Die Aktie des Tages: Wirecard

2710
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

Die Aktie des Tages: Wirecard

In der heutigen Ausgabe der Aktie des Tages blicken wir gemeinsam auf die aktuellen Ereignisse bei Wirecard. Das Unternehmen stand zuletzt so oft in den Schlagzeilen, dass man schnell den Überblick verliert, was dem Unternehmen aktuell vorgeworfen wird.

Außerdem schauen wir uns genauer an, wie der Kurs der Wirecard AG so schnell einbrechen konnte und was dies für Folgen mit sich bringen könnte.

Das ist mit dem Aktienkurs passiert:

Am Freitag musste der Wirecard Vorstandschef im Zuge des Bilanzskandals zurücktreten. Daraufhin wurde der rapide Kursverfall von gut 60 % zwar etwas abgebremst, jedoch nicht gestoppt. Nachdem der Kurs kurz an der 30 Euro-Marke gekratzt wurde, verlor der Kurs wieder gut ein Drittel an Boden.

Zum Handelsstart am heutigen Montag verlor die Aktie gut 41 % und ist somit aktuell knapp 14,20 Euro wert. Vor noch nicht einmal einer Woche notierte der Kurs noch bei knapp 104 Euro. Der Aktienverfall der Wirecard AG war in der Geschichte des 32-jährigen deutschen Leitindex der zweitgrößte Tagesverlust, den ein Unternehmen hinnehmen musste.

Das wird der Wirecard AG vorgeworfen:

Ursprünglich sollte Wirecard seinen Jahres- und Konzernabschluss für das Jahr 2019 am 8. April veröffentlichen. Die Veröffentlichung ist nun wieder verschoben worden, da es Hinweise auf erneute Bilanzverschiebungen gibt.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat nicht genügend Prüfnachweise über ein Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten erhalten. Wegen dieser Nachweise hatte EY das Testat für den Wirecard Jahresabschluss verweigert, was letztendlich bei den Anlegern ein fluchtartiges Verhalten auslöste. Das letzte bisschen Vertrauen der Anleger war nun wie weggeblasen.

Die stattliche Summe von 1,9 Milliarden Euro sollte eigentlich verteilt auf zwei philippinischen Banken liegen. Am Freitag wurde allerdings bekannt, dass Wirecard gar kein Kunde bei diesen Banken ist. Das bedeutet wiederum, dass sich der Verdacht um einen möglichen Bilanzbetrug, zuspitzt. Denn die Unterschriften zur Eröffnung und Bestätigung der Konten wurden gefälscht.

Das Fehlen dieses Geldes hat letztendlich CEO Markus Braun den Job gekostet und den Wirecard-Kurs auf einen Tiefpunkt von 19,40 Euro fallen lassen. Dies ist ein Einbruch von knapp 82 %!

Doch als ob das nicht genug wäre, könnte es die Wirecard AG noch schlimmer treffen. Wegen des oben beschriebenen Testats könnten die Banken Wirecard den Geldhahn zudrehen. Darüber hinaus könnte der Dax Konzern seinen Prime-Standard verlieren, wenn sich der Kurs nicht nachhaltig erholt.

Zum jetzigen Zeitpunkt möchten die Banken jedoch die Kredite von Wirecard noch nicht aufkündigen, da Sie noch Hoffnung im Unternehmen sehen. So sollen die Vorwürfe möglichst schnell aus dem Weg geräumt werden.

Abstieg in die 2. Liga?

Aktuell ist das Unternehmen noch knapp 3 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Am vergangenen Mittwoch lag die Marktkapitalisierung noch bei 12,89 Milliarden Euro und der Kurs schloss über der 100 Euro-Marke.

Errechnet wird die Marktkapitalisierung (Börsenwert des Unternehmens) mit der Formel: Anzahl aller Aktien im Umlauf x aktueller Kurs des Unternehmens. Sollte sich dieser Wert nicht langsam erholen, könnte Wirecard bereits im September aus dem Dax fliegen.

Wirecard wird dann seinen Prime-Standard verlieren, wenn das Unternehmen bei den regulären Überprüfungsterminen nicht mehr zu den 40 größten Konzernen Deutschlands gehört. Gemessen wird das am Umsatz und dem Börsenwert des Unternehmens.

