Bitcoin – die Krisenwährung. Oder?

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Liebe Leser,

die Corona-Krise und die Börsensituation macht uns derzeit wohl allen zu schaffen – die Kurse sind kaum noch zu prognostizieren bzw. zu bewerten, so Analysten. Gestern gewann der Dow Jones mehr als 5 %, heute morgen verliert der Dax bereits wieder kräftig. Kurzfristig sind alle verunsichert. Was läge näher, als genau jetzt zum Bitcoin zu greifen? Der war als Krisenwährung angekündigt worden, vor allem für den Fall, dass per Zinspolitik die Welt zusammenbricht. Nun: Der Bitcoin macht sich weiter auf den Weg nach unten. Selbst dann, wenn er noch einmal 50 % verliert – oder auch mehr – würde ich nicht zugreifen…

Der Bitcoin könnte gewinnen, aber…

Selbstverständlich kann der Bitcoin auch in diesen Tagen gewinnen. Aber das wäre rein spekulativ, ohne jede wirtschaftliche Basis. Die Situation stellt sich wie folgt dar: Der Bitcoin ist gerade in diesen Krisenzeiten keine Währung. Schon in kurzer Zeit dürfte der Handel bundesweit weiter eingeschränkt werden.

Die Supermärkte haben noch geöffnet, Spezialgeschäfte nicht mehr, Apotheken sind noch da, Friseure offenbar auch noch, nur – haben Sie das Gefühl, einer dieser Händler würde jetzt den „Bitcoin“ annehmen? Können Sie dort Toilettenpapier kaufen, Desinfektionsmittel oder Lebensmitteldosen, wenn Sie den Bitcoin haben?

Die Frage ist ketzerisch. Natürlich ist der Bitcoin als Online-Lösung zu verstehen. Dann spielen Sie die Rolle des Online-Händlers: Der hat ein Massenpublikum vor sich, das er jetzt beliefern kann (sofern er die Ware hat). Die Menschen bestellen: Desinfektionsmittel, Toilettenpapier, Lebensmitteldosen. Sie bieten Kreditkarten an, Paypal und so fort. Würden Sie in diesen turbulenten Tagen – Amazon soll 100.000 Mitarbeiter einstellen wollen -, eine Abteilung unterhalten, die den Bitcoin bewirtschaftet? Der Kurs schwankt extrem (bzw. fällt aktuell stets deutlich), sodass Sie Terminkontrakte abschließen müssten, um die Währung und Ihre Kaufkraft abzusichern.

Kein Online-Händler, der sich jetzt auf das Geschäft seines Lebens konzentrieren wollte, würde viel Zeit mit dem Bitcoin oder anderen Kryptowährungen verbringen und hier Schwankungen absichern. Drehen wir die Uhr weiter? Sollte sich die Krise verschärfen, benötigen Sie Kontakt zum Nachbarn. Vielleicht hat der mehr Toilettenpapier oder Dosen – würde Ihnen Ihr Nachbar vorab die Waren gegen Bitcoin verkaufen, bevor Sie sich die Produkte bei ihm abholen? Ich kann mir das nicht vorstellen…

Der letzte Versuch. Wenn Sie gelesen haben, dass die Geldmenge sich wg. weiter sinkender Zinsen erhöht – oder weil die USA jetzt Geld an die Haushalte verschenken wollen – suchen Sie vielleicht eine Möglichkeit, um Ihr Geldvermögen etwas sicherer aufzuheben (gegen die zwangsläufige Entwertung). Vor Ihren Augen fällt der Bitcoin wie andere Kryptowährungen seit vielen Tagen – und zwar viel deutlicher als der Dollar oder der Goldpreis, der nur minimal abgibt. Wollen Sie jetzt Ihre Euro gegen Bitcoin und Co., die Krisenwährung, tauschen?

Eine Krisen“währung“ ist der Bitcoin nicht – und vor allem nicht in dieser Krise. Sie haben nicht viele Versuche frei. Qualitäts-Unternehmen und Gold bleiben meine Favoriten.



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