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Alarm aus den USA: Großbank warnt vor Value-Aktien

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Lieber Leser,

wenn es nach der JPMorgan-Bank geht, ist das „Umfeld für Value-Aktien“ so schlecht wie niemals zuvor. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 sei die Strategie, in „Value-Aktien“ zu investieren, „allen anderen Ansätzen unterlegen“, meint die Bank. Und tatsächlich laufen die Werte wie Amazon oder Netflix und Apple aus dem Technologie-Bereich mit höchsten Kursgewinnen besser. Sehen wir uns diese Empfehlung einmal an.

Value“-Strategie: Der große Irrtum

Dabei ist noch nicht einmal sicher, was eine „Value“-Strategie sein soll. „Value“-Unternehmen werden oftmals mit „Sicherheit“ und „Langeweile“ gleichgesetzt. Das ist falsch. Der sogenannte „Value-Effekt“ in wissenschaftlichen und halbwissenschaftlichen Arbeiten stellt auf einen ganz anderen Umtand ab: Value-Unternehmen haben oft wesentlich ungünstigere Bilanzkennziffern, sind absolut höher verschuldet, relativ bezogen auf deren Bilanzvermögen, weisen ein geringeres Umsatzplus pro Jahr auf und erwirtschaften geringere Margen.

Infolge dieser ungünstigeren Bilanzkennziffern (vor allem in Bezug auf Margen im Handel und auf das Umsatzwachstum) ergibt sich oftmals ein vergleichsweise höherer Risikoaufschlag und damit ein Kursabschlag gegenüber erfolgreichen Wachstumsunternehmen. Der niedrige Aktienkurs ist nicht dem Umstand geschuldet, dass ein solches Unternehmen „langweilig“ ist, sondern dem Risiko der schlechteren Bilanzrelationen.

Die Aktien sind in der Bewertung oft „günstig“ und reflektieren damit das größer Risiko! Dazu gibt es zahlreiche Beispiele. Sehen Sie sich einfach die Werte im Bankensektor an, die ein teils absurd niedriges KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) aufweisen. Nicht deshalb, weil die Aktien vergessen worden wären, sondern weil wenige Investoren das Risiko auf sich nehmen wollen.

Genau hier setzen aber erfolgreiche Value-Investoren wie Warren Buffett an. In einigen oder vielen Fällen (je nach Sichtweise) wird dieses Risiko überschätzt, womit der Kurs dann messbar zu gering ausfällt. Die Unterbewertung ergibt sich nicht aus der Langeweile, sondern aus der Risiko-Betrachtung. Sichtbar wird dies bei zahlreichen Rückversicherungs-Unternehmen. Deren Risiko ist relativ groß, da sie Risiken versichern, die kleinere Versicherungen nicht mehr abschätzen können.

Wenn solche Schadensfälle eintreten, ist das Gejammer – bei den Analysten – groß. Dies können Sie alljährlich bei der Beurteilung der „Hurrikan-Schäden“ beobachten. Das Risiko aber ist in einem anderen Sinne kalkulierbar: Die Prämien werden nach Großschäden einfach angepasst – die Versicherungsnehmer haben fast keine Alternative, um unbekannte künftige Großschäden zu versichern. Deshalb sind die lange Zeit niedrigen Kurse (sichtbar beispielsweise am KGV) von Rückversicherern eine Untertreibung gewesen. Buffett kauft solche Unternehmen.

Und wie sieht es heute aus? Das Risiko für bestimmte Value-Gruppen wie eben Rückversicherer, wie Coca-Cola oder in jüngster Zeit auch Apple wird überschätzt. Apple hat eine enorme Kundenbasis und weltweit eine Kultmarke aufgebaut. Buffett hat in diese Unternehmen investiert. Warum? Weil die Risiken wie so oft viel zu groß eingeschätzt werden. Und deshalb ist diese Value-Strategie auch im Jahr 2019 nicht gestorben. Berkshire Hathaway übrigens, die Beteiligungsgesellschaft, die Warren Buffett führt, hat seit Ausbruch der Finanzkrise ungefähr 300 % gewonnen. Weil das Risiko der sogenannten langweiligen Unternehmen immer überschätzt wird.

Bleiben Sie gelassen,

mit besten Grüßen

Ihr Christian Waffenschmidt

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