Sollte es einen Nachbewerber geben, der anhand des Börsenumsatzes und Marktkapitalisierung mindestens auf Rang 35 kommt, steigt Wirecard in die 2. Liga ab. Anfang September ist ein erneuter Überprüfungstermin angesetzt. Wenn sich das Unternehmen bis dahin nicht erholt hat und in Sachen Umsatz nicht mehr auf Platz 45 ist, kann sogar ein sofortiger Abstieg erfolgen.

Mit den 3 Milliarden Euro Marktkapitalisierung gehört Wirecard noch nicht einmal mehr in die Top 50 der Liste und muss somit in der Relegation spielen.

Noch ein wichtiger Punkt, der Wirecard betreffen könnte: Sollten die 1,9 Milliarden Euro abgeschrieben werden, würde ein Großteil aller Nettoeinnahmen der letzten 10 Jahre verbrannt werden.

So sehen Analysten die aktuelle Lage

Durch die aktuellen Vorwürfe wurden 4 neue Analysen veröffentlicht. Die Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Einstufung zur Wirecard Aktie auf „equal-weight“ belassen, allerdings ohne Kursziel. Der Analyst führt als Grund das fehlende Testat des Wirtschaftsprüfer EY auf. Dadurch müsse Wirecard auf ihre Liquidität zurückgreifen.

Die Norddeutsche Landesbank hat am 19.06. ebenfalls eine Analyse veröffentlicht. Hier wurde die Einstufung der Aktie von „Hold“ auf „Sell“ gesenkt und das Kursziel gleichermaßen von 80 auf 20 Euro angepasst. Auch hier wird das fehlende Testat als Grund aufgeführt und darüber hinaus die Sonderprüfung der KPMG.

Ebenso hat das Analysehaus Independent Research ihre Einstufung von „Buy“ auf „Hold“ gesenkt und ihr Kursziel von 120 auf 40 Euro gesenkt. Der Analyst führt als Punkt auf, dass nunmehr zum dritten Mal die Veröffentlichung des Geschäftsberichtes verschoben wurde.

Zum Schluss hat die Investmentbank Otto BHF am 19.06. eine Analyse veröffentlicht. Hier wurde ebenso die Einstufung von „Neutral“ auf „Reduce“ gesenkt und das Kursziel von 120 auf 35 Euro abgestuft. Auch der Analyst des Analysehaus-Otto BHF führt die gleichen Gründe auf.

Aktie des Tages im Fokus

Alles in allem bleibt die Zukunft von Wirecard mehr als ungewiss. Folgt man der Meinung der Analysten, ist ein Bounce-Back auf 100 Euro, genauso wie ein Kursverfall auf 5 Euro sehr gut möglich. Durch die nun 3-mal verschobene Veröffentlichung der Bilanzen ist allerdings jegliches Vertrauen der Anleger weg. Das verlorene Vertrauen, gepaart mit dem Rücktritt des Vorstandschefs Braun, erweckt in Anlegern den Eindruck, dass doch etwas Echtes an der Bilanzmanipulation sein könnte. Dazu kommt, dass die philippinischen Treuhandkonten einfach nicht existieren. Nun können sich Anleger selbst ein Bild machen, wie die aktuelle Lage einzuschätzen ist.

 

 

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Wirecard?

Wie wird sich Wirecard nach der Corona-Krise weiter entwickeln? Ist Ihr Geld in dieser Aktie sicher? Die Antworten auf diese Fragen und warum Sie jetzt handeln müssen, erfahren Sie in der aktuellen Analyse zur Wirecard Aktie.



Wirecard Forum

0 Beiträge
wer sagt "Ich habe 1 Mrd auf dem Konto" kann es aber nicht belegen oder wie das Geld aufs Konto komm
0 Beiträge
solle  WC 08:37
Wenn diese Bande das in den USA gemacht hätten, wären die auf Lebenszeit in den Knast gewandert. Abe
0 Beiträge
Mal was grundsätzliches an die ganzen Deppen und Trolle hier: Nein, dass WC ein Scam ist war durc
4588 Anleger erhalten Nachrichten und Analysen zu Wirecard per E-Mail


Aktuelle Video-Analyse von Wirecard




Disclaimer

Die auf finanztrends.info angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.info veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. Finanztrends.info hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.info an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.info und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)