Aktien bleiben langfristig die attraktivste Anlageklasse

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Wirecard und Lufthansa beschäftigen derzeit Wirtschaft und Börsen wie kein anderes Thema. Dabei sind die Probleme ganz unterschiedlich gelagert. Täglich neue kritische Schlagzeilen – für die Medien naturgemäß ein gefundenes Fressen. Dagegen werden die beiden wichtigsten globalen Fragen mittlerweile mit vorsichtigem Optimismus beantwortet: Trotz regionaler Rückschläge verliert die Pandemie allmählich ihren Schrecken. Deshalb machen nationale und internationale Experten Mut, dass die Weltwirtschaft noch im Sommer aus dem Rezessionstief herauskommen und sich dann wieder erholen kann. Das hat die Börse schon seit Wochen geahnt, werden die Akteure unter Hinweis auf die erstaunliche Kurserholung kopfnickend bestätigen.

Kein Wunder, dass sich die Vordenker unter den Anlageprofis jetzt zunehmend mit der Zeit nach Corona beschäftigen. Da alle Aktienförderer (so auch ich) vor allem für die langfristige Anlage plädieren, wird auch Sie, geschätzte Leser, interessieren, was die Strategen für die Zeit nach Corona denken. Dazu hier und heute einige Gedanken als Ergänzung zu meiner letzten Kolumne.

Erfahrene Analysten erinnern an die Masseneuphorie, die im Frühjahr 2000 zum schmerzhaften Platzen der Dotcom-Blase führte. Auch die aktuelle Entwicklung lässt Kennzeichen des damaligen Überschwangs erkennen. Mehr aber auch nicht, denn vieles ist nicht mehr wie früher. So gibt es eine ganze Reihe von qualitativ hochwertigen Wachstumsunternehmen, die nicht teuer sind, obwohl sich das fundamentale Umfeld vollkommen verändert hat. Darüber hinaus stellt die schiere Menge des verfügbaren Kapitals ein stichhaltiges Argument für den fortgesetzten Kauf von Aktien dar. Und zwar ungeachtet dessen, ob die Anlageentscheidung auf Fundamentaldaten basiert oder nicht.

Die wichtigste Neuerung unter den Rahmenbedingungen der Börse ist der Schulterschluss von Geldpolitik (Notenbanken) und Fiskalpolitik (Regierungen). Daraus ergeben sich Hilfspakete als Corona-Folge in Größenordnungen, die selbst den Finanzexperten den Atem rauben. Ein Ende der Hyper-Liquidität ist nicht abzusehen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Fachleute längst über „ewige Nullzinsen“ diskutieren und die Aktienanlage deshalb als dauerhaft konkurrenzlos bezeichnen. Und so sieht es tatsächlich aus! Damit gewinnt der sogenannte „TINA-Effekt“ zusätzliches Gewicht – die Abkürzung steht für „There Is No Alternative“ und besagt, dass riskante Anlagen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld die einzige Option sind, um eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Künftig dürften professionelle Anleger und Vermögensverwalter sogar noch mehr in risikobehaftete Anlageklassen gedrängt werden als zuvor, denn die Aktie ist eines der liquidesten Instrumente an den Finanzmärkten und gehört somit zu den Profiteuren dieses Effekts.

Was heißt das für Sie, geschätzte Leser? Angesprochen sind hier nicht die kurzfristigen Trader und Spekulanten, sondern typische mittel- bis längerfristige Anleger, deren Zeithorizont etwa ein, zwei, drei Jahre reicht. Neben den fundamentalen Wirtschaftstrends gilt es mit weitem Blick nach vorn u.a., die geo- und handelspolitischen Entwicklungen zu beachten, die Gefahren einer De-flation oder umgekehrt einer Re-Inflation (beides sehe ich momentan überhaupt nicht), die Rolle von Donald Trump (Wahltermin im November). Als langfristiger Optimist erkenne ich zwar zahlreiche und gefährliche Problemfelder rund um den Globus. Trotz populistischer und nationalistischer Strömungen halte ich jedoch ein Ende der Globalisierung für höchst unwahrscheinlich. Dafür ist die Welt als Folge der Digitalisierung längst zu eng zusammengerückt.

Im Sinn einer internationalen Streuung von Chancen und Risiken plädiere ich für drei regionale Aktienschwerpunkte – USA, Asien, Europa. Zwar hat sich für europäische Aktien die Lage durch den Brexit kurzfristig verschlechtert. Deshalb schlagen manche Analysten vor, Investoren sollten ihre Aktienportfolios derzeit stärker außereuropäisch diversifizieren und Qualitätsaktien vorziehen. Doch muss (und wird es) den Europäern gelingen, als effiziente Gemeinschaft aufzutreten. Das kann dauern. Außerdem würde ich Value- und Wachstumsaktien mischen bzw. nach Werten Ausschau halten, die beide Elemente vereinen (Beispiel Nestlé).

Bezogen auf die Anlageklassen bleibt meine Empfehlung unverändert Aktien & Gold. Diese kann im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie umgesetzt werden. Erst dann sollte individuell entschieden werden, welche Anlageinstrumente (Direktkauf, Investmentfonds, ETFs, Zertifikate etc.) zum Einsatz kommen. Zuallererst  müssen  wir aber Corona überstehen!

Bleiben Sie gesund – und machen Sie’s gut! Herzlich, Ihr Börsen-Dino!



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