Bier, Alkohol und der Katzenjammer

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Wir alle kennen die Wirkung von Alkohol. In ganz kleinen Dosen zu sich genommen, kann er durchaus Heilkräfte entwickeln und hat für den menschlichen Körper durchaus positive Auswirkungen. Ganz anders jedoch, wenn man zu viel davon erwischt: In der ersten Phase werden die Konsumenten etwas übermütig. Unkontrollierte Abläufe in der Motorik sowie der mangelnde Blick dafür, das Ganze zu umreißen prägen die zweite Phase und der kräftige Katzenjammer und meist nicht „gestiefelte“ Kater prägen den dritten Akt.

Was will ich damit aufzeigen? Unsere Regierung handelt unter dem Motto: „Freibier für alle“ Alle Subjekte unserer Gesellschaft werden mit „Geldsegen“ überhäuft. Jede Branche, sie muss nur genug und lautstark jammern und aufzeigen, wie schlecht es ihr geht, bekommt etwas ab. Es ist die große Zeit der Lobbyisten, die sich vor den Futtertrögen in Stellung gebracht haben. Die Wohltaten des Geldsegens widerfahren den in der Vergangenheit gutverdienenden Automobilkonzernen genauso wie dem Harz IV Empfänger.

Dem Bürger wird Geld geschenkt, da-mit er wieder anfängt mittels weiterem Konsum die etwas aus dem Gleichgewicht geratene Wirtschaft ins rechte Lot zu bringen. Auch die Kommunen und Länder erhalten für entgangene Steuern ca. EUR 130 Milliarden aus der Bundeskasse überwiesen. Die „Mutti“ unserer Nation meint dazu: „Wir sind alternativlos!“ Und sollte der Geldsegen noch nicht reichen, so sind die politisch Verantwortlichen immer gerne und jederzeit bereit nachzubessern.

Mit anderen Worten: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das richtige Augenmaß inzwischen verloren gegangen ist. Denn die Frage nach der Ursache der wirtschaftlichen Katastrophe gerät absichtlich zunehmend in den Hintergrund. Der nahezu vollkommene wirtschaftliche Stillstand wurde von unseren gewählten Regierungsvertretern, natürlich zum Wohle der Bürger, verursacht. Und nun stellt man fest, dass das, was in ca. zwei Monaten vernichtet wurde wiederum ca. zwei Jahre braucht, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen. Damit ist das schon häufig zitierte Helikoptergeld endlich zum Einsatz gekommen.

Auf europäischer Ebene wird das Gleiche versucht. Die EZB versucht in einem Anflug von Übermütigkeit das Ganze noch zu toppen. Das Notfallankaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) für Staats- und Unternehmensanleihen von erst jüngst beschlossenen EUR 750 Milliarden um weitere EUR 600 Milliarden auf EUR 1,35 Billionen (1.350.000.000.000,-) aufstockt. Das Programm soll bis Ende Juni 2021 laufen. Damit wird noch mehr Geld in den europäischen Wirtschaftskreislauf gepumpt. Frau Lagarde macht also im Draghi-Modus weiter.

Die bislang schon künstlich am Leben gehaltenen „Zombie-Unter-nehmen“ werden in ihrem Fortbestand noch eine Weile weiter gesichert und der wirtschaftliche Bereinigungsprozess wird noch weiter in die Zukunft verschoben. Dass von Seiten der Europäischen Zentralbank der wirtschaftliche Einbruch in Europa positiv begleitet wird ist sehr löblich. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die Talsohle der Rezession im Mai durchschritten wurde, darf schon die Frage gestellt werden, ob diese jüngste Aktion nicht doch sehr voreilig war.

Und die Zusatzfrage lautet: Wie will man aus diesem Programm wieder herauskommen? Denn trotz einer sehr guten wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2017 hat die EZB weiterhin Anleihen erworben. Das interessante an der Geschichte ist jedoch, dass das Bundesverfassungsgericht es der Deutschen Bundesbank untersagt hat, sich an diesem Programm zu beteiligen, bis von Seiten der EZB mehr Transparenz in die Sache gebracht wurde.

