ABO Wind AG: Interview mit Alexander Koffka, Mitglied der Geschäftsleitung, im Zuge der Online Münchener Kapitalmarktkonferenz (MKK) 2020

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Die ABO Wind AG entwickelt und errichten Wind- und Solarparks in verschiedenen Ländern. Die Corona-Krise greift das Geschäftsmodell kaum an, da der Markt nicht den üblichen Konjunkturrisiken unterworfen ist. Finanztrend.info sprach mit dem Geschäftsleitungsmitglied Alexander Koffka über die längerfristigen Aussichten.

Herr Koffka, Wirtschaftsforscher rechnen wegen der Corona-Krise mit einer Rezession. Spüren Sie die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bei Ihren Lieferanten und Kunden heute schon? Falls ja, inwiefern?

Antwort von Alexander Koffka: Der Markt für erneuerbare Energien ist weitgehend entkoppelt von allgemeinen Konjunkturzyklen. Das Interesse der Investoren, Wind- und Solarparks zu erwerben, hat seit dem Ausbruch der Pandemie nicht nachgelassen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Nachfrage abnimmt. Denn gerade in unsicheren Zeiten sind Investitionen in zukunftssichere Infrastrukturprojekte attraktiv. Aufgrund der Pandemie verzögern sich jedoch einige Verkäufe und Finanzierungen von Wind- und Solarparks. Weil Behörden zum Teil nicht arbeiten, ist beispielsweise die Registrierung von Verträgen und Sicherheiten erschwert.

Unsere Lieferanten, also die Hersteller von Windkraftanlagen, Solarmodulen oder Umrichtern, sind in ihren Produktionsprozessen von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Bisher laufen unsere Baustellen noch planmäßig. Aber ich wäre nicht überrascht, wenn es in den nächsten Monaten zu der einen oder anderen Verschiebung käme. Solange das halbwegs im Rahmen bleibt, wäre das aber nicht sonderlich problematisch.

Und worin sehen Sie die größere Gefahr: Im Zusammenbruch der Lieferketten oder am Absatzmarkt? Was davon betrifft Sie aktuell mehr?

Antwort von Alexander Koffka: Wie oben ausgeführt, sehe ich beim Absatz von Wind- und Solarparks kein mittelfristiges Risiko. Bei den Lieferketten wird es voraussichtlich zu Verschiebungen kommen, auf die wir uns einstellen können.

Also ist das Ausmaß für Sie noch kalkulierbar, das hört man in Zeiten wie diesen gerne. Auch die Regierung versucht die Ausmaße durch verschiedene Maßnahmen gering zu halten. Die Maßnahmen sorgen für eine neue Geldmengen“flut“, in der die Zinsen noch einmal sinken können. Wären noch niedrigere Zinsen für Ihr Unternehmen eine neue Chance?

Antwort von Alexander Koffka: Wind- und Solarparks zeichnen sich im Vergleich zu fossilen Kraftwerken durch relativ hohe Investitions- und niedrige Betriebskosten aus. Im Gegensatz zu Kohle, Gas oder Uran muss man für Wind oder Sonne ja nichts bezahlen. Sollten die Zinsen noch weiter sinken würden die Kostenvorteile, die erneuerbare Kraftwerke gegenüber konventionellen schon heute haben, noch zunehmen. Das würde den ohnehin starken globalen Trend zu erneuerbaren Energien zusätzlich stärken.

Viele Unternehmen in ganz Deutschland, aus den verschiedensten Branchen sind ins Schwanken geraten. Überall hört man von Kurzarbeit, nötigen Soforthilfen oder dem Streichen der Dividende. Welche Maßnahmen ergreift Ihr Unternehmen? Steht bei Ihnen auch die Kurzarbeit vor der Tür?

Antwort von Alexander Koffka: Kurzarbeit ist in der aktuellen Situation für uns keine Option. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mehr als genug zu tun. Über die Möglichkeiten und Bedingungen von Finanzierungsprogrammen stimmen wir uns laufend mit unseren Geschäftsbanken und den zuständigen Behörden ab. Somit sind wir jederzeit handlungsfähig und können falls notwendig sinnvolle Maßnahmen ergreifen.

Und wie bewerten Sie die Reaktion des Kapitalmarkts insgesamt auf Ihr Unternehmen?

Antwort von Alexander Koffka: Schon vor dem Corona bedingten Rückgang der Aktienkurse schien mir unser Unternehmen günstig bewertet. Das gilt jetzt erst recht.

Abschließend und aus gegeben Anlass möchte ich noch über das Thema Messen und Hauptversammlungen mit ihnen sprechen. Die meisten Hauptversammlungen und Messen, wie die MKK, werden aufgrund der aktuellen Lage verschoben oder digital durchgeführt. Sind Sie dafür, dass Hauptversammlungen künftig generell digital, zum Beispiel per online Stream, stattfinden? Welche Vor – / Nachteile sehen Sie hier?

Antwort von Alexander Koffka: Vorteilhaft ist, dass Aktionäre ohne Reiseaufwand die HV verfolgen können. Der persönliche Kontakt lässt sich aber nicht durch ein Video ersetzen.

Sie sind also Zwiegestalten, was das Thema angeht. Können wir denn trotzdem bald die Hauptversammlung von ABO Wind online verfolgen?

Antwort von Alexander Koffka: Bislang nicht. Ob wir unsere HV am 20.8. in diesem Jahr virtuell ausrichten, ist noch nicht entschieden.

Vielen Dank für das interessante Interview. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg auf Ihrem Weg und freue mich über weitere Infos zu der eventuellen digitalen Ausrichtung Ihrer Hauptversammlung.



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