Blue Cap AG: Interview mit Vorstand M&A / Kapitalmarkt Tobias Hoffmann-Becking im Zuge der Online-Münchner-Kapitalmarkt-Konferenz (MKK) 2020

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Die Wirtschaftskrise durch den weltweiten Shutdown hat auch die Industrie getroffen. „Blue Cap“ investiert in mittelständische Industrieunternehmen. Finanztrends.info hat mit dem Vorstand über die Auswirkungen der Krise gesprochen.

Herr Hoffmann-Becking, Wirtschaftsforscher rechnen wegen der Corona-Krise mit einer Rezession. Spüren Sie die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bei Ihren Lieferanten und Kunden heute schon?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Als Unternehmen mit vielen produzierenden Gesellschaften spüren wir seit März ebenso die Rezession.

Wie genau macht sich die Rezession bei Blue Cap bemerkbar?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Die Kundennachfrage geht teilweise deutlich zurück und vielen Kunden haben ihre Produktion unterbrochen. Die Auswirkungen sind aber bei uns im Portfolio oder sogar in den Unternehmen selber sehr unterschiedlich. Einzelne Bereiche, wie z.B. die Automobilindustrie, kommen fast zum Stillstand während andere Bereiche durch Anpassung des Angebotes oder durch eine Sonderkonjunktur profitieren können.

Worin sehen Sie die größere Gefahr: Im Zusammenbruch der internationalen Lieferketten oder am Absatzmarkt? Was davon betrifft Sie aktuell mehr?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Langfristig ist für uns das Thema Absatzmarkt das größere Thema. Die primären Lieferanten unserer Beteiligungen kommen zum großen Teil aus Deutschland bzw. können durch deutsche Lieferanten ersetzt werden. Das heißt, Lieferketten sind hoffentlich nur temporär gestört, wobei wir die Lieferketten unserer Lieferanten wiederum weniger einschätzen können. Bei den Absatzmärkten ist die Unsicherheit größer. Wann kommt die Nachfrage wieder zurück und in welcher Höhe? Eine Rückkehr relativ schnell wieder auf Vorkrisenniveau oder über einen längeren Zeitraum z.B. zunächst nur 80-90% des alten Niveaus? Je nach Erwartung für die einzelnen Märkte müssen die Unternehmen entsprechend Maßnahmen und Vorbereitungen treffen.

Sie haben schon angesprochen, dass in vielen Bereichen verschiedene Maßnahmen ergriffen werden müssen, um nicht nur Ihren Kurs, sondern auch Ihr Unternehmen gut durch die Krise zu führen. Auch die Regierung ergreift in Zeiten wie diesen Maßnahmen, die für eine neue Geldmengen“flut“ sorgen, in der die Zinsen noch einmal sinken können. Wären noch niedrigere Zinsen für Ihr Unternehmen eine neue Chance?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Das Zinsniveau für Fremdkapital war bisher schon niedrig und sicherlich kein Engpass für Investitionen. Spannender ist für uns die Frage, ob durch die neue Kreditflut sich einige Unternehmen finanziell übernehmen und ihre Bilanz mit einem hohen Anteil an Krediten zu einem späteren Zeitpunkt sanieren müssen. In solchen Situationen können wir mit unserer Sanierungserfahrung und durch frisches Eigenkapital helfen.

Kurzarbeit, Soforthilfen und Dividenden – Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking Kurzarbeit steht bei uns ganz oben auf der Liste. In jedem Tochterunternehmen wird ständig geprüft ob und in welchem Umfang dieses Instrument eingesetzt werden kann. Soforthilfen sind für uns weniger ein Thema. Dafür nutzen wir selektiv die Möglichkeit der KfW-Darlehen, um die Liquiditätssituation bei einzelnen Unternehmen zu stärken. Dividenden sind bei uns stärker durch Verkäufe von Unternehmen getrieben. Erreichen wir dadurch zusätzliche Liquidität auf Ebene der Holding, dann können die Aktionäre weiterhin davon profitieren. Voraussetzung ist aber natürlich zunächst eine Prüfung, ob wir das Geld nicht vorrangig zur Stärkung des Portfolios benötigen.

Wie haben die Märkte denn auf Ihre Maßnahmen reagiert, und: Wie bewerten Sie die Reaktion des Kapitalmarkts insgesamt auf Ihr Unternehmen?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Auch als Beteiligungsunternehmen können wir uns den allgemeinen Tendenzen nicht entziehen. Als Holding mit Investments vorwiegend in produzierenden Bereichen sind wir ebenso wie viele andere betroffen von der Krise und haben entsprechend Kursverluste in der Aktie gesehen. Trotzdem haben aber Unternehmen wie das unsere, die Chance die Krise für sich zu nutzen. Wir haben umfangreiche Sanierungserfahrung und nach dem erfolgreichen Verkauf von em-tec im letzten Quartal auch ausreichend Mittel, um in diesen Zeiten selektiv zu investieren. Rückblickend waren Krisenjahre z.B. für Private Equity Fonds besonders gute Jahre für Investments. Wir hoffen diese Zeit aktiv zur Portfolioerweiterung nutzen zu können.

Abschließend würde ich gerne noch über das Thema Hauptversammlung mit Ihnen sprechen, da die meisten Hauptversammlungen aufgrund der aktuellen Lage verschoben oder digital durchgeführt werden. Sind Sie dafür, dass Hauptversammlungen künftig generell digital, zum Beispiel per online Stream, stattfinden? Welche Chanen oder Nachteile sehen Sie hier?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Wir sehen in der digitalen Verbreitung der Hauptversammlung die Chance deutlich mehr Aktionäre zu erreichen. Nicht für jeden Aktionär ist es möglich oder sinnvoll zu einer Präsenzhauptversammlung zu reisen. Bei einer online Übertragung können sich deutlich mehr Aktionäre mit einem sehr geringen Aufwand beteiligen und informieren. Eine online Übertragung ersetzt allerdings nicht komplett einen tiefgehenden Dialog mit den Investoren vor Ort während der HV. Insofern ist eine Kombination aus beiden Varianten aus unserer Sicht dauerhaft wünschenswert.

Eine Kombination halte ich in der Tat auch für sehr sinnvoll. Ich kann also davon ausgehen, dass Blue Cap eine digitale Hauptversammlung gestaltet?

Antwort von Tobias Hoffmann-Becking: Ja wir prüfen die Möglichkeiten einer online HV und bereiten uns entsprechend vor.

Herr Hoffmann-Becking , ich hoffe doch sehr, mir Ihre digitale Hauptversammlung bald ansehen zu können und bin sehr gespannt auf Ihre Umsetzung. Des Weiteren bedanke ich mich für das interessante Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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