Die EZB setzt sich über das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hinweg und ihre Staatsfinanzierungen fort. Ob das alles legitim ist? Dies zu beurteilen überlasse ich gerne denen, die etwas mehr davon verstehen als ich. Für mich betreibt die EZB weiterhin eine europäische Staatsfinanzierung und druckt massiv Geld. Die EZB hat in erster Linie die Aufgabe für Preisstabilität zu sorgen – sie betreibt jedoch Wirtschaftspolitik. Da muss schon mal die ketzerische
Frage gestellt werden: „Ist die EZB etwa der Souvereign der EU? Denn der Wert des Geldes hängt ausschließlich vom Vertrauen ab, das diesem Geld entgegengebracht wird, denn eine Bedeckung fehlt.

Die Pandemie hat auch dafür gesorgt, dass in vielen Geschäften nur noch mit Plastikkarte gezahlt werden kann. Damit wird der Abschaffung des Bargeldes enormer Vorschub geleistet. Wehe dem, der keine dieser Plastikkarten besitzt.
Gerüchteweise habe ich gehört, dass es in Deutschland Bürger geben soll die das 90igste Lebensjahr bereits überschritten haben, aber nicht mit Plastikkarten und Internet ausgestattet sind – na die haben einfach Pech gehabt oder?

Vor wenigen Tagen musste ich zu einem Optiker um eine neue Brille zu kaufen, damit
hoffentlich mein Durchblick wieder geschärft wird. Dabei ist mir folgendes aufgefallen: Der
Optiker öffnet erst morgens um 10 Uhr (vor Corona war es 9:00 Uhr) Die Mittagspause geht von 12 Uhr bis 14 Uhr (vor Corona gab es keine) und am Nachmittag ist von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet (vor Corona bis 20 Uhr). Da stehen dann morgens um 10 Uhr ca. 15 Personen in einer langen Schlage (wegen Abstand) auf der Straße und begehren Einlass.

Dieses ungewohnte Bild war mir bislang nur aus alten Fernsehaufnahmen bekannt, wenn bei uns im Westen gezeigt wurde, die der Gütermangel in der ehemaligen DDR zum Ausdruck kam.
Ich frage mich deshalb schon, weshalb es denn sein kann, dass die Geschäfte trotz der Kundennachfrage keine größeren bzw. längeren Öffnungszeiten haben? Von Seiten des Staates wird doch alles getan um die eingebrochene Nachfrage wieder anzukurbeln! Ich bin letztlich zu folgendem Ergebnis gekommen: die jeweilige Firmenleitung fährt ihre Mitarbeiter im Halbtagsschichtmodus.

Die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet am Vormittag und die andere Hälfte am
Nachmittag. Für die jeweils restlichen halben Tage ist Kurzarbeit angesagt um vom Segen des Staates zu profitieren. Ob das wohl Missbrauch ist? Und die Kunden? Wer braucht schon Kunden?

Es gibt noch immer den Slogan aus dem Bankenbereich: „Der Kunde stört nur!“ Apropos
Banken: Wie jüngst aus der Presse zu entnehmen war, hat die Sparkasse München-
Starnberg in Filialen die Briefkästen vernagelt, damit die Kunden keine Überweisungen mehr einwerfen können.

In anderen Geschäften, mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels sieht es übrigens ähnlich aus. Ich habe nicht nachhaltig den Eindruck, dass dies von Seiten des Handels anders gewünscht wird. Denn sollte das Geld nicht reichen kann man sich auf bewährtes verlassen: Jammern, fordern, mit Geschäftsschließungen und dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen.

Der Steuerzahler wird es am Ende schon richten – auch wenn dem Verbraucher Sand in die Augen gestreut- und temporär der Mehrwertsteuersatz gesenkt wird. Die Rechnung fällt hinterher umso höher aus. Diese zunehmende Nachlässigkeit gegenüber einer überbordenden Verschuldung wird auch von Herrn Rürup positiv gesehen. „Die Deutschen hätten eine Schuldenphobie die es abzulegen gilt“.

