändert werden. Naumer nennt Beispiele, denen ich grundsätzlich zustimmen möchte, insbesondere Verbesserungen beim „Riestern“ und beim Sparen mit vermögenswirksamen Leistungen (VL). Sodann sollte in einem nächsten Schritt Kapitalaufbau ermöglicht werden, indem Teile der Rentenversicherungsbeiträge gemäß der individuellen Präferenzen statt in die gesetzliche Rentenkasse in einen privaten Sparplan eingebracht werden können (um dort auch höhere Erträge zu erwirtschaften). Über die Kapitalbeteiligung in Form von Aktien hinaus sollte das Genossenschaftswesen als bewährte Form des Eigentums und der Teilhabe gefördert werden.

Zurück zur Aktualität. Schreibt DAI-Chefin Dr. Christine Bortenlänger: „Auch ein Fall wie Wirecard ändert nichts an unserer Forderung. Er zeigt gerade sehr deutlich, dass die breite Streuung der Aktienanlage entscheidend für deren Erfolg ist.“ Wirecard hat sich – wie man sieht – auf die Dax-Entwicklung insgesamt nicht oder zumindest nicht gravierend ausgewirkt. Ein breit angelegtes Sparen in Aktien bietet bei einem langen Anlagehorizont neben ansehnlichen Erträgen auch Sicherheit. So ist in den letzten 50 Jahren ein Investment in den Deutschen Aktienindex trotz Krisen spätestens nach 13 Jahren immer im Plus gewesen. Mit einem Anlagehorizont von mehr als 20 Jahren konnten Anlegerinnen und Anleger mit dem Ersparten jährlich durchschnittlich Erträge von 6 bis 9 Prozent erwirtschaften.

Deshalb appelliere ich an erfahrene Privatanleger, die bereits positive Erfahrungen mit der langfristigen Aktienanlage gesammelt haben, sich als „Aktien-Botschafter“ (man könnte auch von „Aktien-Missionaren“ sprechen) zu betätigen, indem sie passende Gelegenheiten nutzen, um Verwandten, Freunden und Bekannten von den Chancen der Aktienanlage zu berichten.

Bleiben Sie gesund – und machen Sie’s gut! Herzlich, Ihr Börsen-Dino!



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