Es spricht nach seinen Worten nichts dagegen, wenn kreditfinanzierte
zukunftsträchtige Investitionen vorgenommen werden und diese dann von den
nächsten Generationen bedient werden müssen. Solche Sprüche habe ich in den vergangenen 20 Jahren von vielen Leuten aus dem südeuropäischen Raum gehört. Die Schulden in diesen Ländern sind beträchtlich gewachsen, das Wirtschaftswachstum ist ausgeblieben und die nächsten Generationen können den Scherbenhaufen zusammenkehren, falls nicht ein anderer Blender in der Gunst der Wähler erscheint und das Zepter übernimmt.

Wer geglaubt hat, dass sich die Trump-Regierung in Zeiten der Corona-Pandemie
und Rassenprobleme mehr auf innenpolitische Themen konzentrieren würde, liegt nicht richtig. Die wirtschaftlichen Auseinandersetzungen mit China nehmen in diesen Tagen wieder an Schärfe deutlich zu. Kurz vor Fertigstellung der Gaspipeline durch die Ostsee (Nordstream 2) wird von Seiten der USA ein schärferer Ton angeschlagen und mit erheblichen Sanktionen gedroht.

Die USA sind fest entschlossen die Fertigstellung und Inbetriebnahme der Leitung
zwischen Russland und Deutschland zu verhindern. In dem dazu vorgelegten Gesetzentwurf
werden allen an der Pipeline beteiligten Unternehmen Wirtschaftsstrafen angedroht. Dazu gehören beispielsweise Unternehmen die Schweißgeräte herstellen, Hafendienstleister oder
(Rück-)Versicherungsunternehmen. Der republikanische Senator Ted Cruz bezeichnete Nord
Stream 2 als „ernste Bedrohung der nationalen Sicherheit Amerikas“.

Von Seiten der Demokraten wird ausgeführt, und diese sitzen dieses Mal im gleichen Boot wie die Republikaner, dass sie nicht nur im amerikanischen, sondern auch im europäischen Interesse handeln würden, wenn das Projekt unterbunden wird.
Für eine faustdicke Überraschung sorgten am vergangenen Freitag die Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Im April dieses Jahres wurden rund 20,7 Millionen Arbeitsplätze abgebaut.

Im Mai erwarteten die Analysten eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit von ca. 8
Millionen – veröffentlicht wurde ein Abbau der Arbeitslosigkeit (Zunahme der Beschäftigung) von rund 2,7 Millionen. Der Präsident führte Feixtänze auf unter dem Motto „es handle sich wahrscheinlich um das größte wirtschaftliche Comeback der amerikanischen Geschichte“. Leider sieht die Realität etwas anders aus. Von Seiten der Arbeitsbehörde wurde eingeräumt, dass ca. 5 Millionen Menschen als arbeitend eingestuft wurden obwohl sie arbeitslos waren.

Zu weiteren Verzerrungen kommt es, wenn Personen nicht angetroffen werden. Sie werden
sofort als arbeitslos eingestuft, obwohl sie sich möglicherweise in Kurzarbeit oder im Urlaub
befinden. Diese Unschärfe hat es in den USA schon immer gegeben – sie ist nur nicht so
gravierend ausgefallen wie gegenwärtig. Ob die Interviewer noch dazulernen können? Die tatsächliche Arbeitslosenquote dürfte um 17 % betragen. Und: Eine Korrektur in der Statistik soll erstmal nicht vorgenommen werden.

In Deutschland befindet sich die Wirtschaft weiterhin auf Talfahrt. Insbesondere der
europäische Automarkt hat mit erheblichen Absatzproblemen zu kämpfen. Dies liegt aber nicht nur daran, dass bei den meisten Automobilherstellern nach wie vor Autos mit Elektroantrieb unterrepräsentiert sind. Das zögerliche Verhalten dieser Branche hat auch damit zu tun, dass der Blick stärker auf die zukunftsträchtigere Technologie der Brennstoffzelle gelenkt wird.

Die Rezession in Deutschland macht sich inzwischen auch im Warenhandel deutlich bemerkbar. Im April gingen die Exporte gegenüber dem Vormonat um 24 % zurück – gegenüber April 2019 war ein Rückgang von über 31 % zu verzeichnen. Der Warenwert wurde auf fast EUR 109 Milliarden beziffert. Das wichtigste Exportgut sind nach wie vor Kraftfahrzeuge, die einen Anteil von knapp 17 % hatten.

Die Importe fielen im April mit einem Rückgang von 16,5 % gegenüber dem Vormonat ebenfalls geringer aus. Insgesamt ist zu konstatieren, dass es bei den Exporten
um die größten Rückgänge seit 1990 und bei den Importen um die größten Rückgänge seit
Januar 2009 handelt. Mit anderen Worten: Deutschland befindet sich in einer handfesten Rezession!

Diese größte wirtschaftliche Rezession seit den frühen 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts führt dazu, dass an den Aktienbörsen viele Indices die Höchststände vom Jahresanfang 2020 bereits übertroffen haben, wie dies bereits an der NASDAQ, der amerikanischen Technologiebörse geschehen ist. Und das, obwohl bei sehr vielen börsennotierten Unternehmen Gewinneinbrüche oder Verluste eintreten werden in einem bislang nicht bekannten Ausmaß.

Äh – ich glaube, jetzt ist bei mir etwas durcheinandergeraten – oder hat etwa der Optiker
beim Neuerwerb meiner Brille doch die falschen Gläser verwendet? Denn die Börsenrally der vergangenen 4 Wochen ist nicht nur allein auf die Eindeckung von sogenannten Short-Positionen (Eindeckung von Leerverkäufen) zurückzuführen. Es könnte auch sein, dass viele Marktteilnehmer davon ausgehen, dass es zu einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft kommt.

Die überbordende Liquidität, weiterhin niedrige Kapitalmarktzinsen, die einen gewissen Anlagenotstand nach sich ziehen, tragen ebenfalls dazu bei, diverse Warnsignale auszublenden. Hinter das Jahr 2020 wird ein Haken gemacht und ein hoffnungsvoller Blick in die Jahre 2021 und 2022 gewagt – verbunden mit der Annahme, dass alles wieder GUT wird.

Die jüngsten Kursbewegungen an den Aktienbörsen haben natürlich auch dafür gesorgt, dass sich die Stimmung bei den Anlegern wieder deutlich verbessert hat – ja sogar eine gewisse Euphorie auszumachen ist. Dies bestärkt mich weiter darin, dass die nächsten Kurskorrekturen nicht mehr allzu fern sind.

In einer Statistik hatte ich vor wenigen Tagen gelesen, dass das von den globalen Zentralbanken zur Verfügung gestellt Geld über 22 % des weltweiten BIP ausmacht. 1992 waren es noch 3,7 % und 2007 ca. 7,2 %. Es hat sich somit in den vergangenen 13 Jahren mehr als verdreifacht.
Mir fällt es schwer sich daran zu gewöhnen, dass sich die Aktienmärkte von der Realwirtschaft derart abgekoppelt haben und das Absurde weiter fortschreitet.

Da fällt mir gerade ein, dass ich noch zu meinem Steuerberater muss um den Antrag für mein persönliches Corona-Packet auszufüllen – beim Freibier ist der bürokratische Aufwand noch recht überschaubar. Und beim Optiker muss ich auch noch vorbeigehen. Sie wissen schon – wegen des Durchblicks!
Auch, wenn die gegenwärtigen Außentemperaturen eher an einen milden Winter erinnern – ich denke bei der nächsten Korrektur an den Börsen sind die Schweißperlen wieder vorhanden.

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Intel ist von den Toten auferwacht und zuckt noch.
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Schnäppchenpreise vor der SNEC oder der Anfang vom Ende?
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danke planetpaprika für deine einschätzung zum möglichen Potential von Arbutus, hoffen wir mal das
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